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Mittwoch, 1. August 2018

"Ant-Man and the Wasp" [USA 2018]


Nachdem er eine Fußfessel verpasst bekam, muss sich Ant-Man (Paul Rudd) wider Willen mit zeitvertreibendem Krimskrams in den eigenen vier Wänden arrangieren. Langeweile satt – paradigmatisch für ein Sequel, das uns ein Antikonzept zum Multimillionendeal präsentiert: Ant-Man ist ein kleiner Romantiker, ein netter Kumpel, ein gewitzter Aushilfsdaddy. Mehr nicht. Häusliches Abhängen. Aber das reicht. Entsprechend familiär und ballsicher wirkt die Kleinfamilie um Rudd, Evangeline Lilly und Michael Douglas (nach wie vor). So familiär und ballsicher, dass die Fußnote um Hannah John-Kamen und Laurence Fishburne glatt stört. Peyton Reed stützt sich in "Ant-Man and the Wasp" auf kontrolliertes Chaos, auf auswendig gelernte und praktisch angewendete Marvel-Paragrafen, in denen neben dem (redundanten) Schnellfeuergewehrwitz und dem (noch redundanteren) Überlastungsdialog (Dampfplauderer Michael Peña wird im Leben kein Schauspieler mehr) notgedrungen ein, zwei, drei Bösewichte auf Abruf bereit stehen, obwohl die psychedelische Suche nach der unverhofft wiederaufgetauchten Mutter (Michelle Pfeiffer) den Film hätte allein tragen können. Maßgeschneiderte Hingabe ist das nicht mehr. Dafür fehlt der Fortsetzung originelles Spielzeugspielen. Die Gags erschöpfen sich an einem MacGuffin, der, vergrößert und verkleinert, an den unmöglichsten Orten verschoben, auseinandergezerrt wird, wohingegen die verruchte Schmierigkeit Walton Goggins den Freundlichkeitskitsch amerikanischer Durchschnittsbefindlichkeit immerhin dezent durchkreuzt. Alternative: "Tarantula" im (großen) Kino schreiend bestaunen.

4 | 10

Mittwoch, 30. März 2016

"Batman v Superman: Dawn of Justice" [USA 2016]


Batman ist die "Fledermaus", Superman das "S", Wonder Woman das "Kleid", Lex Luthor werden die Haare rasiert; er wird zu Lex Luthor. Ob sich hinter diesen chiffrierten Projektionen popkulturellen Überlieferungsmaterials Schauspieler, Menschen also aus Fleisch und Blut, verbergen? Sicher. Mit Ben Affleck und Jesse Eisenberg mithin zwei, die die Hell-Dunkel-Dichotomie von Gotham City und Metropolis eindrücklich vernähen, den introvertierten Städteschmerz, aber auch den extrovertierten Hochmut. Zack Snyder, und mehr durfte man nach "Man of Steel" ohnehin nicht erwarten, nähert sich hartnäckig dem "Symbol" in einem Film, der entschieden entkörperlicht (will heißen: menschenfeindlich) das "Super" der Superhelden am Grad ihrer moralischen wie politischen Geheimbündelei verneint. "Batman v Superman: Dawn of Justice" hätte eine verflochtene Parabel über die Hybris des Übermenschen werden können. Es ist, leider, Snyders narrativster Film: verästelungsgeil, fürchterlich mitteilsam, eben austauschbares Formatmonsterkino, das zentnerschwer einfügen muss, das gar nicht spielerisch vielfältige Spontaneität erproben kann. Dieses epochale Werk steckt in einer Sinnkrise, denn den Inhalten ordnet Snyder seine Bilder unter, obwohl Snyder immer den Bildern die Inhalte aufzwang – möglichst ästhetisch, vor allem vom Zwang gereinigt, verkrampft sein zu müssen. "Verkrampft", ein adäquates Wort. "Verkrampft" führt diesseits zu "schonungslos aus dem Ruder gelaufen", zu "affektiert symbolschwanger" und schlicht zu ängstlicher Clark-Kent-Ödnis.

3.5 | 10

Mittwoch, 3. April 2013

Spielberg-Retro #5: "Die Farbe Lila" / "The Color Purple" [USA 1985]


Alles auf einmal, alles ein bisschen viel, der Kitsch – vom Leben singen, zur Freiheit tanzen, die Läuterung, Versöhnung, die Reinheit und Ursprünglichkeit, die schöne neue Welt. Im Historienepos "Die Farbe Lila" bearbeitete Spielberg erstmals ein Sujet, in dem sich seine künstlicheren Ansprüche nie kohärent ergänzen werden, sondern voneinander abstoßen. Dazu zählt, dass er einen politischen Stoff ebenso eskapistisch beschwert wie kurzsichtig einer holzhammerhaften Identifikationssprache anfügt, und dies ist bereits hier unterschwellig wiederzufinden, in jener Farbe, die metaphorisch für Spielbergs überreizte Gefühlsmanipulationen steht.

