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Freitag, 5. Februar 2016

"Pollock" [USA 2000]


Ed Harris war von Jackson Pollock, diesem so unnahbaren wie unerhörten Action-Painting-Maler des Abstrakten Expressionismus, aufs Tiefste fasziniert. Diese Faszination verarbeitete er in einem dem Künstler gerecht werdenden, warmherzig entspannten Film: in einem impulshaft strukturierten Biopic, dessen (Lebens-)Linien Pollock-Linien ähneln. Ausgerichtet auf den Zufall, ihn aber gleichzeitig leugnend. Pollock als exaltierte Persönlichkeit – ein neurotischer, verletzlicher und immerzu rebellierender Geist – abstrahierte aus dem Nichts, aus seinem Inneren. Und erschuf Farb- und Formreisen zum Leben aus der Quelle des Selbst. Harris trifft ihn meisterlich, verleiht ihm eine undefinierbare Körperlichkeit beinah: die asketische Rast, gepaart mit hyperventilierender Hast. Der gemächliche Inszenierungsduktus, ausgiebig in das Pollock-Bild zu zoomen (in doppelter Hinsicht), lässt leise erahnen, wie Pollock arbeitete, indem er sich treiben ließ, matschte, panschte, spritzte, reich an assoziativen Empfindungen und miteinander verketteten Eingebungen. Seine Arbeits-, aber auch Liebesbeziehung mit Lee Krasner (nicht minder komplex gespielt: Marcia Gay Harden) bildet den zwischenmenschlichen Siedepunkt, an dem sich "Pollock" in die eine oder andere Richtung bewegt, in eine Parabel über gescheiterten Stolz, in die Biografie eines kindlichen Genies, in die Konsequenzen der Selbstzerstörung. So intensiv, wie Pollock gelebt hat, durchdringt ihn Harris, ohne je ein moralisches Urteil zu erwägen, als ihn vielmehr beim "Machen" ehrfurchtsvoll zu bewundern.    

6 | 10

Montag, 7. April 2014

"Noah" [USA 2014]


Kleine Entwarnung: Darren Aronofsky nervt nicht uneingeschränkt. "Noah" ist kein großartiger Film, und von der schablonenhaft ausbuchstabierten Liebesschnulzenbotschaft bis zum künstlich gestellten Ausstattungsgemenge suhlt sich "Noah" zwar auch darin, wichtigtuerische (Hollywood-)Phrasen auf existenzielle Lebensprobleme zu geben (hier in zwei finsteren Arschloch-Anführerpersönlichkeiten versteckt). Allerdings ist man zeitweise gepackt von dieser praktisch komplett am Rechner entstandenen Fantasy-Interpretation und Terrence-Malick-Gedächtnisstütze religiösen Budenzaubers. "Noah" drängt sich nicht auf wie "Requiem for a Dream", sehnt sich nach keiner prätentiös-peinlichen Sinnlichkeit wie "The Fountain" und plündert auch nicht derart stümperhaft im Filmgeschichtewissen wie "Black Swan". Als universeller Film, der Werte verkauft, die sowohl Ungläubige wie Gläubige bequem über Popcorn und Stieleis mit dem Cola-Strohhalm in sich aufsaugen können, geht Aronofsky den denkbar konsenstauglichsten Weg, ohne in einer wirbelnden Montage kunstversessen zu polarisieren. Denn "Noah" ist eine Aronofsky-Arbeit, die zwischen grobschlächtigem Studioentertainment und kunstgewerblich aufgetragener Arthouse-Rustikalität taumelt. Folglich sind einige Stilmittel, die der Amerikaner bemüht, formal bemerkenswert (die Entwicklungszeitraffer und alptraumhaften Visionen), andere hingegen entweder auf Anfang gestellt oder ausgeleiert: Russel Crowe gibt den archaischen Wunderknaben gewohntermaßen aus dem Effeff, während sein Familienzwist alle Retortenwendungen abklappert, aber vergnüglicherweise einen Anthony Hopkins auf Fremdscham-Trashmodus (Lieblingsessen: Beeren) bereithält. Aronofsky ärgert nicht, er langweilt diesmal nur gigantisch. Esoterik-Ernsthaftigkeit mit Zero-Zucker.

4 | 10