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Freitag, 14. August 2015

"Die vier Söhne der Katie Elder" / "The Sons of Katie Elder" [USA 1965]


Zu "Die vier Söhne der Katie Elder" musizierte Elmer Bernstein den triumphalen Westernsound (manche mögen sich stellenweise an "Die glorreichen Sieben" erinnern), der in einer aussagekräftigen Eingangssequenz mit der Eisenbahn wortwörtlich das Tal flutet. Analog dessen – der Film. Rabaukenhaft, kühn, überzeugt. Aber schelmisch, ein wenig harmlos und, vor allem, tragikomisch. Vier Brüder entfremden einander, treffen während einer Beerdigung wieder zusammen und arbeiten gemeinsam die Vergangenheit ihrer verstorbenen Eltern auf. Zuvor sehen wir sie, die Brüder, ausgiebig beim Anekdotenaustausch, und diese Gelegenheiten sind fernab der Haupthandlung von einer nostalgisch verklärenden Seifenblase umschlossen, die über dem Notwendigen schwebt; Henry Hathaway umrahmt sie mit viel Erzählmagie der alten Zeiten. John Wayne (der Revolverheld), Dean Martin (der Trickser), Michael Anderson Jr. (der Stille) und Earl Holliman (der Heißblütige) verkörpern diese Brüder. Sie diskutieren und debattieren, raufen sich auseinander und zusammen, ecken an, stoßen ab. Auslöser für die Geschichte in der Geschichte wiederum – alle vier gegen einen imperialistischen Unternehmer (James Gregory) –  ist ein Schaukelstuhl, den Hathaway als symbolische Klammer nutzt, die Zeichen der Unschuld in einem Bild zu fixieren, die von der Gewalt der Gegenwart abgelöst wurden. Und wie Hathaway Schusswechsel gestaltet: massig, bleiern, irdisch, festgezurrt im trüben Explosionsrauch. Ein erbaulicher, aber auch seelenlärmiger Western.     

6 | 10

Freitag, 24. Juli 2015

"Weint um die Verdammten" / "Band of Angels" [USA 1957]


Rassiges, moralisches Südstaaten-Melodram von Vielfilmer Raoul Walsh. Yvonne De Carlo spielt die widerspenstige Dame des Hauses und für männliche Triebe gar zu toughe Rebellin, die aufgrund eines, wie man annimmt, kulturell unvorhergesehenen "Blutstropfens" zum borstig-adretten Sklavenhändler Hamish gelangt (Clark Gable residiert auf einem ausladenden Anwesen, das auch vom Winde verweht wird). Beiden ist eine in den historischen Kriegswirren des fortschreitenden Sklavenaufstands ebenso verlorene wie vergängliche Romanze vorbehalten, die sich bei Donner und Gebrüll, bei prasselndem Regenschauer und subtropischer Hitze zu einem Zeichen der Unumkehrbarkeit transformiert: zu einem ungestümen Kuss. Für einen Film aus den 50ern arbeitet "Weint um die Verdammten" mit kontrastierenden Farbexplosionen, gestikulierender Theatralik (ein die Feigheit herausforderndes Duell um die Liebe) und vorübergehender ideologischer Einfalt (tumbe, virile Weise, zornige, trällernde Schwarze), gibt sich aber auch entschieden zukunftsorientiert: Divergierende Kultur und zerrissene Gemeinschaften lassen sich nur in gemeinsamer Umarmungsharmonie zu einem Quell der Achtung ohne Rassenunterscheidungen und Hautfarben zusammenfügen. Gewiss – das Pathos trieft, die melodisch-feenhafte Musik Max Steiners ätzt wie Säure, die Güte von Hamish gründet auf einer obligatorischen Maskerade. "Weint um die Verdammten" ist aller Kritik zum Trotz ein humanistisch bewegendes Zeugnis anklagender Kinokunst, die sich noch getraut hat, in anekdotischen Einschüben wuchtige und überzeugende Wahrheiten zu verstecken.   

6 | 10