Im Umgang, patriarchalische Machtstrukturen zu kritisieren, homoerotische Freundschaften zu streifen und die emanzipatorische Befreiung pathetisch zu glorifizieren, erlaubt sich Spielberg unangenehme Angriffsflächen, die ihn im reflektierenden Geschichtskino noch mehrfach gemacht werden sollten. Ob Spielberg exemplarisch dafür unbedingt auf trotteligen Slapstick zurückgreifen hätte sollen, um sowohl die Unfähigkeit des schwarzen Mannes (beim Kochen) als auch der weißen Frau (beim Autofahren) zu überspitzen, bleibt ein Geheimnis des Regisseurs, und es drängt sich eher der Verdacht ideologischer Rückwärtsgewandtheit auf. 

Dieses Melodram als tränenüberfülltes Drama oder schlicht als grobgestrickten Klamauk zu sehen, fällt daher schwer, weil Spielberg beide Richtungen merkwürdig gespalten zusammenführt, als wäre dies eine Entscheidung, für dessen zwei Möglichkeiten er sich nicht entscheiden könne. Vielleicht liegt in dieser Homogenität, die keine ist, auch eine Stärke, wenn eine dritte Ebene dem Werk hinzugefügt wird – eine Ebene der parteiischen Voreingenommenheit. Denn irgendwann zu Beginn wechselt die Perspektive der Kamera in die subjektive Blickrichtung der Protagonistin Celie (eindrucksvoll dezent: Whoopi Goldberg). 

Es wird somit offensichtlich, dass Spielbergs Subjektivierung seiner Geschichten, durchaus ein Grund für stereotype Feindbilder sowie mythischen Idealismus, selbst in diesem Film auf einem erzählerischen Nährboden fußt, der als Ventil lawinenfallartiger Emotionen alles mit sich reißt. Das ist was fürs Herz, nicht für den Verstand. Und es entwickelt mit dem blutigen Händeabdruck, den wackelnden Gürteln über dem Bett, dem zeitverdichtenden Jahreswechsel-Rhythmus und dem Hühnerkäfig als symbolischem Gefängnis ein Stilgefühl, das sich vorsichtig in ergreifenden Lebensstationen vorantastet und auf der Krönung der Spielberg-Virtuosität die Bewegung der Kusslippen feiert. Das ist sonnenscheinschön.

7 | 10

Sonntag, 1. Juli 2012

"Mission: Impossible I-III"


 »MISSION: IMPOSSIBLE«
(USA 1996; Regie: Brian De Palma)

Nett gemeinter Agentenflick, angestaubt mit Röhrenmonitoren und Disketten, "fun" und "pleasure" also, der "Kobra, übernehmen Sie" zum Hollywood-Popcorn-Mythos verarbeitet, aber Gefahr läuft, wie übrigens die anderen Teile auch, seine Schlüsselszenen konzentrierter zu studieren als deren Füllmaterial als Verbindung dazwischen. Die stufenweise Liquidierung des IMF-Teams zu Beginn, der legendäre Langley-Einbruch ins CIA-Hauptquartier und die Hochgeschwindigkeits-Zug-Verfolgung am Ende repräsentieren so knallig wie dicht Brian De Palmas überstilisierte (Kamera-)Jagd nach den wahren Bildern inmitten von falschen Lügen, schräg gefilmten Gesichtern und geliehenen Identitäten, die nicht mehr auseinanderhaltbar scheinen, de facto das Entrümpeln des Seins im Schein.

De Palma weiß erfahrungsgemäß wie man Einbruchssequenzen größtmöglich erfinderisch ineinander klappt, und davon saugt der Film offenkundig seinen Reiz der Unterhaltung willen. Wenn er jene Liquidierung, durch die Ethan Hunt (Tom Cruise) schlussendlich unfreiwillig flüchten muss, als Choreografie dirigiert, die zwischen den einzelnen Arbeitsschritten der jeweiligen Personen schneidet, wenn er beim CIA-Raub in einer spinnennetzförmigen Innenarchitektur (Hunt ist im Prinzip das Insekt darin) Spannung aus Schweißtropfen suggeriert und die daraus resultierende Anspannung, omnipräsent unter einer festgelegten Lautstärke hantieren zu müssen, direkt aufs Publikum überträgt, das so still wie möglich zu sein hat.

