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Mittwoch, 15. August 2018

"Mission: Impossible - Fallout" [USA 2018]


Tom Cruise erklimmt zum sechsten Mal eine schier unüberwindliche Hype-Gebirgskette, die alle, außer er, mit Sauerstoff zu bewältigen imstande sind. Trauen sollte man den Vorschusslorbeeren bezüglich "Mission: Impossible – Fallout" aber nicht. Jedenfalls nicht über die gesamte Laufzeit, denn allenfalls momentweise vervielfältigen sich Schwindel und Höhenangst. Die Leichtigkeit ist geblieben, das Bleischwere hat das Franchise immer hinter sich gelassen – im Gegensatz zu den bedeutungsschwangeren Diskursen Bonds. Wenn Cruise auf einem Motorrad die Gassen von Paris durchbrettert, wirkt das adrett statt bewegungsfiebrig. Die Bilder, die Ortschaften verstreichen ungekannt sanft. Christopher McQuarrie erdet die Stuntshow um Tom Cruise mit schwerklebender Echtheit. Sonst erhitzt sich das Übertrumpfende – der seit fünf Filmen sterbenslangweilige Identitätstwists entfachende Maskengag verwahrlost zur einfallslosen Posse, die Rettung hingegen zur verschnörkelten Deus-ex-machina-Parade (Michelle Monaghan) und der grandios grässliche Score (Lorne Balfe) bedient sich munter aus "The Dark Knight Rises", während das IMF-Team gleich mehrere (!) Atomsprengköpfe sicherstellen muss. Aus jeder Pore erschwitzt der Film viriles Testosteron. Und obgleich die über Gebühr überreichlichen Showdown-Allüren selbst Cruise wie einen Avenger erscheinen lassen, ist "Mission: Impossible – Fallout" ein sympathischer, mit Henry Cavill kratzig bestückter Ritt, bei dem die Zuschauer wahrhaftig ein Publikum bilden – Mission: Cruise Control. Kraxeln, klettern, hängen. Bis zur letzten, allerletzten Sekunde.

6 | 10

Mittwoch, 12. November 2014

"Interstellar" [USA, GB 2014]


Cinephile Neandertaler konnten sich im geschniegelten Labyrinthsystem des Anzugträger-Kinos Christopher Nolans stets verbergen. Denn dort konnten sie sich (alt)klug fühlen, dort wurden sie zu Leonardo Da Vinci – auch wenn sie ganz schön doof aussahen. "Interstellar" aber, angedockt zwischen schauwertbändigendem Fragmentgeflecht (vgl. "Godzilla") und astrophysikalischer Liebesgravitation, zwingt sich diesmal, den Kopf nach unten zu neigen, anstatt hoch oben in ein ausgetrampeltes (Nolan-)Räderwerk verschlungener Aufschichtphasen zu verfallen: Die kindliche Innenansicht einer kosmisch-demutsvollen Amerikaerzählung, die auch dann überkocht, wenn der Raketenstart naht und die transzendente Liebe in ihrer wissenschaftlichen Unbegreiflichkeit abschließend die Unbegreiflichkeit der Wissenschaft selbst an den Rand drängt, gewinnt entscheidend an spontaner Ergriffenheit, ohne dass sich hierbei der Film auf die Apotheose der Spiritualität verlässt. Seine entladenen und ausladenden Wikipedia-Dialoge, sein erklärlastiges Genre-Sediment ohne Auslassungen, sein gestalterischer Fehlschluss, Universumsoriginalität mit Wasser und Schnee zur Vorstellungskraft umzudichten – wie gehabt. Aber all' das beflügelt "Interstellar", neues Terrain zu erschließen. Die Reise des Christopher Nolan führt (jetzt) über diese Konstanten, über den Horizont, hinaus, umrankt von sphärischem Orgelgeschrei und, sieh' an, flapsigem Witz. Mit Steven Spielberg hat sich Nolan, nebenher, eine Hommage ausgedacht, deren intimkitschiger Figurenschmerz aufs Angenehmste entgleist. Feuer (Spielberg) und Eis (Nolan) verbrüdern sich im "A.I."-Stil, selbst szenisch. Insofern "nur" kurzweilige Science-Fiction-Melange.

 6 | 10

Freitag, 26. Oktober 2012

"Ghost Rider" [USA 2007]


Es zeichnete sich bereits nach dem strunzbekloppten "Daredevil" ab, eine verdammt wichtige Lektion zu verinnerlichen, die daraus besteht, niemals, aber auch niemals und unter keinen Umständen sein eigenhändig produziertes Comicheft von Regiepflaume Mark Steven Johnson zu verfilmen! Wofür die 110 Millionen Dollar in seinem mythisch-horrormäßigen Streich "Ghost Rider", einer Z-Klamotte, die entschieden mehr Trash artikuliert als offenbaren will, verballert wurden, ist fraglich angesichts dessen, dass alles scheiße aussieht: der brennende Totenschädel, die gefährlichen (*hust*) Dämonen, die dem Titelhelden (Nicolas Cage) ans Leder wollen (zwei Hiebe in jämmerlichen "Kämpfen" reichen allerdings, um sie außer Gefecht zu setzen). 

