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Freitag, 5. Februar 2016

"Pollock" [USA 2000]


Ed Harris war von Jackson Pollock, diesem so unnahbaren wie unerhörten Action-Painting-Maler des Abstrakten Expressionismus, aufs Tiefste fasziniert. Diese Faszination verarbeitete er in einem dem Künstler gerecht werdenden, warmherzig entspannten Film: in einem impulshaft strukturierten Biopic, dessen (Lebens-)Linien Pollock-Linien ähneln. Ausgerichtet auf den Zufall, ihn aber gleichzeitig leugnend. Pollock als exaltierte Persönlichkeit – ein neurotischer, verletzlicher und immerzu rebellierender Geist – abstrahierte aus dem Nichts, aus seinem Inneren. Und erschuf Farb- und Formreisen zum Leben aus der Quelle des Selbst. Harris trifft ihn meisterlich, verleiht ihm eine undefinierbare Körperlichkeit beinah: die asketische Rast, gepaart mit hyperventilierender Hast. Der gemächliche Inszenierungsduktus, ausgiebig in das Pollock-Bild zu zoomen (in doppelter Hinsicht), lässt leise erahnen, wie Pollock arbeitete, indem er sich treiben ließ, matschte, panschte, spritzte, reich an assoziativen Empfindungen und miteinander verketteten Eingebungen. Seine Arbeits-, aber auch Liebesbeziehung mit Lee Krasner (nicht minder komplex gespielt: Marcia Gay Harden) bildet den zwischenmenschlichen Siedepunkt, an dem sich "Pollock" in die eine oder andere Richtung bewegt, in eine Parabel über gescheiterten Stolz, in die Biografie eines kindlichen Genies, in die Konsequenzen der Selbstzerstörung. So intensiv, wie Pollock gelebt hat, durchdringt ihn Harris, ohne je ein moralisches Urteil zu erwägen, als ihn vielmehr beim "Machen" ehrfurchtsvoll zu bewundern.    

6 | 10

Freitag, 27. Februar 2015

"Magic in the Moonlight" [USA, GB 2014]


[...] In "Magic in the Moonlight" tadeln sich [...] Colin Firth, der sophistische Materialist, und Emma Stone, das verpeilte Wunder, nach einer Autopanne. Um sie herum wehklagen Blitzgewitter und Donner, eine Szene von unschätzbarem Symbolgehalt. Wütend, aber doch lieb! Die paradiesische, abschätzige Gemütlichkeit, die "Magic in the Moonlight" ausstrahlt, hadert aufgrund des Laberns, Nuschelns und Quatschens. Schlicht ein verkrampf verschlossener Film. Für "Hörbuchkino" war Allen zwar dauernd zu haben, aber die explodierenden Wörterfluten bargen komplexe Komplexe. Jetzt collagiert er die Sprache unermüdlich, sogar aus dem Off, wenn die Kamera während einer reizenden Autofahrt in die Totale überwechselt. An dem Grundstein der Geschichte, Rationalität gegen Metaphysik, Skepsis gegen Glauben – denn er (Firth) muss sie (Stone) auf Nichtschwindel überprüfen –, arbeitet Allen resolut vorbei, weil er zu viel redet, als dass er hinhorcht. Halt' doch einfach mal den Mund, Woody! So verkommt wohlgelauntes Seemannsgarn zum geschraubten Frontalabspulen vertrauter Woody-Allen-Manie, die sein Spätwerk typisiert. "Magic in the Moonlight" mutet wie ein Film an, der rüstige Rentner begeistert, aber, ungeachtet von Côte d’Azur und Entspannungsflimmern, sinnliche Genussmenschen vertreibt. [...]


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