Diese Sequenz verkörpert fraglos das Highlight, De Palma verschließt sie mit einer amüsanten Pointe. Wohingegen der Showdown das auskitzelt, was später in Substanzlosigkeit mündet: der Transformation Hunts zur Rambo-Karikatur und dem Selbstproduzieren des Egos, weil er dachte, es sei eine Selbstverständlichkeit, er habe den Film auch produziert. Daneben gibt's 'nen Zoom von der Totale des Zuges zur Nahaufnahme des Zugfensters, Elfman-Noten und allerlei technischen Krimskrams, auf dem man bloß nicht herumkauen sollte.

Den Einzelszenen mit Schmackes hat De Palma fortwährend allerdings nichts Festes, das heißt: einen übergeordneten Spannungsbogen nebst einer mannigfaltigen Konfliktdynamik innerhalb der Gruppe entgegenzusetzen, außer oberflächlichen Alibi-Stoff gewitzt aufgelegter, aber strikt fad entwickelter Stars reinzuquetschen, der so doof wie plemplem die langbärtigsten Handlungswendungen bei allem scheinbaren Intellekt aus dem Apple Powerbook schüttelt – dem Chef des Teams (straight: Jon Voight) kommt die Rolle des fiesen Obermackers gelegen, jedwedes Detail akribisch zu planen, um eine fette Stange Geld einzusacken. Natürlich! Und an eine Sicherung in den Lüftungsschächten des scheinbar sichersten Gebäudes der USA wurde erst recht nicht gedacht. Das prominente Autoren-Trio (Koepp, Towne, Zaillian) scheint in "Mission: Impossible" zuweilen seltsamerweise der Kreativität überdrüssig – und allmählich der Konfusion unterstellt.


»MISSION: IMPOSSIBLE II«
(USA 2000; Regie: John Woo)

Obwohl das Spektakel augenscheinlich von Anfang an auschoreographiert war, existierte Gerüchten zufolge kein Drehbuch, erst unmittelbar während der Dreharbeiten wurde die Geschichte häppchenweise (vielleicht auch notdürftig?) zusammengeflickt, unabhängig davon, dass John Woo vom Studio aus seinen anfänglichen Dreistundenfilm zusätzlich auf zwei runter kürzen musste. Das ist kein Problem, solange man es nicht spürt. Woos Problem liegt aber nun einmal gerade darin, dass man sie tatsächlich fühlt, diese unterschwellige Empfindung der Unvollständigkeit der Idee, die zur Ideenlosigkeit verkommt, dieser Riecher von Unzufriedenheit, der durch die Handlung flattert. "Mission: Impossible 2" wirkt mehr noch als sein Vorgänger um seinen Kern herum konzipiert – dem Kern der Action, dem geräucherten Fisch im Sushi, dessen Ummantelung aus erkaltetem Reis, also einer mehr oder minder ungenießbaren Rahmennarrative, besteht.

Woo vermengt asiatischen Heroic-Bloodshed-Zeitlupenästhetizismus mit erschlagender Distinguiertheit zum formschönem Poem schwerelos tanzender Körper im Raum, mal definiert als Todesbedrohung, dann wieder als Todestransportmittel, das in letzter Konsequenz gar nicht mehr Agentenfilm sein kann, wo das Miteinander und das Gegeneinander zählt, sondern vielmehr ein reines melodramatisches Actiondrama über die Liebe und einen Typen, also auch wieder so etwas wie ein egokitzelndes Werbegeschenk für Tom Cruise, ohne dass er dafür einem Geheimnis auf die Schliche kommen muss. Er muss zerstören, bloß zerstören, nämlich eine Bio-Waffe, er muss reagieren, nicht viel agieren, mitmachen, nicht vormachen, mit wehenden, mit fettigen Haaren – und dabei möglichst gut aussehen. Es sei dahingestellt, inwieweit das manische Recherchieren nach den pathosbesoffensten Panoramen (Sonnenuntergänge und Kletterpartien umschließen einen kleinen Teil derer, die von dem Ästhetikdrang seines Machers regelrecht betäubt scheinen) der Geschichte zuspielt und nicht eher dem Manierismus anheimfällt, da jede Geste möglichst übergroß.

