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Mittwoch, 6. Juni 2012

"Mord im Weißen Haus" / "Murder at 1600" [USA 1997]


Filmisch verdichtetes Komplott höchster Regierungskreise, hölzern, unkonkret, gleichbleibend anachronistisch. Ein Mord im Weißen Haus, und der zuständige Ermittler landet in einem Minenfeld von Barrikaden, die ihm in den Weg gestellt werden. Er braucht hierbei gar nicht besonders darauf achten, eine Mine zu umgehen, denn das Reintreten ist etwas, was nach Prinzip funktioniert. Von der oft befremdlichen amerikanischen Wahrheitsdefinition, über die unschuldigen Verdächtigen bis zur kräfteraubenden Suche nach dem wahren Täter inmitten eines brisanten Verschwörungssyndikats, schickt Dwight H. Little den Hobbymodellbauer und Geschichtsinteressierten Wesley Snipes (ein selbstironischer Rowdy im geschniegelten Washington) entgegen aller Widerstände auf eine Konfrontation gegen ein Gewerbe, dessen Ideale sich eklatant von denen unterscheiden, die der Mordkommission in aller Regel vorbehalten sein sollten. Der Bedienung offensichtlicher Paranoia-Klischees huldigt der Film ebenso sehr, wie er sich nicht entscheiden kann, ob er subtiler Spannung oder schlagfertiger Action den Vorzug geben sollte, was er also überhaupt erreichen will. Der Actionanteil ist es, der allerdings merklich zunimmt: Im Showdown bahnen sich die Figuren einen Weg durch einen tief unter der Erde liegenden, geheimen Zugang zum Weißen Haus, während sie von abkommandierten Killern verfolgt werden.

Später tarnt sich Detective Harlan Regis (Snipes) als Putzhilfe. Als er aufzufliegen droht, liefert er sich eine mittelschwere Prügelei mit mehreren Secret-Service-Agenten im Fahrstuhl. Davor entkamen die Protagonisten bereits knapp einer weiteren Festnahme, ein Auto explodierte und die Scheinwerfer des Hubschraubers wurden zerschossen. Dadurch, dass Little diese Szenen mit grobschlächtigen, von sich überzeugten Begleittönen dirigiert, erklärt er "Mord zum Weißen Haus" – das könnte dann eindeutig beantwortet werden – zum biederen Actionfilm, der seine zuweilen ideenreichen erzählerischen Verdrehungen immer wieder auf den Kopf stellt. Je weiter der Film voranschreitet, desto schlampiger behandelt er seine Nebenthemen. Weder die gemeinsamen Affären  in Bezug zur gleichen Frau zwischen Präsident (Ronny Cox) und Sohn (Tate Donavan) noch die im Hintergrund schwellenden internationalen Krisenherde verhindern, dass die Heuchelei der behaupteten Vielschichtigkeit aufgebrochen wird. Und die in ihrer Einfallslosigkeit so irgendwie doch lebendigen, so sympathischen Figuren gleich mit. Eine Perspektive ist trotzdem schön. Nämlich wenn die Kamera einen riesigen zu bewachenden Raum von geheimdienstlichen Aktenbergen unter Verschluss überfliegt, dann wird klar, was Amerika weiß und was es nicht weiß. 

4.5 | 10

Dienstag, 13. Juli 2010

"Zum Töten freigegeben" / "Marked for Death" [USA 1990]



Knochen werden gebrochen, Augen ausgestochen, Köpfe abgeschlagen, Gangster mit Rasta-Locken aus mehreren Stockwerken auf die unsanfte Methode hinausbefördert, während im Hintergrund mit zynischen Sprüchen kommentiert wird. In "Zum Töten freigegeben" kann sich der unbesiegbare Pferdeschwanz wieder einmal austoben, wenn es darum geht, den Abschaum der Gesellschaft im Dreivierteltakt dingfest zu machen, auf eigene Faust, stets im Namen der Gerechtigkeit, ohne dabei ein Feuerwerk komplexer Mimiken und Gestiken zu bedienen. Seagal als desillusionierter, aber später umso kompromissloserer Drogenfahnder kämpft sich für seine Familie, wenn er nicht gerade im Beichtstuhl sitzt, in diesem knüppelharten Actionkind der 90er erstmals durch eine Horde jamaikanischer Drogendealer und macht dabei Bekanntschaft mit übernatürlichem Voodoo-Zauber, schwarzer Magie und damit verbundener Opferrituale, deren charismatischer Anführer (dämonisch: Basil Wallace) es aufgrund eines netten Twists gleich zweimal gibt.

Die Action ist anständig choreographiert, kulminiert im zerstörerischen Showdown, wo ein ganzes Kartell zerschossen wird, besteht zumeist aus furiosen Nahkamptechniken Seagels und ausladenden Schießereien, die mit besonders realistischen Einschusslöchern besonders blutig daherkommen. Dagegen mangelt es dem Drehbuch an jeglicher Dramaturgie, auch an plastischen Figuren, die nicht zu Rohrkrepierern verkommen und permanent im Auto sitzen. Wenngleich die okkulten Untertöne der Handlung Abwechslung evozieren, gelingt es Dwight H. Little nicht, die eklatanten Längen zwischen dem Gekloppe auszumerzen. Hier wird alles aufs Wesentliche reduziert und unbeantwortete Fragen erst gar nicht versucht zufriedenstellend zu beantworten. So bleibt das Schicksal der angeschossenen Nichte genauso offen wie die Identität des ominösen Waffenhändlers. Als eine von Logik gänzlich befreite, handwerklich solide Actionorgie samt interessanter Nebenrollen (Kevin Dunn, Danny Trejo, Earl Boen) funktioniert der reißerische "Zum Töten freigegeben" trotzdem einigermaßen, wobei man sich irgendwann sicherlich fragt, wer denn genau zum Töten freigegeben sein soll. Oder wer nicht.

5.5 | 10