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Mittwoch, 8. Juni 2016

"Schwarzer Engel" / "Black Angel" [USA 1946]


[...] Aus der übergangslosen, bisweilen launenhaften Unausgewogenheit, nach [einer] ermordeten Frau zu ermitteln, womöglich den falschen hinrichten zu wollen und eigenhändig den richtigen zu fangen, während nebenbei ausgiebig getanzt und gesungen wird, vermittelt "Schwarzer Engel" eine bezaubernde Sogkraft zwischen verzweifelter Melancholie und feierlicher Ausgelassenheit in geschniegelten Nachtklubs (explizit auffällig: die Hitchcock-Treppe zur Erkenntnis). Nach der Vorlage von Cornell Woolrich, der auch den Text zu "Das Fenster zum Hof" geliefert hat, spinnt der Film einen zwar wahrlich nicht der Düsternis anheimgefallenen Film noir, aber dennoch einen dramatischen Spannungsentwurf, dessen mörderischer Quell ein Collier ist, das in Form eines Herzens menschliche Herzen wahrlich brechen lässt. [...]


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Freitag, 18. Dezember 2015

"Ministerium der Angst" / "Ministry of Fear" [USA 1944]


Merklich von Hitchcock inspiriertes, bisweilen gruselig-dämonisches Spionagestück nach Graham Greene, das Fritz Lang mythenschwanger akzentuiert: Die Konzentration der Kamera, auf zwei ihre (falschen) Rollen spielenden Passagiere gerichtet zu sein, die sich in einem engen Abteil konspirativ gegenübersitzen, während draußen die Bomben des Krieges fallen, kulminiert zu paradoxer Intensität. Der MacGuffin – ein Kuchen mit doppelter Funktion, der an den falschen Adressaten ging. Ray Milland, ein spröder Kavalier, der an den Geistern seiner Vergangenheit knabbert (ein emotionaler Höhepunkt), gerät in ein heimlich operierendes Nazinetzwerk und ermittelt auf eigene Faust zwischen Séancen und Spekulationen, Verwirrungen und Verdächtigungen. "Ministerium der Angst" arrangiert sich mit den Mindestanforderungen dramaturgischer Routine, die nötig ist, dem Geschehen ohne nervöse Spannungsaussetzer zu folgen. Pflichtschuldig liest der Film ein aufputschendes Programm ab, komprimiert in knapp über 80 dicht verwebten Minuten verstiegenen bis durchschaubaren Wendungsgulasch. Bezieht die erste Hälfte der Laufzeit noch ihre formale Inszenierungskraft aus ziseliert gesetztem Licht und expressionistisch unterfütterten Schauerwelten (ein Bombenkrater, dem sich alle Anwesenden wie Astronauten nähern), flaut die Geschichte nichtsdestotrotz zunehmend ab und bewegt sich von Hitchcock fort: Verfolgung, Hast, Action. Die Probleme werden per Schießeisen gelöst, bevor die Hochzeitsglocken läuten dürfen. Und die Hochzeitstorte angeschnitten wird. Hoffentlich versteckt sich in ihr diesmal ein… Ring. 

6 | 10

Freitag, 28. August 2015

"Gewagtes Alibi" / "Criss Cross" [USA 1949]


Grantig dreinschauender, straff alle Ingredienzien abgrasender Noir aus der Hochphase jener Ära, in der sich granitbullige Gesichter verziehen, wenn deren Augen einen vorherbestimmten Weg erhaschen, der an einer in die Nacht des Sterbens steuernde Gabelung angelangt ist: "Criss Cross". Hätte er ihm bloß nichts erzählt. Und sie sich nur nicht gebückt. Burt Lancaster, von Robert Siodmak wiederholt als irreales, formverlorenes Objekt herausgestellt, das Räume verbarrikadiert und hindurch schwebt (vgl. "Die Killer"), verkörpert einen zurückgekehrten Transportfahrer, der die Liebe zu seiner (Ex-)Geliebten (bitter, aber schmerzgepeitscht: Yvonne De Carlo) aufrechterhält, indem er mit einem stadtbekannten Halunken (Dan Duryea) gemeinsame Sache, ein obskures Geschäft, macht. Halb angetrunkenes Melodram, halb galliger Heist (feuchtfröhlich: die Planung eines Überfalls beim Kartenspielen und Schnittchenessen), gipfelt "Gewagtes Alibi" im Dunstschleier als übergeordnetes, auch architektonisches Motiv – modernistische Gebäude, geneigte Winkel, verfolgende Schatten (die Krankenhaussequenz ist ein Studentenvorführbeispiel ökonomisch arrangierter Paranoia). Siodmak verlässt sich ein weiteres Mal auf eine eben nicht zum Selbstzweck angereicherte Rückblendenstruktur, die die zeitlose Beständigkeit von Liebe vergegenwärtigt und schlussendlich doch kein anderes Ende kennt als deren Endlichkeit. Hollywood-Kino von früher: dezent poetisch, aber ausgeprägt dämmerig und in seiner Hochstimmung eine (berauschte) Erotik ausstrahlend, die herausbricht, bevor sie sich – hier in einer hypnotischen Tanzszene – desillusioniert auflöst.  

6 | 10