Gewiss weiß die bedingt wendungsreich aufgezogene Geschichte allenfalls rudimentär mitzureißen, speziell das kitschige Gebalze aus Erotik und Leidenschaft (kontrastiert von Feuer) ermüdet, speziell verreißt Woo die Figuren und deren Tragik (ein Mindestmaß Amüsement für den stets putzigen Ving Rhames nebst zerschossener Designerkleidung). Alles eben kaum tiefschürfend, alles zu schnell, alles, ja unvollständig, weil alles der Action zuarbeitet, sie begründet. Maximal die aus dem ersten Teil adaptierte Maskengeschichte, die im zweiten Teil vermehrt Anwendung findet und mit fast redundanten Konturen gezeichnet ist, erweist sich als geeignetes Instrument, der Geschichte Doppelbödigkeit und zugleich dem Woo-Motiv der Doppelidentitäten Ausdruck zu verleihen, wenn es im brachialen Showdown den falschen mit mehreren Kugeln erwischt, eine Szene, die zeigt, wohin die Figurenkonstellation des "Chinatown"-Autors Robert Towne hinführen könnte.  

"Mission: Impossible II" stimuliert emotional dennoch insofern, als dass Woos Handwerk trotz eines bleiernen Musikthemas Hans Zimmers über das halbgare Drehbuch und die harmlosen Schurken hinwegzutäuschen versteht – siehe Brian De Palma. Woo ist Profi wie Perfektionist, die Actionsequenzen sind entsprechend unglaubliche Ornamente (Funken schlagen für gewöhnlich, Fahrzeuge zerscheppern durch einen anfahrenden Zug oder werden auf einer Brücke weggesprengt), die Kamera wechselt beständig ihre Perspektiven, der Ton greift sich die Emotionen der Protagonisten und der Szenenaufbau aus fragmentarischen Bewegungen gleicht einstudierten Balletttänzen – so als sich Nyah (Thandie Newton) und Ethan (Cruise) in Sevilla erstmals begegnen und die Sequenz symbolträchtig mit einem spanischen Stepptanz codiert wird. Auch als die obligatorischen Tauben fliegen und Ethan Hunt elegant seinen Widersachern entkommt und Zimmer zwischenzeitlich Ethno einspielt: Das ist Ästhetik, die ergreift, und die aus "Mission: Impossible II" noch lange keinen richtig schlechten Film macht.


»MISSION: IMPOSSIBLE III«
(USA, D, CHINA 2006; Regie: J. J. Abrams)

Philip Seymour Hoffman, bitte für das nächste Mal längere Auftritte in einem Agentenfilm einplanen oder gleich direkt die Hauptrolle des Geheimagenten spielen. Beleg: "Mission: Impossible" hat endlich einen irrsinnig-fülligen, zwischen Auric Goldfinger und Blofeld changierenden Geistesgestörten gefunden, der selbst davor nicht zurücksteckt, Unschuldige für einen MacGuffin zu töten, den niemand zu erklären bekommt. Und der Ethan Hunt (Tom Cruise) hinsichtlich dessen Paroli zu bieten vermag, als dass er ihn durch seine egozentrische Boshaftigkeit gar überflügelt, weil Owen Davian (so der Rollenname Hoffmans) die reichlich interessantere Figur von allen uninteressanten Nebenfiguren ist, die diesen dritten Teil bevölkern (Ausnahme Laurence Fishburne, ebenfalls füllig, sowie Simon Pegg, ebenfalls irrsinnig, irrsinnig quasselig). Und weil Hoffman schlicht der wuchtigere Schauspieler ist.

"Mission: Impossible III" startet ungewohnt dramatisch. Der Anfang des Beinah-Endes des Beinah-Todes – effektiv. Das musikalische Titelthema hingegen – leider ähnlich kraftlos wie im Vorgänger, der Actiongranate John Woos, die hier, wenn auch nicht unbedingt in ausladender Choreographie, ohnehin im Bereich Adrenalinausschüttung, Schweißhaushalt und Herzklopfgeschwindigkeit ausgebremst wird. Es passiert fortlaufend viel in J. J. Abrams' Version der Filmreihe, wahrscheinlich viel mehr, als in den beiden vorherigen Teilen zusammengenommen, viele Bewegungen, oft verknüpft mit den unbewussten Reflexbewegungen und physischen Schutzmechanismen im Todeskampf, klettern, rasen, rennen, vor allem die Bewegung der Bewegung der Filmreihe, wenn sich Hunt mit Drahtseilen von einem Ort zum anderen schwingt. Es sei angemerkt, dass er sich diesmal in Shanghai von einem Wolkenkratzer zum nächsten austobt.

