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Mittwoch, 19. November 2014

"Barton Fink" [USA, GB 1991]


[...] In welche Schublade [...] gehört dieser mysteriöse, irrsinnig selbstreflektorische Film weggeschlossen? Er verrät uns scharenweise cleveres Bekennerzeug über die zu schreibende Geschichte und deren abhängige Erzählhaltungen, die Glaubwürdiges, Sozialinteressiertes und Wahrhaftiges fabulieren, simplifizieren, weiterdenken; über den Schmerz, der ihr und dem Schöpfer innewohnt, ein ermattender Schmerz, den jeder kennt, der schreibt und flüchtet. Auch die Coens, gerade die. Ein autobiografisches Offenbarungsmanifest? Auch, aber für jeden. Mehr als eine schnittige, karikatureske Hollywood-Persiflage vertraut sich "Barton Fink" den Niederungen des gutherzigen, allgemeingültigen Menschendramas in einer künstlerischen und persönlichen Selbstdarstellung an, die an der Rezeption des Dagegenhaltens und des Festkrallens an Verpflichtungen den Teufel (John Goodman?) hereinbittet, während Barton Fink einsieht, dass er nicht der einzig Dumme ist – mit dem Barton-Fink-Gefühl, dem Feuerstrahl gestalterischer Energie, die Massen auf Kommando ins Kino zu geleiten. Joel und Ethan Coen hingegen haben dieses Gefühl auf Leinwand verewigt, obwohl sie dafür lediglich zu tippen brauchten, empfindlich, zaudernd. Dieses Gefühl, dass wir, wenn wir schreiben, fabulieren, simplifizieren, weiterdenken, uns erinnern müssen, an ein süßes Mädel mit Hut, an einen Sandstrand – und an die Wellen, die ihn schäumend umspülen.


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Mittwoch, 22. September 2010

In aller Kürze: "Flucht aus Absolom" / "No Escape" [USA 1994]



Martin Campbell-Potpourri aus postapokalyptischen Kulissen à la "Mad Max", archaischem Dschungelgemetzel à la "Predator" und unmenschlichen Gefängnissanktionen à la "Papillon" zum turbulenten, ungemein kurzweiligen Insel-Klopper, in dem sich Zivilisation und Barbarei den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse liefern. "Flucht aus Absolom" spult klassische Genremotive ab, verkauft Vorhersehbarkeiten, lässt Handlungsstränge fallen und präsentiert sich vor allem als echter Männerfilm ohne Frauen. Statt Kugeln wird mit Pfeil und Bogen getötet, geköpft, verbrannt, manchmal sogar aufgespießt. An einer tiefgreifenderen Reflexion wie dem Outlander-Clan, dem Leben in der Dorfgemeinschaft sowie dem Kriegstrauma des desillusionierten Helden mit Blut an den Händen interessiert sich "Flucht aus Absolom" wenig, um im Gegenzug diversen Scharmützeln mit schwerem Kriegsgerät nebst aufgesetzt pathetischen Aufopferungsreden den Vorzug zu lassen, während der große Fluchtplan selbstverständlich konstruiert wird. Kaum zu leugnen, dass diese catch and run-Dramaturgie allerdings handwerklich angesichts imposanter Weitwinkeleinstellungen, punktgenauem Schnitt und übersichtlich choreografierter Kampfsequenzen durchaus ansehnlich aufbereitet wird. Mit Lance Henriksen, Michael Lerner und dem für den pointierten Humor zuständigen Stuart Wilson (toll!) in undifferenzierten, wenn auch gnadenlos spaßigen Figuren adäquat besetzt, fehlt es Hauptdarsteller Ray Liotta nichtsdestotrotz an Leben im Gesicht. Oder hat er tatsächlich nur seine Lethargie-Tabletten vergessen?

6/10