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Mittwoch, 22. Juli 2015

"Mogambo" [USA 1953]


John Ford wirkt in "Mogambo" wie Clark Gable – ein widerspenstiger, unrasierter und archaischer Wildling, der in den Tiefen und Tälern des schwarzafrikanischen Kontinents versucht, exotische Tiere für zoologische Unterhaltungsanlaufstellen vorzubereiten und anthropologisch Feldforschung zu betreiben. Die Elefantenbabys, Vögel, Affen, das Gebrülle, Gekreische, Gebeiße, und das in paradiesischen, schwül-heißen Technicolor-Farben: Obwohl sich Clark Gable, der ausgekochte Gentleman, davon nicht beirren lässt, lenkt es John Fords Kamera desto beharrlicher ab, die fremdartiges Territorium und gierige Natur verschmitzt kartografiert. Ein Auge zudrücken muss man wohl, wenn der Weiße dem Schwarzen das "richtige" Kochen beibringt, ein gefährliches Sperrwerfen-Ritual abgehalten wird und das Bild zweier Herrschaftsdynamiken im Urwald überhaupt ein zutiefst reaktionäres und ausgeschmücktes ist. Aber ein John-Ford-Film war nicht immer dementsprechend spielerischer – das von gewitzter Screwball-Comedy, unverhohlener Zuneigung und heimlicher Eifersucht flankierte, nichtsdestotrotz in die Breite getragene Liebesdreieck zwischen Gable, Ava Gardner (aktiv tänzerisch, aktiv leidenschaftlich) und Grace Kelly (passiv zugeknöpft, passiv sinnlich) verhält sich paradigmatisch wie das Tier, das im Käfig darauf lauert, schrankenbefreit auszubrechen. Unter einem Wasserfall schließlich entlädt "Mogambo" seine naturalistische Poesie des ersten Kusses, der jenes "Ausbrechen" (unterdrückten Feuers) schlagkräftig einleitet. Der Film repräsentiert altmodisches, kulissenechtes und ursächliches Kino, dessen Zankereien um den zu stillenden Hunger nicht nur Tiere befallen.

6 | 10

Mittwoch, 26. November 2014

"Der Mann, der Liberty Valance erschoss" / "The Man Who Shot Liberty Valance" [USA 1962]


[...] Ingmar Bergman, François Truffaut und Martin Scorsese gehörten und gehören der großzügig prominenten Fangemeinschaft John Fords an. Wenngleich Ford, wie Truffaut schrieb, nie den Worten "Kunst" und "Poesie" traute, um eigenhändig seine Arbeit zu umschreiben, dürfte es den winzigen Moment eines Augenzwinkerns erfüllen, den (inflationären) Kunst- und Poesiestempel allein diesem schwindelerregend tiefschönen, reflexiven und gramgebeugten Werk "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" aufzudrücken, in dem John Wayne und James Stewart als Abgesandte im Duett ein Genre zweiteilen und es obendrein hinterfragen. Wahrscheinlich konnte John Ford als einer der wenigen Künstler simpel filmen, aber anspruchsvoll vermitteln. Ein im Lauf der Zeit verlottertes Credo, das andere, leider, zunehmend umdrehen. Aber wie handwerklich griffig und alarmierend mitmenschlich er James Stewart und Vera Miles arrangiert; ihr zugeworfener Blick, flüchtig, seiden, sein Tellerabwaschen, stockend, agil, weil die Bücher rufen, das Gesetz. Das bebt, seufzt, zittert. [...]. Auch das abgebrannte Haus des Freundes und Gefährten (Wayne), die mitgebrachte Rose, die keine richtige ist, die fetten Fleischstücke, die riesigen Kartoffeln, der sachte aufdämmernde Klageschwall [...] gebären, bei aller Liebe zum Neuen, Demut zum Alten.


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Mittwoch, 1. September 2010

In aller Kürze: "So grün war mein Tal" / "How Green Was My Valley" [USA 1941]



Um zwei besonders ulkigen Tatsachen aus dem cineastischen Absurditätenkabinett zu begegnen, genügt ein schneller Blick in die entsprechende Wikipedia-Seite. Nicht nur, dass darin vermerkt ist, John Fords auf Richard Llewellyns basierende Familienchronik habe insgesamt vier (!) deutsche Alternativtitel parat, nein, dieser Heimatfilm namens "So grün war mein Tal" (oder "Schlagende Wetter", oder "Schwarze Diamanten", oder…) habe außerdem, damals vor langer, langer Zeit, als Hollywood noch schön war, den Prestigeoscar für den Besten Film gewonnen und sich gleichzeitig gegen Hochkaräter wie "Die Spur des Falken" und selbst "Citizen Kane" durchsetzen können. Leider wird das Werk seinem anhand der Preise postulierten Ruf als Klassiker nicht gerecht. Ford beschwört in seinem offensichtlich sozialkritischen Drama voller elementarer Lebensthemen das Bild eines zutiefst konservativen Familienbildes, das an der "neuen sozialökomischen Lebensweise" einer neuen technisierten Zeit zerbricht, die sich längst gewandelt hat. Was nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass "So grün war mein Tal" im Kern allerdings furchtbar anstrengendes wie phänomenal nerviges Bauerntheater verkörpert, das in unerträglich vielen pathetisch-religiösen Dialogen über Gottes unendliche Kraft schwelgt, wenn nicht zwischendurch entweder hysterisch gelacht oder heitere Volkslieder euphorisch zum Besten gegeben werden. Ford zeigt wehmütig-vergängliche Bilder einer idyllischen Dorfgemeinschaft, während im Hintergrund das Drehbuch nicht gerade idyllisch Amok läuft, indem es sich vergeblich entscheiden kann, ob es sich auf das Innenleben der walisischen Familie konzentriert, oder aber auf jenen epochalen Wandel zu jener einsetzenden Industrialisierung, welche die Morgans allmählich aus ihrem Paradies vertreiben. So oszilliert das Script unkontrolliert zwischen beiden Handlungssträngen. Ungeachtet dessen, dass zwei, drei irgendwie gelungene Momente (die Ausbildung des Sohnes zum Schulhof beherrschenden Schläger beispielsweise) sowie weitgehend überzeugende Schauspieldarbietungen tatsächlich den Weg in den Film gefunden zu haben scheinen, entpuppt sich "So grün war mein Tal" dennoch nicht weniger als ein auf große theatralische Gefühlsduselei aufgebauter Schmachtfetzen, der träge vor sich hin vegetiert.

3,5/10