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Mittwoch, 13. Mai 2015

"Blade II" [USA, D 2002]


[...] Blade lernt auf seinem Kreuzzug gegen die Akzeptanz seiner Natur Nyssa (Leonor Varela) kennen, die kampferprobte Tochter des alten Vampirpaten (ausgefallen und zweierlei blass: Thomas Kretschmann). Bei allen überfüllten Inszenierungsbonmots: Der Film findet infolge dieser verknappten Figurenbeziehung an unerwarteten Stellen zu einer verbotenen, aber sanften Vampir-Romantik zurück, die er ohne imitiertes, grundfalsches Gefühlspochen rudimentär aufleuchten lässt – während ein Kuss zur überlebensnotwendig elementar-primitiven Bluttrinkerei eine poetische Reflexion erhält. Bis die Flammen der Liebe wortwörtlich zu Asche zerfallen. Angesichts des Umstandes, dass del Toros Fortsetzung sonst kaum eine Verschnaufpause einlegt, um sich zu regenerieren, ist dies, nämlich die unvermutete Rassenmenschlichkeit, umso ungewöhnlicher. Mit Ron Perlman als brodelnder Opportunist und vielen weiteren Charakteren im Schlepptau, die sich eine Fassade aufgebaut haben, kredenzt del Toro ein sinnreiches, nunmehr tiefergehendes Beat-Universum ins Groteske verzerrter (Vampir-)Chiffren – Swimmingpools aus Blut, rotes Kokain, Rasierklingenvorspiele. Dass "Blade II" ein paar Jährchen auf den Schultern trägt, untermauen zwar die bisweilen schlecht gealterten Computeranimationen eines Flummi-Blades im Nahkampf, sind dem drastischen Neon-Fragmentsplitterregen aber ungeachtet dessen selten abträglich. Cool.


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Freitag, 18. Juli 2014

"Auf der Jagd" / "U.S. Marshals" [USA 1998]


Ein Abschreiben, eine Nacherzählung, ein Herunterbeten: "Auf der Jagd" ist "Auf der Flucht", in schlechter. Noch einmal durchquert ein Unschuldiger (ein schaler Harrison-Ford-Ersatz: Wesley Snipes) das halbe Land, um auf eigene Faust (und Waffengewalt) die Schuld einem anderen zuzuschieben – mit angehängtem Epilog, in dem sich das verdeckt haltende Böse offenbart. Naturgemäß überreizt "Auf der Jagd" als ausschlachtende Fortsetzung seinen Lärm. Nicht mehr im Philanthropischen und Flirrenden ist diese zuhause, sondern gewichtet, kommerziell gezielt, offenkundigen Oberflächenpomp ganz anders, der einem gleichermaßen mit mehr Dampf aufgeblasenen Spionagekomplott (Twist-Impertinenz inklusive) zuarbeitet. Ob ein Flugzeugabsturz oder ein Sprung auf das Dach eines Zuges: Wie bereits im Vorgänger erfreut sich der Film neben seiner rohen Städtefotografie an seinen kaum digital verwässerten, wiewohl kenntnisreich ausgearbeiteten Stunts. Sonst aber wirkt "Auf der Jagd" massiger und  plumper, ist nicht mehr im roten Gaspedalbereich unterwegs, sondern in der verschwurbelten Berichterstattung über Details und Zusammenhänge involviert. Das Unvermutete, Bestimmte fehlt dem Film, das nach vorn Gerichtete. "Auf der Jagd" ist horizontal geworden, ein Stoppschild-Parcours. Gern schaut man allerdings einem bärbeißigen, schroffen Tommy Lee Jones ein zweites Mal bei allerhand cholerischen Krisensitzungen zu. Das verhilft dem Wiederholungsstück, das, Hand aufs Herz, sowieso keiner gebraucht hat, zur immerhin froh gestimmten, gefälligen 90er-Retroreise.

