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Freitag, 29. Mai 2015

"Unstoppable - Außer Kontrolle" [USA 2010]


Wehmut überall, denn "Unstoppable" war Tony Scotts letzter Film. Aber selbst in dieser abschließenden Arbeit versteckt sich eine formalästhetische Liebeserklärung an die Energie, an ein pulsierendes Schnittgewitter, das den Fluss der Bewegung zerteilt. Elektrisierend ist es ist, fiebrig, stilsicher und voller Informationen. Mit dem führerlosen Güterzeug, der per grölender, brüllender Tonspur zusätzlich als nahezu selbstständig destruktiv denkender, organischer Antagonist zum Ungeheuer stilisiert wird, den es unter Kräften aufzuhalten gilt, die weit über menschliche Vorstellungen hinausreichen (vgl. Spielbergs "Duell"), erzählt Scott eine in ihrer Prämisse jederzeit ersichtliche Geschichte eines durchgehend linearen B-Movies gegen die Zeit. Denzel Washington (Glatze) und Chris Pine (zuweilen farblos) spielen, stellvertretend für die in schlechten Zeiten aufgewachsene Arbeiterklasse, diejenigen, bei denen das Gewissen über monetären Industrie- und Prestigeverlust steht. Spannung kann man "Unstoppable" wahrlich nicht absprechen; so wie Scott die pure, entfesselte Geschwindigkeit beschleunigt, so ist die Physis eines Films mehr und mehr offensichtlich, der mit dem Raum und dessen Montage experimentiert. Seine zwischenmenschliche Bedeutung erlangt der Film indes in der Interaktion zwischen altem Berufshasen und jungem Ausbildungsfrischling. Gerade dort, wo Scott innehält, wo die Bilder sich ausschweigen, ist "Unstoppable" am faszinierendsten, weil die Raserei auch inhaltlich grundiert wird. Selten geschieht das. Der Rest ist durchdeklinierte Hollywood-Abgeklärtheit.

5 | 10

Dienstag, 13. Juli 2010

"Zum Töten freigegeben" / "Marked for Death" [USA 1990]



Knochen werden gebrochen, Augen ausgestochen, Köpfe abgeschlagen, Gangster mit Rasta-Locken aus mehreren Stockwerken auf die unsanfte Methode hinausbefördert, während im Hintergrund mit zynischen Sprüchen kommentiert wird. In "Zum Töten freigegeben" kann sich der unbesiegbare Pferdeschwanz wieder einmal austoben, wenn es darum geht, den Abschaum der Gesellschaft im Dreivierteltakt dingfest zu machen, auf eigene Faust, stets im Namen der Gerechtigkeit, ohne dabei ein Feuerwerk komplexer Mimiken und Gestiken zu bedienen. Seagal als desillusionierter, aber später umso kompromissloserer Drogenfahnder kämpft sich für seine Familie, wenn er nicht gerade im Beichtstuhl sitzt, in diesem knüppelharten Actionkind der 90er erstmals durch eine Horde jamaikanischer Drogendealer und macht dabei Bekanntschaft mit übernatürlichem Voodoo-Zauber, schwarzer Magie und damit verbundener Opferrituale, deren charismatischer Anführer (dämonisch: Basil Wallace) es aufgrund eines netten Twists gleich zweimal gibt.

Die Action ist anständig choreographiert, kulminiert im zerstörerischen Showdown, wo ein ganzes Kartell zerschossen wird, besteht zumeist aus furiosen Nahkamptechniken Seagels und ausladenden Schießereien, die mit besonders realistischen Einschusslöchern besonders blutig daherkommen. Dagegen mangelt es dem Drehbuch an jeglicher Dramaturgie, auch an plastischen Figuren, die nicht zu Rohrkrepierern verkommen und permanent im Auto sitzen. Wenngleich die okkulten Untertöne der Handlung Abwechslung evozieren, gelingt es Dwight H. Little nicht, die eklatanten Längen zwischen dem Gekloppe auszumerzen. Hier wird alles aufs Wesentliche reduziert und unbeantwortete Fragen erst gar nicht versucht zufriedenstellend zu beantworten. So bleibt das Schicksal der angeschossenen Nichte genauso offen wie die Identität des ominösen Waffenhändlers. Als eine von Logik gänzlich befreite, handwerklich solide Actionorgie samt interessanter Nebenrollen (Kevin Dunn, Danny Trejo, Earl Boen) funktioniert der reißerische "Zum Töten freigegeben" trotzdem einigermaßen, wobei man sich irgendwann sicherlich fragt, wer denn genau zum Töten freigegeben sein soll. Oder wer nicht.

5.5 | 10