
Donnerstag, 14. Juli 2011
In aller Kürze: "Mosquito Coast" [USA 1986]

Samstag, 9. Juli 2011
In aller Kürze: "The Royal Tenenbaums" [USA 2001]

Würde das eindeutig-uneindeutige Attribut "normal" auf Familien, wie du und ich sie möglicherweise haben, zutreffen, die Tenenbaums wären garantiert nicht normal. Vorgetäuschte Krebserkrankung zur angepeilten Familienvereinigung angesichts zahlreicher Versäumnisse und Erschießung des Sohnes beim Ballerspiel mit echtem Schrot, obgleich im selben Team (begnadet diametral zu seinen diabolischen Schurkenrollen: Gene Hackman), voyeuristisches Stalker-Interesse am neuen Liebhaber (ein schwarzer, alter Sack; Danny Glover) seiner Noch-Ehefrau (Anjelica Huston), zwei literarisch wie sportlich anfangs phänomenal in die Höhe geschossene, später literarisch wie sportlich phänomenal in die Tiefe gefallene Jungs (Luke Wilson, Owen Wilson), ein paranoider zweiter Sohn (Over-Acting-Deluxe: Ben Stiller), der seine Söhne wiederum zu Weltmeisterschaftssprintern züchtigen will, um nach einem Feueralarm inklusive Hund unbeschadet aus dem imaginär brennenden Heim zu stolzieren (sie müssen dafür 16x pro Woche trainieren), eine seit 22 Jahren kettenrauchende, neunfingrige, aber Theaterstücke schreibende und sich täglich acht Stunden im Badezimmer einschließende, depressive Tochter (umwerfend: Gwyneth Paltrow), von der jeder annimmt, dass sie nie einen Glimmstängel gesehen hat. Es musste so kommen: Was folgt, ist die tägliche XXL-Dosis Familienmisere, das wilde Chaos introvertierter Gestalten und ihren persönlichen Differenzen zueinander, das mit Schlaglöchern übersäte Katastrophengebiet zwischenmenschlicher Beziehungslandschaften, die verzweifelte Suche nach dem Sinn des Lebens bei unerfüllter Liebe, Vergangenheitsbewältigung, Vergebung, Enttäuschung. Schicksal. Dicht versponnen, spielfreudig geschauspielert und doch auf eigenartige Weise liebenswürdig, das ist Wes Andersons dritter Spielfilm, ein pointierter Ensemblefilm, wo die Komik mit der Elegie einhergeht, mit schubkarrenweise Stars und pompösem Exterieur aus bunten Kulissen, poppigen Kleidern sowie erlesenen Kompositionen.
Anderson organisiert den Film selbstreflexiv wie ein Theaterstück in Kapiteln, einschließlich Pro- und Epilog. Die Fülle an popkulturellen Anspielungen, musikalischem Rundumschlag quer durch die Epochen und überbordender Fabulierkunst sieht es vor, jede einzelne Figur zunächst mit Zwischenüberschrift und Voice-over vorzustellen, bevor die Handlung beginnen kann. Dabei neigen "Die Royal Tenenbaums" nicht zu einer pathologisch-vielschichtigen, religiös unterfüttetern Analyse komplexer Unzulänglichkeiten lose verknüpfter Charaktere im Stile eines "Magnolia", Andersons Ansatz ist mehr ein satirischer, ohne seine skurrilen Protagonisten der Lächerlichkeit preiszugeben. Anderson karikiert seine exzentrische Sippschaft zwar genüsslich, aber nie zur Karikatur ihrer selbst. Man identifiziert sich, man erkennt sich wieder, nichtsdestotrotz. Der Witz zündet häufig, ist nie zu doll und nie zu Konsens, er ist sanft und lakonisch und manchmal sogar richtig wohltuend in der Kunst des Zurücknehmens infantiler Schenkelklopfer, es ist der unverbrauchte Anderson-Humor, oft ist ein einziger lustiger Satz ausschlaggebend, ein einziges lustiges Wort ("Verpissen wir uns."), ein einziger lustiger Meinungsaustausch. Die Regieideen sind vielseitig, sind nie zu artifiziell, nie auf ihre bloße Schrägheit reduziert. Und immer, wenn man versucht ist zu glauben, Anderson laufe Gefahr dann doch in die verkitschte Kerbe aufgesetzter Rührseligkeiten zu schlagen (so, als Eli Cash, verkörpert von Owen Wilson, sich unter Tränen freiwillig zur Drogenklink einweisen will), immer, wenn man also zu glauben scheint, der Film sei naiver als er vorgibt, ist der Film in Wahrheit intelligenter als der Rezipient selbst: Cashs sentimentales Versprechen diente als Lüge für die Flucht. Fernab des kleineren Mankos der tatsächlich viel zu abrupten Katharsis Royal Tenenbaums (kurioserweise am unmoralischsten und gleichzeitig am verletzlichsten, dieser Royal Tenenbaum) vermittelt Anderson den wiederhergestellten Familiensegen nicht euphorisch als einseitige Erkenntnis, sondern hoffnungsvoll als Chance, weil es schwer ist, den inneren Schweinehund urplötzlich vollständig zu überwinden. Fehlt nur noch Aimee Mann. Wise Up! Save Me! Oder gleich beides. Wäre ihm der andere Anderson nicht zuvor gekommen.Freitag, 10. Juni 2011
In aller Kürze: "The Score" [USA, D 2001]