5 | 10

Mittwoch, 6. Juni 2012

"Mord im Weißen Haus" / "Murder at 1600" [USA 1997]


Filmisch verdichtetes Komplott höchster Regierungskreise, hölzern, unkonkret, gleichbleibend anachronistisch. Ein Mord im Weißen Haus, und der zuständige Ermittler landet in einem Minenfeld von Barrikaden, die ihm in den Weg gestellt werden. Er braucht hierbei gar nicht besonders darauf achten, eine Mine zu umgehen, denn das Reintreten ist etwas, was nach Prinzip funktioniert. Von der oft befremdlichen amerikanischen Wahrheitsdefinition, über die unschuldigen Verdächtigen bis zur kräfteraubenden Suche nach dem wahren Täter inmitten eines brisanten Verschwörungssyndikats, schickt Dwight H. Little den Hobbymodellbauer und Geschichtsinteressierten Wesley Snipes (ein selbstironischer Rowdy im geschniegelten Washington) entgegen aller Widerstände auf eine Konfrontation gegen ein Gewerbe, dessen Ideale sich eklatant von denen unterscheiden, die der Mordkommission in aller Regel vorbehalten sein sollten. Der Bedienung offensichtlicher Paranoia-Klischees huldigt der Film ebenso sehr, wie er sich nicht entscheiden kann, ob er subtiler Spannung oder schlagfertiger Action den Vorzug geben sollte, was er also überhaupt erreichen will. Der Actionanteil ist es, der allerdings merklich zunimmt: Im Showdown bahnen sich die Figuren einen Weg durch einen tief unter der Erde liegenden, geheimen Zugang zum Weißen Haus, während sie von abkommandierten Killern verfolgt werden.

Später tarnt sich Detective Harlan Regis (Snipes) als Putzhilfe. Als er aufzufliegen droht, liefert er sich eine mittelschwere Prügelei mit mehreren Secret-Service-Agenten im Fahrstuhl. Davor entkamen die Protagonisten bereits knapp einer weiteren Festnahme, ein Auto explodierte und die Scheinwerfer des Hubschraubers wurden zerschossen. Dadurch, dass Little diese Szenen mit grobschlächtigen, von sich überzeugten Begleittönen dirigiert, erklärt er "Mord zum Weißen Haus" – das könnte dann eindeutig beantwortet werden – zum biederen Actionfilm, der seine zuweilen ideenreichen erzählerischen Verdrehungen immer wieder auf den Kopf stellt. Je weiter der Film voranschreitet, desto schlampiger behandelt er seine Nebenthemen. Weder die gemeinsamen Affären  in Bezug zur gleichen Frau zwischen Präsident (Ronny Cox) und Sohn (Tate Donavan) noch die im Hintergrund schwellenden internationalen Krisenherde verhindern, dass die Heuchelei der behaupteten Vielschichtigkeit aufgebrochen wird. Und die in ihrer Einfallslosigkeit so irgendwie doch lebendigen, so sympathischen Figuren gleich mit. Eine Perspektive ist trotzdem schön. Nämlich wenn die Kamera einen riesigen zu bewachenden Raum von geheimdienstlichen Aktenbergen unter Verschluss überfliegt, dann wird klar, was Amerika weiß und was es nicht weiß. 

4.5 | 10

Donnerstag, 12. April 2012

"Der Fan" / "The Fan" [USA 1996]


Dariusz Wolskis wummernde Bildeinstellungen ausstoßende Kameraarbeit versteht sich als moderne "Taxi Driver"-Interpretation. Hier wie dort kleben die Objektivlinsen abstrakt an Autokarosserien, in beiden Werken intensiviert die ruhelose Kamera ihre einzurahmende Geschichte in ihrer hitzigen Hysterie. Es ist nicht die einzige Ähnlichkeit. Tony Scott hält sich eng an Filme wie "Taxi Driver" oder dem "Kap der Angst"-Remake, ihres Zeichens exzentrische Genreklassiker, in denen Robert De Niro den fließend ineinander laufenden Abstufungen des Wahnsinns huldigte, indem er sich eine ebenso moralisch wie politisch zu seinen Gunsten tickende, zweite Realität erschuf, um den seiner Meinung nach erbärmlichsten Abschaum von den Straßen wegzuschrubben. Der Abkapselung einer integrativen, barmherzigen Regung, wie wir sie als "normal" bezeichnen würden, antwortet De Niro auch in "The Fan" mit sukzessive animalischeren Gesten eines Dämons im Körper eines im Herzen außerordentlich leidenschaftlich-emotionalen Gesellen.

