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Freitag, 11. November 2016

"Zwölf Uhr mittags" / "High Noon" [USA 1952]


Auch in einem anderen Klassiker, in Alfred Hitchcocks "Im Schatten des Zweifels", kam das Böse auf Schienen in eine über den Dingen stehende, traumverlorene Stadt und spie schummrigen, unheilverkündenden Smog aus – als ob es bei seiner Ankunft zu atmen beginnt. Frank Miller (Ian MacDonald) heißt das Böse in "Zwölf Uhr mittags". In ihm spiegelt sich Rache, Geltungssucht und der Irrglauben einer Justiz, dass die akkurate Verteilung von Gut und Böse, Recht und Unrecht legitim sei, einer Situation gerecht zu werden, in der sich ein desillusionierter Ex-Sheriff (Gary Cooper) allein gegen die Vendetta seines Erzfeindes behauptet. Isoliert von allem Menschlichen sind beide. "Zwölf Uhr mittags" ist deswegen ein gelungener Westernbeitrag, weil dessen nihilistisches Menschen- und Sozialbild, angefüllt mit Opportunismus, Duckmäusertum und Schweigen, eine Anklage repräsentiert, die auf dem Gipfel verdorbener Gefühle in ein wahrlich existenzielles Untergangsbild ihr Ende findet: Der Stern an der Brust ist weniger wert als der Staub, in der er fällt, wenn die Strukturen auseinanderbrechen. Allem politischen Impetus zum Trotz, fasziniert Fred Zinnemanns stilistisch abgeklärte Pflicht- und Todesballade gerade aufgrund ihres zeitlichen und räumlichen Naturalismus, abstraktem, auf der Stelle tretendem Warten in zwei voneinander getrennten Handlungssträngen dann Panik zu entlocken, sobald der Minutenzeiger (zunächst unbemerkt) seine Richtung ändert.  

6 | 10

Mittwoch, 10. Februar 2016

"Lockende Versuchung" / "Friendly Persuasion" [USA 1956]


In den ersten längeren Passagen ist "Lockende Versuchung" bestrebt, den Pazifismus zum Fundamentalismus zu überspitzen: Die Quäkerfamilie Birdwell ist fast putzig, ja so lebensecht und so religiös verpeilt darin, die Sünden des sich nicht schicklichen Miteinanders auf der einen Seite zu torpedieren (das Spielen von Musikinstrumenten), aber auf der anderen unter der Kasse still und heimlich zu tolerieren (wie, immerhin ein William-Wyler-Film, nachbarschaftliche Wagenrennen oder ebenso zuckersüß auf Stroh gebettete wie komödiantisch lüsterne Sexualpraktiken). Eine launig-ländliche Utopie, naturbereinigt, gewaltfrei, längst jedoch nicht spaßbefreit wie eine jegliche Laster auf die Spitze treibende Jahrmarktstollerei. Glücksspiel! Tanz! Prügel! Erst zunehmend, in Ankündigung eines Bürgerkrieges, der die friedliche Imagination und damit den zuvor behaglich ummantelten Film stört, stellt Wyler die Frage, ob der Pazifismus, die restriktive Verweigerung jeder Waffe, förderlich sein kann in Zeiten des aufgezwungenen Patriotismus und humanitären Selbstschutzes, Land und Leute zu verteidigen, während Dimitri Tiomkin unverblümte Sensibilitäten eines tiefverwurzelten menschlichen Kinos musikalisch stützt. Die Antworten indes laden zum anregenden Diskurs über den Film hinaus ein: Gerahmt und geklammert von einer sadistischen Henne (welch' burlesker Einfall), greift Eliza Birdwell (Dorothy McGuire) am Ende zum Besen, der das Leben frenetisch beschützt. Und ihr Mann (der gigantisch ruhende Gary Cooper) verschont einen wehrlosen Soldaten.  

7 | 10