Donnerstag, 9. Juni 2011
In aller Kürze: "Four Rooms" [USA 1995]
Donnerstag, 24. März 2011
In aller Kürze Teil II: "Training Day" [USA, AUS 2001] & "Red Eye - Nachtflug in den Tod" [USA 2005]

Dienstag, 25. Januar 2011
In aller Kürze: "Der Schrei der Eule" / "Le cri du hibou" [F 1987]

Freitag, 14. Januar 2011
In aller Kürze: "Frozen River" [USA 2008]

Dienstag, 30. November 2010
"16 Uhr 50 ab Paddington" / "Murder She Said" [GB 1961]

Montag, 8. November 2010
In aller Kürze: "Punisher: War Zone" [USA, D 2008]

Mittwoch, 22. September 2010
In aller Kürze: "Flucht aus Absolom" / "No Escape" [USA 1994]

Mittwoch, 1. September 2010
In aller Kürze: "So grün war mein Tal" / "How Green Was My Valley" [USA 1941]
Um zwei besonders ulkigen Tatsachen aus dem cineastischen Absurditätenkabinett zu begegnen, genügt ein schneller Blick in die entsprechende Wikipedia-Seite. Nicht nur, dass darin vermerkt ist, John Fords auf Richard Llewellyns basierende Familienchronik habe insgesamt vier (!) deutsche Alternativtitel parat, nein, dieser Heimatfilm namens "So grün war mein Tal" (oder "Schlagende Wetter", oder "Schwarze Diamanten", oder…) habe außerdem, damals vor langer, langer Zeit, als Hollywood noch schön war, den Prestigeoscar für den Besten Film gewonnen und sich gleichzeitig gegen Hochkaräter wie "Die Spur des Falken" und selbst "Citizen Kane" durchsetzen können. Leider wird das Werk seinem anhand der Preise postulierten Ruf als Klassiker nicht gerecht. Ford beschwört in seinem offensichtlich sozialkritischen Drama voller elementarer Lebensthemen das Bild eines zutiefst konservativen Familienbildes, das an der "neuen sozialökomischen Lebensweise" einer neuen technisierten Zeit zerbricht, die sich längst gewandelt hat. Was nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass "So grün war mein Tal" im Kern allerdings furchtbar anstrengendes wie phänomenal nerviges Bauerntheater verkörpert, das in unerträglich vielen pathetisch-religiösen Dialogen über Gottes unendliche Kraft schwelgt, wenn nicht zwischendurch entweder hysterisch gelacht oder heitere Volkslieder euphorisch zum Besten gegeben werden. Ford zeigt wehmütig-vergängliche Bilder einer idyllischen Dorfgemeinschaft, während im Hintergrund das Drehbuch nicht gerade idyllisch Amok läuft, indem es sich vergeblich entscheiden kann, ob es sich auf das Innenleben der walisischen Familie konzentriert, oder aber auf jenen epochalen Wandel zu jener einsetzenden Industrialisierung, welche die Morgans allmählich aus ihrem Paradies vertreiben. So oszilliert das Script unkontrolliert zwischen beiden Handlungssträngen. Ungeachtet dessen, dass zwei, drei irgendwie gelungene Momente (die Ausbildung des Sohnes zum Schulhof beherrschenden Schläger beispielsweise) sowie weitgehend überzeugende Schauspieldarbietungen tatsächlich den Weg in den Film gefunden zu haben scheinen, entpuppt sich "So grün war mein Tal" dennoch nicht weniger als ein auf große theatralische Gefühlsduselei aufgebauter Schmachtfetzen, der träge vor sich hin vegetiert.
