Posts mit dem Label Ava Gardner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ava Gardner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 22. Juli 2015

"Mogambo" [USA 1953]


John Ford wirkt in "Mogambo" wie Clark Gable – ein widerspenstiger, unrasierter und archaischer Wildling, der in den Tiefen und Tälern des schwarzafrikanischen Kontinents versucht, exotische Tiere für zoologische Unterhaltungsanlaufstellen vorzubereiten und anthropologisch Feldforschung zu betreiben. Die Elefantenbabys, Vögel, Affen, das Gebrülle, Gekreische, Gebeiße, und das in paradiesischen, schwül-heißen Technicolor-Farben: Obwohl sich Clark Gable, der ausgekochte Gentleman, davon nicht beirren lässt, lenkt es John Fords Kamera desto beharrlicher ab, die fremdartiges Territorium und gierige Natur verschmitzt kartografiert. Ein Auge zudrücken muss man wohl, wenn der Weiße dem Schwarzen das "richtige" Kochen beibringt, ein gefährliches Sperrwerfen-Ritual abgehalten wird und das Bild zweier Herrschaftsdynamiken im Urwald überhaupt ein zutiefst reaktionäres und ausgeschmücktes ist. Aber ein John-Ford-Film war nicht immer dementsprechend spielerischer – das von gewitzter Screwball-Comedy, unverhohlener Zuneigung und heimlicher Eifersucht flankierte, nichtsdestotrotz in die Breite getragene Liebesdreieck zwischen Gable, Ava Gardner (aktiv tänzerisch, aktiv leidenschaftlich) und Grace Kelly (passiv zugeknöpft, passiv sinnlich) verhält sich paradigmatisch wie das Tier, das im Käfig darauf lauert, schrankenbefreit auszubrechen. Unter einem Wasserfall schließlich entlädt "Mogambo" seine naturalistische Poesie des ersten Kusses, der jenes "Ausbrechen" (unterdrückten Feuers) schlagkräftig einleitet. Der Film repräsentiert altmodisches, kulissenechtes und ursächliches Kino, dessen Zankereien um den zu stillenden Hunger nicht nur Tiere befallen.

6 | 10

Mittwoch, 21. Januar 2015

"Die Killer" ("Rächer der Unterwelt") / "The Killers" [USA 1946]


[...] Die zwei Auftragsmörder (Charles McGraw, William Conrad), die "Killer", haben nicht mehr als zwei gemeinsame Auftritte, die umso destruktiver eine Schneise dunkeldämmriger Verwüstung schlagen. Der Protagonist gleichwohl – Burt Lancaster, "der Schwede", ein Berufsboxer – hat dagegen mehrere Runden zu absolvieren, und sie formten ihn zu einem gestandenen Schauspieler; zu einem Star, der in diesem verzwickten, systematisch nach unten sackenden Film noir einen unverhofften Höhenflug bekam. [...] In ihm gärt das Verlangen des Nichts, so wie in seinem Leben der Körper als Abprallmasse gradweise zerbricht. Robert Siodmak hätte keine abgründigere, trübere Endballade über die Tugend des Film noir und seiner ewigen Finsternis choreografieren können, denn Ole Anderson (Lancaster) ist ein Wrack, weil er akzeptiert hat, dass ihn kein Rettungsschiff birgt. Anderson ist am Ende seiner Freiheit angelangt, das Mädchen weggelaufen, das Geld verloren, der Oberkörper nackt enthüllt: Burt Lancasters ausgiebige Virilität, gekoppelt an das Pech und die Entmutigung, vor einer Entscheidung zu flüchten, packen ihn an der Schulter – und drücken. Er wird müde, die Augenlider bibbernde Schlitze, er wartet auf den Henker. Er weiß, dass er sterben wird. [...]


weiterlesen