Der Unterschied ist der, dass Scott dieses Idealmodell des Robert De Niro, längst Aushängeschild im Kanon des besessenen Schauspielers, diesmal in der Umgebung jenes uramerikanischen Sports beschreibt, an dessen Spieltagen sich jeder gleich und befreit neben dem anderen fühlen darf – dem Baseball. Scott werkelt an der Intention herum, dass grenzüberschreitender Sportfanatismus nicht nur dem Team im Allgemeinen schade, sondern jedem Einzelschicksal; das Beleben einer jeweiligen Sportmannschaft durch den eingefleischten Fan könne darüber hinaus prompt in blinden Hass umschlagen, wenn der unabwendbare Zorn über die Niederlage die Empathie über ein rein menschliches Versagen verhöhnt. Präziser ausgedrückt: Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, so ist es doch nur eine Sportart.

Mit ebenjenem De Niro und Wesley Snipes in einer routinierten Charakterrolle des auf den Boden des Formtiefs plumpsenden, ehemals umjubelten Baseballidols schickt der Film zwei launige Kontrahenten in die Geschichte, deren psychologische Profile dank beständiger Parallelmontagen in Skizzen geschärft werden. Scott vertraut hierbei auf seine stilistisch unverkennbare Handschrift, Bildfragmente und Stückchen von Handlungsfetzen zum Ursprung des Kinos zurückzuführen, Erzählungen visuell zu codieren.


Der zweite Sinn besteht darin, dass angesichts der entfesselt hin- und herpendelnden Montage zwischen Gil Renard (De Niro) und Bobby Rayburn (Snipes) zwei kaum unterschiedlichere Charakterzüge zum Ausdruck kommen. Während Renard seinen Job als Messerverkäufer zugunsten des Baseballs nicht sonderlich ernst zu nehmen und sogar gern zu spät zum vereinbarten Termin erscheint, lebt Rayburn hingegen für die unstillbare Perfektion, alles immer richtig zu machen, bis er schließlich von seinen eigenen Überzeugungen eingeholt wird.

Musikalisch überwiegend zugedröhnt und aufgedreht zum lähmenden Pathos der großen Baseballschläge (die Stones beleben die sportliche Apokalypse passend mit "Gimme Shelter"), offenbaren vor allem, obschon überaus ästhetisch, die eigentlichen Sportsequenzen im Stadion durch ihre repetitiven (Zeitlupen-)Motive im Videoclipstil Verschleißerscheinungen. Die abwechslungsreiche Nebenriege reicht vom gewohnt vernuschelten Benicio del Toro (mit eingebrannter Rückennummer) zur verhassten Boulevard-Sportreporterin Ellen Barkin, die gleichwohl kaum Entwicklung erfahren, aber nett ergänzen. Davon einmal abgesehen hinkt die Logik der Dramaturgie der Umsetzung hinterher, das ist allerdings ein grundlegendes Scott-Problem, egal welcher der Brüder nun gerade Regie führt.

Tony Scott vertraut dem letzten Drittel schließlich eine psychopathische Klischee-Entführung an, die in einem regenreichen Showdown immer wieder für das Opfer zu eskalieren droht – die Stolpersteine sind vorhersehbar: Rayburn trifft den Ball nicht, das Spiel muss pausiert werden, der Boden des Feldes ist matschig. Und Renard versteckt sich irgendwo im Stadion, spielt Katz-und-Maus. Diese Art der längst nicht mehr überraschenden Konfliktzuspitzung macht aus "The Fan" in letzter Konsequenz doch wieder nur einen durchschnittlichen Genrefilm, leicht gehobener Durchschnitt zwar, aber größtenteils ärgerlich in Anbetracht der Ansätze.

5.5 | 10

Mittwoch, 24. September 2008

"Demolition Man" [USA 1993]


Der erste Teil des Filmtitels ist Programm: Zerstörung. Es wird in "Demolition Man" wahrhaftig viel demoliert. Von einem Gebäude, über ein Museum bis hin zu einem Gefängnis – pardon, eine Art Gefängnis. Das alles geschieht zwischen zwei Männern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zwischen dem härtesten Cop des 21. Jahrhunderts, Detective John Spartan, und dem brutalsten Verbrecher des 21. Jahrhunderts als extremer Gegenpol, Simon Phoenix. Spartan vs. Phoenix. Sylvester Stallone vs. Wesley Snipes. Ein mit Spannung erwarteter Fight in einem womöglichen Actionknaller, der zudem futuristisch angehaucht erscheint. Kann das wirklich etwas werden? Jein. Jein deshalb, weil recht eindeutig der überdurchschnittliche Durchschnitt hervorschimmert, weil recht eindeutig ein gewisses Überwältigungsgefühl trotz überwältigendem Spaß vergeblich aufkommen mag. 