Wenn die Polizei alsbald davon ablässt, Mord und Sachbeschädigung zu ermitteln, indem sie vollends erstaunt über ein Motorradskelett von der Bildfläche verschwindet, der junge Cage (Matt Long) gar keine Ähnlichkeit mit dem erwachsenen Cage aufweist, und die Angebetete (Eva Mendes) sich letztlich mehr Sorgen um ihre verrutschte Wimperntusche als über die verlorene große Liebe macht, ist nicht abzusehen, in welchen Dimensionen das Drehbuch besoffen durch die Geschichte torkelt.

Die Bösen sind gefriergetrocknet (schmerzlich lachhaft: Wes Bentley), die Guten zu Stein erstarrt (das Dekolleté Mendes' – trotzdem toll) und die Nebenrollen zum... Teufel gejagt und geritten (Peter Fonda, Sam Elliott). Dass der Film aus seinen wenigen Ansatzpunkten, die er verhandelt wissen will, nichts Greifbareres spinnt, darf als größtes Ärgernis gelten, weil sie unter einem Wust an Blödelhumor vergewaltigt werden.

Gerade die Liebesgeschichte; ein "Spider-Man" hat durchaus gezeigt, wie sie die Titelfigur stärkt oder schwächt, antreibt oder abstößt, sofern sie das übliche eingepferchte System sprengt. Aber okay, zu viel Anspruch. Zumindest die Motorradstunts sind ganz ansehnlich, ein, zwei in den filmischen Raum lässig hingerotzte Sprüche, ein, zwei ironische Westernreminiszenzen und ein, zwei kecke Kamerashots. Alles andere ist nicht wirklich Unterhaltung, auch nicht im alkoholisierten Zustand.

3 | 10

Donnerstag, 25. Oktober 2012

"Dolan's Cadillac" [USA 2009]


Man kann Jeff Beesley nicht den anmaßenden Totschlagvorwurf machen, dass er die überaus psychologische King-Vorlage, eine geradlinige, gänzlich im Kopf des Antihelden verknotete Rachestory, die erstmals 1993 im Kurzgeschichtenband "Nightmares and Dreamscapes" erschien, nicht verstanden hat. Im Gegenteil: Beesley hat die Vorlage sehr wohl verstanden, weil er meistens gar nicht so übel zwischen dichterischer Freiheit für eine Spielfilmdramaturgie (aus Jahren der Vorbereitung werden Monate), zitiertem Referenzmaterial (Kamerafahrten über aufgedruckte Straßenmittelstreifen à la Billy Wilder, David Lynch) und nah am vorgegebenen Handlungsgerüst festgenagelter Adaptionsarbeit inszeniert (einige lakonische Metaphern wurden direkt 1:1 übernommen). Da King die Handlung aus den Augen der traumatisierten Titelfigur mit inneren Monologen ausschmückt, ist eine filmische Transformation dessen für ein Massenpublikum mehr als schwierig, wenn der Film nicht zum prätentiösen Kunstfilm mutieren soll.

"Dolan's Cadillac" passt sich aus diesem Grund lieber umso konsequenter der Zeit an. Gefilmt in kristallklarem Hochglanz, wühlt Beesley in der Kiste manipulierter Tricks zur Emotionssteigerung des mainstreamigen Genrefilms: Zeitraffer und Zeitlupe, Bonbonfarbfilter, Kameradrehungen um 180°, ein wummernder Soundtrack (großartig: Gerald Packer). Und bemächtigt sich der Werkzeuge des 21. Jahrhunderts: Apfel-Computer, Handys, kugelsichere Luxusschlitten. "Dolan's Cadillac" kann aller handwerklichen Leistungen zum Trotz allerdings nicht jenes Prädikat eines unausgegorenen Films ungenutzter Möglichkeiten kaschieren, obschon die Möglichkeiten spürbar sind – Dolans Blick, als er seine neue "Fracht" begutachtet (im philosphischen Ausnahmezustand: Christian Slater), Tom (Wes Bentley), als er nach gelungener Rache vom FBI angerufen wird.

Zu ungenutzt bleiben sie, die Möglichkeiten für ein mehrdimensionale(re)s Moralstück um die seelischen wie körperlichen Randerscheinungen konsequenter Umsetzung des unwiderstehlichen Drangs nach Vergeltung. Dass zum Beispiel die tote Ehefrau (farblos: Emmanuelle Vaugier) als geschundener wie blutender Geist an allerlei Ecken erscheint, riecht beträchtlich nach Klischee. Richtig emotional wird es ohnehin nicht, dafür vermag Wes Bentley keinen würdigen, keinen lebendigen Darsteller zu imitieren, um Ambivalenz auszudrücken. Die Ehe beider ist sowieso eine (Film-)Ehe des Ungefähren, nicht des Nachvollziehbaren. Statt der minutiösen Detailarbeit von King, einen mörderischen Plan in die Tat umzusetzen, begnügt sich Beesley mit schnellem Sicherheitsdenken, dessen essentielle Gewissensentscheidung(en) von Mitgefühl und Hass, darüber ein Mensch zu bleiben oder ein Monster zu werden, von einem Frame in den darauffolgenden entschieden wird. Ungemein unterhaltsam sind eigentlich nur die durchtriebenen Slater-Shows, ebenso wie der letzte Akt des spannenden Duells, in dem sich Täter und Opfer spiegeln.         

5 | 10