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Mittwoch, 11. März 2015

Serien: "Entourage" - Staffel 1 [USA 2004]


Einen Spaltbreit offen. Mehr nicht. Dahinter schrille Begeisterung, Moneten, Mösen. Reißende Beglückwünschung in einem Geschäft, dem sich "Entourage" widmet. Schlüssellochartig. Pragmatisch-ungehorsam. Im Showbusiness und in einer Stadt, deren Verfehlungen das Entertainment manövriert, stoßen, schwatzen und kalauern sich vier aufreizend-aufstrebende Jungstars um den Aufstieg des Fotos auf der Titelseite einer neuen, goldschillernden Filmvorstellung: "Vince" (jeden Tag ein Stich), "E" (überlegt sich jeden Stich), "Turtle" (nie ein Stich) und "Drama" (eine entbehrliche Fernsehmumie). Kunsttheoretischer Philosophieunterricht mit Gary Busey (1×06: "Der alte Mann und der Strand"), Szenenberatschlagung über einen Blowjob mit einem psychotischen Scorsese-Kurosawa-Plagiator (1×07: "Die Szene"), schmachtende Telefonanrufe mit Scarlett Johansson (1×08: "New York") – wie "Entourage" einen metaironischen Kosmos an fiktivem Nonsens, überzeichneten Mutmaßungen und biografischem Firlefanz einbindet, um ein repetitives Alltagsgeschäft auszuloten, ist mit der nötigen Kleinigkeit Biss porträtiert. Obschon Staffel eins nicht loslegt, sondern Chancen und Hintertürchen testet. Aufgepäppelt in acht Episodenstreiche (aber offenkundig mehr Stichen), baut der Beginn einer ebenso voyeuristischen wie glühenden Milieu-Sitcom einen Handlungsausschnitt auf den nächsten. Im Hollywood der Schleifen, Kreise und Wiederholungen wartet "Entourage" mitsamt seiner hedonistischen Protagonisten auf den Anruf des Agenten (unvergleichlich keck: Jeremy Piven), der den Fortgang der Zukunft entscheidet. Zitternd, lüstern. "Entourage" ist vorerst verspielte Unmenschlichkeit auf der Jagd nach Eingespieltem.

7 | 10

Freitag, 27. Januar 2012

"Die Firma" / "The Firm" [USA 1993]


Herr Anwalt im halbseidenen Gewerbe, das sich außen seriös, innen nebulös gibt, und alsbald Opfer des Verfalls moralischer Sitten – und im widersprüchlichen Kreuzfeuer von Ideal, kriminelle Machenschaften trotz Eid aufzudecken, und Ethos, das Gesetz für die zwielichtige "Firma" so zu biegen, dass es nicht bricht. Was tun, was nicht? Anwälte gegen ihren Arbeitgeber. Gutgläubigkeit gegen Abgeklärtheit. David gegen Goliath. Es ist das Grisham-Sujet. Literarisch bekannt, mehrfach filmisch verarbeitet. Und zu oft zu trocken gebraten, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, Sauce darüber zu gießen. "Die Firma" zählt allerdings insofern zu den besseren Grisham-Empfehlungen, als dass sie in ihrer präzis-unaufgeregten (obwohl kein Grisham-Plädoyer oder eine einzige Szene im Gerichtssaal stattfindet), hauptsächlich aber auch windungsreich-dichten Konstruktion beileibe nicht durchgängig fesselt, jedoch – am wichtigsten – zunächst fesselt, was den staubigen Tenor besagter Trockenerzeugnisse widerlegt, der bisweilen zu ersticken droht. Sidney Pollack adaptiert den verschachtelten Verschwörungsstoff vor gemütlich-heimeligen Innenaufnahmen rundheraus ebenso souverän wie besonnen im Dienste des Machbaren des Drehbuchs und Umänderns der Vorlage, Subtilität heißt das dann wohl, kein überflüssiger Haken, der da hineingehört. Mitunter in Überlänge (Cayman Island), Konvention (die Fußverfolgungen, das Ende gerät im Vergleich zum politisch unkorrekten Romanhöhepunkt außerdem 'ne Prise zu konstruiertem wohlfühl-Eierkuchen) und zähen Liebesquatsch verklausuliert, statt der Hierarchie des Anrüchigen Tribut zu zollen (die als Handlungsmotor dienenden Todesfälle werden zügig eingetauscht), ist "Die Firma" ein Stück unterhaltsame Spannungsdramaturgie mit prachtvollem Liebesklavierthema (Dave Grusin, Lyle Lovett). Wenn Pollock nicht gerade parallel schneidet, klebt er – und das ist völlig verständlich – an seinen Schauspielern, die zwei Händevoll flapsigen Sarkasmus schenken: Mitchs (Tom Cruise) geflüstertes, für den Zuschauer ungehörtes, Geständnis ins Ohr Abbys (knuddelig: Jeanne Tripplehorn), wenn diese im Anschluss daran ins Gebüsch davonrennt, um den unwissentlich installierten Abhörmechanismen zu entkommen und sich in vertrauter Atmosphäre endlich ungestört auszusprechen. Cruise (<3), Hackman (latent melancholisch und doch Idealist!), Harris ("Kacke!"), Busey (unorthodox), Hunter (noch unorthodoxer), Bell (Jigsaw), Sorvino und Viterelli (das Klischee-Mafiapaar) sind die Stars, denen man dabei zuschaut, wie sie sich gegenseitig belauern und herauszureden versuchen. Bloß keine Kopie vergessen!