Nein, Marco Brambillas "Demolition Man" bietet Altbackenes. Ohne große Überraschungen, ohne besondere narrative Kniffe. Passend dazu Daniel Waters, Robert Reneau und Peter M. Lenkovs formelhaftes Drehbuch, das nach konventionellen Mustern gestrickt ist. Es ist halt ein Drehbuch, ein Vehikel, das ganz auf seine beiden Hauptdarsteller zugeschnitten ist, die ohnehin die halbe Miete zu sein scheinen. Dieser Actioner handelsüblicher Klasse bietet nicht gerade viel Neues – abgesehen von seiner nett anzuschauenden, aber alles in allem kaum greifbaren, undurchsichtigen Zukunftsutopie und einer großen Prise Selbstironie und Komik.

Nämlich wie sich ein brillant aufgelegter Stallone in ulkigem Stil selbst auf die Schippe nimmt, wie er sich mit lakonischen Einzeilern über Wasser hält, wie er hoffnungslos einer ihm unbekannten, fremden, von antiquierten Verhaltensweisen bestehenden Welt ausgeliefert ist, wie er selbst seinen langjährigen Konkurrenten im Actionbereich, Arnold Schwarzenegger, mittels eines zynisch-politischen Seitenhiebs Tribut zollt: All das soll Spaß und Freude bringen. Und das macht es auch, denn "Demolition Man" nimmt sich darüber hinaus zu keiner Sekunde so richtig ernst. 


Zweifellos ist hauptsächlich Stallones Zusammenspiel mit der hier ausnahmsweise mal nicht zur Nervensäge verkommenen, aber dennoch irgendwie latent nervigen Sandra Bullock ein Höhepunkt, der von spritzigen Dialogen erdrückt wird. Einzig und allein Wesley Snipes rüttelt tendenziell am Nervenkostüm. Dieser Antagonist wirkt trotz seiner ästhetischen Kampfkunsttechnik bei weitem nicht bösartig, gefährlich oder auch "krank". Er ist grellbunt, schräg und grotesk, de facto eine in die Richtung gehende, infantile Witzfigur lächerlichen Ausmaßes, vor dem man keine Angst zu haben brauch'. Negativ unterstützt wird dieser Charakter von Snipes hoffnungslosem Overacting.

Des Weiteren ist da noch dieses San Angeles. Das quasi Los Angeles der Zukunft, dessen Vorgänger als ein Territorium der Engel durch einen apokalyptischen Hollywood-Schriftzug entwaffnet wird. Eine Stadt, eine perfekte Gesellschaft vielmehr, die sich fast völlig den "guten" Dingen verschrieben hat. Alles, was in ihren Augen "schlecht" ist, gilt ab sofort als Verbot und wird selbstverständlich bestraft. Sex auf natürlicher Basis (eine aberwitzige Szene), Schokolade, Toilettenpapier, Salz, vor allem Gewalt, ja selbst Schimpfwörter werden mit einer Geldstrafe bedacht. Für einen nach B-Movie riechenden Film ist diese ganze Angelegenheit zudem bildgewaltig ausgestattet, allen voran die Autos sind ein optischer Schmaus. Kurzum: Brambilla liegt mit seiner manchmal etwas unfreiwillig komisch wirkenden Zukunftsintention gar nicht so falsch, an Plausibilität hapert es nichtsdestotrotz aber allemal. Eine Quintessenz, die nicht wirklich eine ist.

Allein dieses reichhaltige Angebot an Reminiszenzen, diese mal subtilen, mal mit dem Holzhammer eingeschobenen, aber witzigen und verqueeren Statements, beispielsweise mit einem "Lethal Weapon 3"-Poster, das für Produzent Joel Silver gedacht ist, einem Rattenburger oder einer üppig ausgestatteten Wohnung als Resultat einer in der Vergangenheit steckengebliebenen 90er-Nostalgie, laden zum mehrmaligen Erforschen der pointierten Actionkomödie ein. Das Geheimnis um die drei Muscheln jedenfalls wird aber wahrscheinlich ein Geheimnis für die Ewigkeit bleiben. 

6 | 10