
Story:
Der Millionär Lionel Twain lädt 5 der berühmtesten Privatdetektive zu sich auf sein abgelegenes Schloss ein. Sidney Wang, Dick Charleston, Jessica Marbles, Milo Perrier und Sam Diamond trudeln mit ihrem Anhang und sämtlichen sonderlichen Eigenheiten nach und nach ein und werden von Twains blindem Butler begrüßt. Ihren Gastgeber hingegen bekommen die Detektive erst beim festlichen Dinner zu Gesicht und auch da taucht er nur auf einem Bildschirm auf. Das Geschäft hingegen, das er ihnen nach einiger Zeit schließlich vorschlägt, ist mehr als spektakulär: Punkt Mitternacht wird ein Mord geschehen und derjenige unter den fünfen, der den komplizierten Fall lösen kann, soll eine Million Dollar erhalten. Da keiner der Gäste von sich behaupten kann, dieses Geld nicht gut gebrauchen zu können, versuchen die Kandidaten natürlich, sich gegenseitig auszustechen. Als allerdings der Butler lange vor Mitternacht tot aufgefunden wird, stehen die Privatdetektive vor einem ersten ernsthaften Problem...
Kritik:
"Eine Leiche zum Dessert". Der Titel des Films ist fast genauso ironisch wie genial. In diesem treffen sich die 5 besten Detektive zu einem abendlichen Dinner, welches von einem seltsamen Mister Twain auf seinem technisierten Spukschloss ausgetragen wird, sich in Wahrheit jedoch nur als Vorwand für ein mörderisches Spiel entpuppt. Anlass also für eine der komischsten Komödien aller Zeiten. Eine Komödie, die ihren Witz vor allem aus den skurrilen Charakteren, ihren Beziehungen zueinander und so allerhand abstrusen Situationen bezieht. Dabei ist "Eine Leiche zum Dessert" eine Parodie, eine Persiflage an die alten Krimiklassiker berühmter Romanschriftsteller, nimmt sich daraus resultierend deren Klischees an und überzeichnet sie konsequent in einer ebenso makabren wie schrägen Weise. Seien es nun manipulierte knarrende Türen, das Schreien einer Frau als Türklingel, Zuckerwatte als Spinnweben, Ratten oder auch das typisch stürmisch-gewittrige, jedoch nur künstlich inszenierte Wetter für Spukhäuser: Regisseur Robert Moore und Drehbuchautor Neil Simon sind sich nicht zu schade und ziehen beinah alles durch den Kakao, was angesichts der vielen kleinen Details und des großen Unterhaltungsfaktors auch für eine mehrmalige Sichtung reizvoll ist. Sinn hat die Handlung mit absichtlich eingestreuten plot holes jedenfalls nicht und auch das Ende vermag ein wenig verwirrend, auch vorhersehbar daherkommen. Negativ anzumerken ist dem Film darüber hinaus die fehlerhafte anachronistische Ausstattung, was sich dahingehend äußert, dass der Film eigentlich 1982 spielen sollte, Autos und Kostüme deuten aber auf die 1930er/1940er-Jahre hin, was dem aberwitzigen Klamauk an sich aber so gut wie nicht ins Gewicht fällt.
Einen großen Teil dafür, dass der Streifen kurzerhand zum Kultfilm avancierte, trug hauptsächlich der glänzend besetzte Cast voller illustrer Skurrilitäten bei, der mit einigen bekannten Stars aufwarten kann. Darunter Alec Guinness, Peter Falk, Peter Sellers oder auch David Niven, welche allesamt zwar herrlich durchgedrehte Figuren mimen, dem Zuschauer dennoch liebenswürdig und greifbar erscheinen. Truman Capote als kleinwüchsiger, kahler und charismatischer Antagonist sollte auch nicht unerwähnt bleiben, ist er doch für dieses Dinner verantwortlich und fühlt sich außerdem berufen, der beste Detektiv aller Zeiten zu sein. Meines Erachtens nach ist es vor allem dieser Peter Falk, diese wunderbare Figur namens Sam Diamond (Anspielung an den echten Sam Spade aus "Die Spur des Falken"), welche seiner trockenen Lakonie wegen für so manchen Lachanfall beiträgt. Seine Ernsthaftig- und fast dreist wirkende Direktheit sorgt immer mal hier und mal da für ein kleines Schmunzeln, genauso wie die Tatsache mit seinen präsent lockeren Sprüchen. Überhaupt trägt das Zusammenspiel verschiedener, völlig unterschiedlicher Charaktere im Film eine große Bedeutung in sich, ist es doch das, woraus "Eine Leiche zum Dessert" vorrangig seinen Reiz bezieht. Zum Beispiel der blinde Butler (Alec Guiness) mit der taubstummen und nicht Englisch sprechenden und lesenden Köchin oder Inspektor Sidney Wang alias Peter Sellers mit dem werten Herr Mark Twain (Truman Capote). Der Witz aus der letzteren Paarung ergibt sich übrigens daraus, dass Wang in seinen Sätzen nie Artikel oder Pronomen benutzt und es so zu konfusen Verständigungsproblemen aufgrund seiner mangelhaften Grammatikkenntnisse kommt.
Fazit:
Egal, wie man zu Komödien steht, "Eine Leiche zum Dessert" sollte man allein schon durch die kreativ gestalteten und einprägsamen Charaktere gesehen haben. Eine atmosphärisch sowieso dichte und mit viel Witz versehene, nostalgische Krimi-Persiflage, die über alle Maßen Spaß sowie Frische und Spritzigkeit ausstrahlt. Ein echter charmanter Klassiker, wenn auch nicht frei von diversen Unzulänglichkeiten.
8/10

Wie immer sehr schönes Review!
AntwortenLöschenIch muss sagen, Du hast ein wirklich guten Filmgeschmack :)
Schön, dass der Film dir auch gefällt! Das ist einer meiner "Sozialisationsfilme" und gehört seit Ewigkeiten zu meinen Lieblingsfilmen.
AntwortenLöschenAllein die Ansammlung von Zitaten, die man in jeden alltäglichen Dialog einstreuen kann, ist beachtlich:
"Oh, there, voice come from cow on wall... "
"Locked, from the inside. That can only mean one thing. And I don't know what it is."
"Conversation like television set on honeymoon: unnecessary."
usw.
Deine Anmerkung zur fehlerhaften anachronistischen Ausstattung kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen, schließlich sind die parodierten literarischen Vorbilder alle Produkte ebendieser 30er und 40er Jahre.
@Kaltduscher: Danke, du hast aber auch einen Geschmack, der mir ganz und gar gefällt. :)
AntwortenLöschen@orangedoe: Ja, die Zitate sind einfach herrlich, genauso wie der gesamte Film. Das mit der Ausstattung mag durchaus sein, ich hatte ja auch angeführt, dass es der Unterhaltung keinen Abbruch tut...