6/10

Montag, 22. November 2010

"Predator 2" [USA 1990]



Alles beim Alten: Ortsverlagerung vom glühend heißen Dschungel in den glühend schwülen Großstadtdschungel. Danach die furiose Etablierung des Monsters in einer knackig-explosiven Straßenschlacht. So weit, so gut. Gleichwohl verdichtet sich der Verdacht bei anschließender Ermittlungsarbeit, dass Stephen Hopkins das allgemeine John-McTiernan-Konzept doch nicht wirklich verstanden hat. Wo McTiernan seinen Predator unkontrolliert zuschlagen ließ, handelt es sich bei Hopkins aufwendigerem Sequel um leicht durchschaubares, leidlich faszinierendes und überaus uninspiriertes Massensterben, bei dem sich der Außerirdische mal um den Abschaum und mal um jenen Dreck auf den Straßen kümmert. Den Ansatz, dass in diesem versifften Los Angeles ein Funke bis zur Explosion bis zum Krieg genügt und da draußen wesentlich mehr feindselige Bestien zwischen den Blocks lauern, lässt der Film aufgrund seines angepeilten Dauerfeuers schnell zu Boden fliegen.

Suboptimal wirken darüber hinaus die Implementierung eines trashig überzeichneten Voodoo-Einschlags unter dem Fundament eines gewöhnlichen Cop-Thrillers sowie die stereotype Skizzierung von ungezügelt rauchenden Jamaikanern wie gemeingefährlich bewaffneten Kolumbianern. Außer formal zwischen kreativ und unkreativ balancierenden Metzeleien (kreatives Beispiel: U-Bahn; unkreatives Beispiel: das fußlahme Finale), farbenfrohem 80er-Action-Cast (Gary Busey, Bill Paxton, Adam Baldwin) und einem veritablem Danny Glover, der wohl auch hier zu alt für Scheißjobs zu sein scheint, rettet sich das Werk vor dem totalen Untergang insbesondere mit jenem Gag, der ein paar Jahre später cineastische Abgründe heraufbeschwören sollte. Hopkins neue Wege einschlagendes Konzept ist also aller Ehren wert, verliert jedoch ob seiner Plumpheit, aufgesetzten Comedy-Einlagen (speziell dann, wenn Mr. Predator coole, von Glover geklaute Einzeiler heraushaut und den Wolkenkratzer als Laufsteg benutzt) und der ungelenken Kreaturen-"Weiterentwicklung" ein ganzes Stück Souveränität. Man fragt sich, ob der Kehrbesen dem alten Mütterchen gegen extraterrestrische Mächte geholfen hätte.

3.5 | 10