Mittwoch, 25. August 2010
In aller Kürze: "Der Gefangene von Alcatraz" / "Birdman of Alcatraz" [USA 1962]
Unaufgeregt, frei von jeglichen aufgesetzten Sentimentalitäten sowie trotz seines Appellcharakters niemals anbiedernd, aber dennoch in hochemotionalen Momenten erzählt John Frankenheimer vom apathischen Verzweifeln hinter kalten Gefängnismauern. Burt Lancaster spielt in einer bestechenden, weil mehrdimensional konzipierten Leistung den zweifachen Mörder Robert Stroud, der mehr als die Hälfte seines Lebens in Einzelhaft, in Monotonie zwischen Ungeziefer und kahlen Wänden, verbringt, ehe unbekümmerte Vogelgesänge für die herbeigesehnte Erlösung sorgen. Obgleich die Geschichte einen realen Hintergrund besitzt, erweist sich "Der Gefangene von Alcatraz" allerdings weder als Dokumentarfilm noch als Biographie. Stattdessen skizziert der Film in beklemmenden Bildern Strouds Verwandlung vom jähzornigen Egomanen zum Rehabilitierten zum leidenschaftlichen Vogelkundler zum idealistischen Einzelkämpfer, der einem ganzen unmenschlichen Justizapparat gegenübertritt, während der Zuschauer ihn beim würdevollen Altern zusieht und dabei ein Gnadengesuch nach dem anderen abgelehnt wird. Frankenheimer singt ein Hohelied auf universelle Rechte Gefangener, tangiert essentielle Werte und Normen, propagiert Freiheit, Humanität und Menschenwürde in einer zutiefst finsteren Welt, deren Verständnis von Recht allerhöchstens desolat erscheint und von sadistischen Fanatikern mit permanenten Rachegedanken bevölkert wird. Und er zeigt grenzenlose Freundschaft in Extremsituationen, etwa wenn Stroud in einer der ergreifendsten Szenen eine Katharsis durchlebt und sich zum ersten Mal seit Jahrzehnten bei einem Mitmenschen, bemerkenswerter Weise einem Gefängniswärter (Neville Brand), entschuldigt, weil beide menschlich vom jeweils anderen behandelt werden wollen. Exzellente Nebenrollen (Thelma Ritter, Karl Malden, Betty Field, Telly Savalas) sowie Elmer Bernsteins atmosphärische Musik komplettieren einen etwas anderen Knastfilm ohne obligatorische Ausbruchspläne, dafür mit einer Reihe deplazierter Actioneinlagen gegen Ende. Und unglücklichem deutschem Filmtitel.
Dienstag, 22. Juni 2010
In aller Kürze: "The Green Mile" [Stephen King, 1996]





