Posts mit dem Label Yvonne De Carlo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Yvonne De Carlo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 28. August 2015

"Gewagtes Alibi" / "Criss Cross" [USA 1949]


Grantig dreinschauender, straff alle Ingredienzien abgrasender Noir aus der Hochphase jener Ära, in der sich granitbullige Gesichter verziehen, wenn deren Augen einen vorherbestimmten Weg erhaschen, der an einer in die Nacht des Sterbens steuernde Gabelung angelangt ist: "Criss Cross". Hätte er ihm bloß nichts erzählt. Und sie sich nur nicht gebückt. Burt Lancaster, von Robert Siodmak wiederholt als irreales, formverlorenes Objekt herausgestellt, das Räume verbarrikadiert und hindurch schwebt (vgl. "Die Killer"), verkörpert einen zurückgekehrten Transportfahrer, der die Liebe zu seiner (Ex-)Geliebten (bitter, aber schmerzgepeitscht: Yvonne De Carlo) aufrechterhält, indem er mit einem stadtbekannten Halunken (Dan Duryea) gemeinsame Sache, ein obskures Geschäft, macht. Halb angetrunkenes Melodram, halb galliger Heist (feuchtfröhlich: die Planung eines Überfalls beim Kartenspielen und Schnittchenessen), gipfelt "Gewagtes Alibi" im Dunstschleier als übergeordnetes, auch architektonisches Motiv – modernistische Gebäude, geneigte Winkel, verfolgende Schatten (die Krankenhaussequenz ist ein Studentenvorführbeispiel ökonomisch arrangierter Paranoia). Siodmak verlässt sich ein weiteres Mal auf eine eben nicht zum Selbstzweck angereicherte Rückblendenstruktur, die die zeitlose Beständigkeit von Liebe vergegenwärtigt und schlussendlich doch kein anderes Ende kennt als deren Endlichkeit. Hollywood-Kino von früher: dezent poetisch, aber ausgeprägt dämmerig und in seiner Hochstimmung eine (berauschte) Erotik ausstrahlend, die herausbricht, bevor sie sich – hier in einer hypnotischen Tanzszene – desillusioniert auflöst.  

6 | 10

Freitag, 24. Juli 2015

"Weint um die Verdammten" / "Band of Angels" [USA 1957]


Rassiges, moralisches Südstaaten-Melodram von Vielfilmer Raoul Walsh. Yvonne De Carlo spielt die widerspenstige Dame des Hauses und für männliche Triebe gar zu toughe Rebellin, die aufgrund eines, wie man annimmt, kulturell unvorhergesehenen "Blutstropfens" zum borstig-adretten Sklavenhändler Hamish gelangt (Clark Gable residiert auf einem ausladenden Anwesen, das auch vom Winde verweht wird). Beiden ist eine in den historischen Kriegswirren des fortschreitenden Sklavenaufstands ebenso verlorene wie vergängliche Romanze vorbehalten, die sich bei Donner und Gebrüll, bei prasselndem Regenschauer und subtropischer Hitze zu einem Zeichen der Unumkehrbarkeit transformiert: zu einem ungestümen Kuss. Für einen Film aus den 50ern arbeitet "Weint um die Verdammten" mit kontrastierenden Farbexplosionen, gestikulierender Theatralik (ein die Feigheit herausforderndes Duell um die Liebe) und vorübergehender ideologischer Einfalt (tumbe, virile Weise, zornige, trällernde Schwarze), gibt sich aber auch entschieden zukunftsorientiert: Divergierende Kultur und zerrissene Gemeinschaften lassen sich nur in gemeinsamer Umarmungsharmonie zu einem Quell der Achtung ohne Rassenunterscheidungen und Hautfarben zusammenfügen. Gewiss – das Pathos trieft, die melodisch-feenhafte Musik Max Steiners ätzt wie Säure, die Güte von Hamish gründet auf einer obligatorischen Maskerade. "Weint um die Verdammten" ist aller Kritik zum Trotz ein humanistisch bewegendes Zeugnis anklagender Kinokunst, die sich noch getraut hat, in anekdotischen Einschüben wuchtige und überzeugende Wahrheiten zu verstecken.   

6 | 10