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Freitag, 11. November 2016

"Zwölf Uhr mittags" / "High Noon" [USA 1952]


Auch in einem anderen Klassiker, in Alfred Hitchcocks "Im Schatten des Zweifels", kam das Böse auf Schienen in eine über den Dingen stehende, traumverlorene Stadt und spie schummrigen, unheilverkündenden Smog aus – als ob es bei seiner Ankunft zu atmen beginnt. Frank Miller (Ian MacDonald) heißt das Böse in "Zwölf Uhr mittags". In ihm spiegelt sich Rache, Geltungssucht und der Irrglauben einer Justiz, dass die akkurate Verteilung von Gut und Böse, Recht und Unrecht legitim sei, einer Situation gerecht zu werden, in der sich ein desillusionierter Ex-Sheriff (Gary Cooper) allein gegen die Vendetta seines Erzfeindes behauptet. Isoliert von allem Menschlichen sind beide. "Zwölf Uhr mittags" ist deswegen ein gelungener Westernbeitrag, weil dessen nihilistisches Menschen- und Sozialbild, angefüllt mit Opportunismus, Duckmäusertum und Schweigen, eine Anklage repräsentiert, die auf dem Gipfel verdorbener Gefühle in ein wahrlich existenzielles Untergangsbild ihr Ende findet: Der Stern an der Brust ist weniger wert als der Staub, in der er fällt, wenn die Strukturen auseinanderbrechen. Allem politischen Impetus zum Trotz, fasziniert Fred Zinnemanns stilistisch abgeklärte Pflicht- und Todesballade gerade aufgrund ihres zeitlichen und räumlichen Naturalismus, abstraktem, auf der Stelle tretendem Warten in zwei voneinander getrennten Handlungssträngen dann Panik zu entlocken, sobald der Minutenzeiger (zunächst unbemerkt) seine Richtung ändert.  

6 | 10

Mittwoch, 26. November 2014

"Der Mann, der Liberty Valance erschoss" / "The Man Who Shot Liberty Valance" [USA 1962]


[...] Ingmar Bergman, François Truffaut und Martin Scorsese gehörten und gehören der großzügig prominenten Fangemeinschaft John Fords an. Wenngleich Ford, wie Truffaut schrieb, nie den Worten "Kunst" und "Poesie" traute, um eigenhändig seine Arbeit zu umschreiben, dürfte es den winzigen Moment eines Augenzwinkerns erfüllen, den (inflationären) Kunst- und Poesiestempel allein diesem schwindelerregend tiefschönen, reflexiven und gramgebeugten Werk "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" aufzudrücken, in dem John Wayne und James Stewart als Abgesandte im Duett ein Genre zweiteilen und es obendrein hinterfragen. Wahrscheinlich konnte John Ford als einer der wenigen Künstler simpel filmen, aber anspruchsvoll vermitteln. Ein im Lauf der Zeit verlottertes Credo, das andere, leider, zunehmend umdrehen. Aber wie handwerklich griffig und alarmierend mitmenschlich er James Stewart und Vera Miles arrangiert; ihr zugeworfener Blick, flüchtig, seiden, sein Tellerabwaschen, stockend, agil, weil die Bücher rufen, das Gesetz. Das bebt, seufzt, zittert. [...]. Auch das abgebrannte Haus des Freundes und Gefährten (Wayne), die mitgebrachte Rose, die keine richtige ist, die fetten Fleischstücke, die riesigen Kartoffeln, der sachte aufdämmernde Klageschwall [...] gebären, bei aller Liebe zum Neuen, Demut zum Alten.


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