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Montag, 7. April 2014

"Noah" [USA 2014]


Kleine Entwarnung: Darren Aronofsky nervt nicht uneingeschränkt. "Noah" ist kein großartiger Film, und von der schablonenhaft ausbuchstabierten Liebesschnulzenbotschaft bis zum künstlich gestellten Ausstattungsgemenge suhlt sich "Noah" zwar auch darin, wichtigtuerische (Hollywood-)Phrasen auf existenzielle Lebensprobleme zu geben (hier in zwei finsteren Arschloch-Anführerpersönlichkeiten versteckt). Allerdings ist man zeitweise gepackt von dieser praktisch komplett am Rechner entstandenen Fantasy-Interpretation und Terrence-Malick-Gedächtnisstütze religiösen Budenzaubers. "Noah" drängt sich nicht auf wie "Requiem for a Dream", sehnt sich nach keiner prätentiös-peinlichen Sinnlichkeit wie "The Fountain" und plündert auch nicht derart stümperhaft im Filmgeschichtewissen wie "Black Swan". Als universeller Film, der Werte verkauft, die sowohl Ungläubige wie Gläubige bequem über Popcorn und Stieleis mit dem Cola-Strohhalm in sich aufsaugen können, geht Aronofsky den denkbar konsenstauglichsten Weg, ohne in einer wirbelnden Montage kunstversessen zu polarisieren. Denn "Noah" ist eine Aronofsky-Arbeit, die zwischen grobschlächtigem Studioentertainment und kunstgewerblich aufgetragener Arthouse-Rustikalität taumelt. Folglich sind einige Stilmittel, die der Amerikaner bemüht, formal bemerkenswert (die Entwicklungszeitraffer und alptraumhaften Visionen), andere hingegen entweder auf Anfang gestellt oder ausgeleiert: Russel Crowe gibt den archaischen Wunderknaben gewohntermaßen aus dem Effeff, während sein Familienzwist alle Retortenwendungen abklappert, aber vergnüglicherweise einen Anthony Hopkins auf Fremdscham-Trashmodus (Lieblingsessen: Beeren) bereithält. Aronofsky ärgert nicht, er langweilt diesmal nur gigantisch. Esoterik-Ernsthaftigkeit mit Zero-Zucker.

4 | 10

Montag, 24. Januar 2011

"Black Swan" [USA 2010]



Nach mathematischen Panikattacken, LSD-Exzessen, Eso-Beerdigungen und dampfenden Wrestling-Shows der nun schon fünfte bemühte Aronofsky-Seelenstrip von der Mär sportlicher Selbstüberschätzung zwischen den Extremen der Kunst, die zwangsläufig zu Wahnvorstellungen führt, bis Realität und Fiktion auseinandergleiten. Nah an Cronenberg, nah an Polanski, und doch so fern von Cronenberg und Polanski. Eher eine laute Schmalspurversion angesichts dessen, was der "extravagante" Regisseur aus dem "extravaganten" Schwanensee-Pirouetten-Stoff destilliert. Er lässt die Portman theatralisch heulen und magern und wimmern und verzweifeln und kotzen, während die Kamera stur und hypnotisch auf ihr kleben bleibt. Portman spielt und tanzt um ihr Leben; das interpretiert sie trotz einiger Over-the-Top-Entgleisungen glaubhaft, zweifellos. Auch Cassel brilliert, die Choreographie der Balletteinlagen sowieso. Allerdings wütet im Hintergrund der ewige Handwerker mit dem ewigen Holzhammer, der seine von eindimensionalen Blindgängern überbevölkerten Handlung ebenso stereotyp wie geleckt über lauwarme Schocks physischen Körperkinos rumpeln lässt, die mit Hilfe von Spiegeln, feuchten Träumen und donnerndem Soundgetöse lange genug vorher angekündigt werden. Ein unsinnlicher denn leidenschaftlicher Film, der überhaupt nicht originell oder komplex oder etwa spannend ist, kein Film, der etwas für eine nuancierte Reflektion seines Sujets übrig hat, keine stimmigen Milieu-Einblicke gewährt und kein ähnliches Streben nach formaler Perfektion seines Machers erkennen lässt wie Nina Sayers. Passend hierzu Darren Aronofskys Intention grob zusammengefasst: Wer gut sein will, muss erst ordentlich masturbieren.

4 | 10