Posts mit dem Label Clark Gable werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Clark Gable werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 24. Juli 2015

"Weint um die Verdammten" / "Band of Angels" [USA 1957]


Rassiges, moralisches Südstaaten-Melodram von Vielfilmer Raoul Walsh. Yvonne De Carlo spielt die widerspenstige Dame des Hauses und für männliche Triebe gar zu toughe Rebellin, die aufgrund eines, wie man annimmt, kulturell unvorhergesehenen "Blutstropfens" zum borstig-adretten Sklavenhändler Hamish gelangt (Clark Gable residiert auf einem ausladenden Anwesen, das auch vom Winde verweht wird). Beiden ist eine in den historischen Kriegswirren des fortschreitenden Sklavenaufstands ebenso verlorene wie vergängliche Romanze vorbehalten, die sich bei Donner und Gebrüll, bei prasselndem Regenschauer und subtropischer Hitze zu einem Zeichen der Unumkehrbarkeit transformiert: zu einem ungestümen Kuss. Für einen Film aus den 50ern arbeitet "Weint um die Verdammten" mit kontrastierenden Farbexplosionen, gestikulierender Theatralik (ein die Feigheit herausforderndes Duell um die Liebe) und vorübergehender ideologischer Einfalt (tumbe, virile Weise, zornige, trällernde Schwarze), gibt sich aber auch entschieden zukunftsorientiert: Divergierende Kultur und zerrissene Gemeinschaften lassen sich nur in gemeinsamer Umarmungsharmonie zu einem Quell der Achtung ohne Rassenunterscheidungen und Hautfarben zusammenfügen. Gewiss – das Pathos trieft, die melodisch-feenhafte Musik Max Steiners ätzt wie Säure, die Güte von Hamish gründet auf einer obligatorischen Maskerade. "Weint um die Verdammten" ist aller Kritik zum Trotz ein humanistisch bewegendes Zeugnis anklagender Kinokunst, die sich noch getraut hat, in anekdotischen Einschüben wuchtige und überzeugende Wahrheiten zu verstecken.   

6 | 10

Mittwoch, 22. Juli 2015

"Mogambo" [USA 1953]


John Ford wirkt in "Mogambo" wie Clark Gable – ein widerspenstiger, unrasierter und archaischer Wildling, der in den Tiefen und Tälern des schwarzafrikanischen Kontinents versucht, exotische Tiere für zoologische Unterhaltungsanlaufstellen vorzubereiten und anthropologisch Feldforschung zu betreiben. Die Elefantenbabys, Vögel, Affen, das Gebrülle, Gekreische, Gebeiße, und das in paradiesischen, schwül-heißen Technicolor-Farben: Obwohl sich Clark Gable, der ausgekochte Gentleman, davon nicht beirren lässt, lenkt es John Fords Kamera desto beharrlicher ab, die fremdartiges Territorium und gierige Natur verschmitzt kartografiert. Ein Auge zudrücken muss man wohl, wenn der Weiße dem Schwarzen das "richtige" Kochen beibringt, ein gefährliches Sperrwerfen-Ritual abgehalten wird und das Bild zweier Herrschaftsdynamiken im Urwald überhaupt ein zutiefst reaktionäres und ausgeschmücktes ist. Aber ein John-Ford-Film war nicht immer dementsprechend spielerischer – das von gewitzter Screwball-Comedy, unverhohlener Zuneigung und heimlicher Eifersucht flankierte, nichtsdestotrotz in die Breite getragene Liebesdreieck zwischen Gable, Ava Gardner (aktiv tänzerisch, aktiv leidenschaftlich) und Grace Kelly (passiv zugeknöpft, passiv sinnlich) verhält sich paradigmatisch wie das Tier, das im Käfig darauf lauert, schrankenbefreit auszubrechen. Unter einem Wasserfall schließlich entlädt "Mogambo" seine naturalistische Poesie des ersten Kusses, der jenes "Ausbrechen" (unterdrückten Feuers) schlagkräftig einleitet. Der Film repräsentiert altmodisches, kulissenechtes und ursächliches Kino, dessen Zankereien um den zu stillenden Hunger nicht nur Tiere befallen.

6 | 10