
Locker-flockiges Katz- und Maustheater, im Kostüm der Maus versteckt sich diesmal der raffinierte Trickbetrüger (fantastisch: Leonardo DiCaprio), und wird gejagt vom humorlosen Kater, dem pedantischen FBI-Ermittler (Mittelmaß, eher befremdlich: Tom Hanks), dessen Aufgabe es ist, raffinierte Trickbetrüger dingfest zu machen. Doch dieser hier entpuppt sich als ungemein raffinierter – mit neuartigen Scheckbetrügereien und einer Menge an ungebrochenem Willen jobbt er sich bis in die renommiertesten Tätigkeitsfelder hoch, um dem Finanzamt ein auszuwischen. Steven Spielberg erzählt dieses auf wahren Begebenheiten beruhendes Gaunerstück so locker wie Schlagsahne, ohne übermäßige Kalorien beizumischen. "Catch Me If You Can" verbandelt Spielberg-Topoi mit in flüchtigen Schwenks getauchtem, lichtdurchflutetem Swinging-Sixties-Zeitkolorit, wodurch die nun schon seit Jahren unerschütterliche Spielberg-Kaminski-Kollaboration wieder einmal allzu deutlich ihre Spuren verlässt. Auch die Spielberg-Williams-Paarung gefällt ausnahmslos. Williams komponierte zwischen verschnörkelter Comedymusik und spritzigem Jazz-Scoring der Zeit angemessene, atmosphärische Leitbilder. Und vergoldet das goldige Opening im Dienste krakeliger Zeichentrickmalerei furios. "Catch Me If You Can" vergrößert den narrativen Spielberg-Radius bruchfester Lieblingsmotive dabei nicht sonderlich. Das Vater-Sohn-Verhältnis (Christopher Walken!), aus dem der Regisseur die Essenz seines Dramaanteils destilliert, bleibt ebenso ausführlich erwähnt wie moralische Werte innerhalb der Familie, die schlussendlich dennoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sie unweigerlich zur familiären Zerrüttung führen. Das sichtlich um Komödie und Krimi kreiselnde Drehbuch (Jeff Nathanson) gesteht den Figuren viel Freiraum zur Entfaltung zu (vor allem Frank Abagnale, jr.), während es die Zeitebenen oft kreativ, aber nie selbstzweckhaft wechselt. Auffallend, dass Spielberg weder heroisiert, noch ideologisiert, und trotzdem der Kriminelle in wechselndem Outfit denn jener Idealist in Uniform als Identifikation herhält. Der Humor ist indes ein erheiternd-pointierter und tänzelt auf leichtfüßigen Schritten durch die federleichte Geschichte, bei der Spielberg dem Zuschauer einen unerschöpflichen Wust an Zufällen, Irrtümern, Kalkulationen, Bauchgefühlen und Verdächtigungen entgegenschmettert. Ironisch wird es, wenn die beiden ungleichen Typen ihre Gemeinsamkeit erkennen und sich am Weihnachtsfest anrufen. Sie reden grundlos aufeinander ein. Müssen erkennen: Weg von der Familie, der Liebe, hinein in die Einsamkeit, trotz materiellem Reichtum und erfolgreicher Karriere sind die einzigen Freunde immer noch der Bleistift und der Bankcheck; so niederschmetternd tragikomisch kann Spielberg sein. Mit "Catch Me If You Can" befindet man sich ungeachtet der holprigen Schlusswendung in Frankreich und der mutlos konsensbefriedigenden Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität nach Frankreich unter der sicheren Hand eines mal naiven, mal stilsicheren Geschichtenerzählers, der das umsetzt, was man von ihm erwartet: erzählen. Ganz ohne Realismus, aber mit Esprit. Und ganz ohne Hochstapelei.
7/10
Gute Rezension, ich habe dem Film damals 8/10 gegeben.
AntwortenLöschenDie Kritik am Ende kann ich jedoch nicht nachvollziehen, da der Film auf einer wahren Begebenheit beruht und Frank Abagnale nun tatsächlich für das FBI arbeitet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_W._Abagnale
Ich fand den Film offen gestanden mühsam (wie auch das 2004 folgende Spielberg-Vehikel "Terminal"). Zu lang, zu pompös (die wirklich grosse Szene: DiCaprio von Stewardessen umgeben). Das Locker-Flockige entging mir, was sicher an Hanks und Walken, den ich sonst sehr verehre, lag. Sollte ich je auf den Gedanken kommen, ihn zu besprechen, gäbe es einen Verriss. Wobei: Aus "Terminal" liesse sich zur Aufheiterung meines Gemützustandes noch der grössere Verriss machen. ;)
AntwortenLöschenMit dem Film kann ich, wie mit den meisten Post-JURASSIC PARK-Spielbergs, wenig anfangen. Hab ihn jedoch seit der Erstsichtung nicht mehr geschaut, weshalb er mir nur schwammig im Gedächtnis ist. Auf mich wirkte das jedoch damals wie so ein Film, der bei Spielberg und DiCaprio aus einer "Jetzt lass uns endlich mal zusammen einen Film drehen"-Mentalität entsprungen zu sein scheint. Der Sympathiebonus (Stichwort Heroisierung/Ideologisierung) liegt da glaube ich durchaus auf DiCaprios Figur, da Hanks als Charakter - zumindest meiner dunklen Erinnerung nach - vernachlässigt wurde. Ich mag aber auch generell die Kombo Spielberg-Hanks nicht, und DiCaprio eigentlich ebenfalls nicht (in meinen Augen ein überbewerteter Schauspieler, der nur eine kleine Palette an Mimiken beherrscht). Vielleicht liegt es daran.
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