Zudem rückt Abrams den einige Jahre vorher sträflich vernachlässigten Einheitsgedanken des Teams näher an die menschlicheren Figuren, deren Fehleinschätzungen das Verzweifeln über einen gestorbenen Agenten aufs Nachhaltigste forcieren. Allgemein ist das sowieso ziemlich nervenaufreibend-anregendes Mainstream-Genrekino, es kommt zumindest dem näher, was von einer Reihe namens "Mission: Impossible" zu erwarten wäre. Indem das Drehbuch nahezu pausenlos retardierende Hochspannungsszenen ("Ich zähle bis 10…"), apokalyptische Actionpassagen (Brücke) und gründlich getaktete Heist-Spielereien installiert (Vatikan, wo endlich das Gimmick der Latexmasken nachvollziehbar zu werden scheint), bleibt ein Gähnen bewusst unterdrückt, da es nämlich keine Chance dazu bekommt, da es aber auch keinen wirklichen Grund dafür gibt, sich der Unterhaltung zu entledigen.

Einzig die zugleich mit mehr geforderter Menschlichkeit einhergehende Metaebene, welche zuvorderst die Frage aufwirft, ob ein Leben als Agent mit einem Familienleben vereinbar sein könne, bleibt mau in ihrer psychologischen Ausformulierung, da doch stets im Rahmen der Drehbuchmöglichkeiten. Auch das Finale ist samt abgenagter Maulwurf-Wendung wenig spektakulär, sondern geradezu idiotisch (Reanimierung), die Schlussszene dick aufgetragen und immer, wenn Abrams meint, während der Hatz für eine Weile inne zu halten und den Zwischentönen zu lauschen (zum Beispiel als die Aktion der Hasenpfote nicht gezeigt wird, beste Idee), gelingt es dem Film nie, seine Protagonisten emotional zu grundieren. Zum Schluss: Wie sähen die Actionsequenzen aus, wenn sie nicht verwackelt wären? John Woo? James Cameron? John McTiernan? Peter Hyams? Nicht auszudenken.

Gesamtwertungen: 5 | 10     5 | 10     6 | 10

Mittwoch, 17. November 2010

"Predators" [USA 2010]



Die mittlerweile allseits beliebte, kommerzialisierte und niedere Unterhaltungsansprüche bedienende Filmikonen-Vergewaltigung, symptomatisch für das ebenso mittlerweile inflationäre Mehr, Mehr, Mehr eines subtilen wie spannenden Genreklassikers, das deshalb noch lange nicht zum Besser, Besser, Besser führen muss. Frage: Was will die dritte Bändigung des außerirdischen Jägers überhaupt sein? Ein Remake laut Bezug zum ersten "Predator" offensichtlich nicht. Für ein Sequel ist "Predators" dagegen zu bemüht im frechen Nachstellen einschlägiger "Alien"- und "Predator"-Zitate. Für etwas vollkommen Neues hingegen zu konsequent, immer gleiche Genre-Rezepte auszukochen. Tatsächlich ist Nimród Antals "Predators" nicht jugendfreies, von Schlamm, Matsch, Dreck bedecktes B-Krawallkino – laut, hektisch, hirnlos. Irgendwo zwischen "Lost" und "Apocalypse Now". Vor allem aber ein Film verschenkter Möglichkeiten, völlig verschenkter Leinwandstars (Danny Trejo, Laurence Fishburne) sowie gnadenlos verschenkter Drehbuchkniffe, um die Sci-Fi-Horror-Saga um einige neue Nuancen zu erweitern, anstatt altbekannte Predator-Eigenschaften und ihrer damit verbundenen Trophäenjagd aufzuwärmen. So suhlt sich der Film eigentlich über die ganze Zeit hinweg in fürchterlich geschnittener Action, dumm-dreisten Dialogen ("geiler Arsch"), ernst gemeinten Jäger-Gejagten-Metaphern, unfreiwillig komischen Twists (der Arzt) und beachtlichen Logikkratern, spult sein stilloses Programm ab, ohne jemals den Versuch zu wagen, ein ernsthaftes Bedrohungsszenario samt einer zum Überleben zwingend geeigneten Gruppendynamik aufzubauen. Und wer kam überhaupt auf die glänzende Idee, Milchbubi und Pianist Adrien Brody ins versiffte Schwarzenegger-Unterwäschekostüm zu stecken? Autsch.

2 | 10