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Samstag, 13. August 2016

"Jason Bourne" [USA 2016]


Überall fleischliche Fäden und digitale Trümmer. "Jason Bourne", Paul Greengrass' vierter inszenierter Teil der Reihe um den an den Folgen eines Geheimprojekts leidenden Jason Bourne (ebenfalls kantiges Felsmassiv: ein stoischer Matt Damon), türmt tonnenweise verbildlichte Daten auf. Nicht die Regie bestimmt über die Wegstrecke – die Montage, der Tornadoschnitt, bestimmt über den Rhythmus. Irgendwo steckt traditionsgemäß auch in "Jason Bourne" ein packender, infernalischer Ritt, obgleich das neue Höhen erreichende Verflüssigen der Bewegung aus "Das Bourne Ultimatum" sturzbachstromartigen (Athen), vereinzelt zu gesättigten Action-Fragmenten weicht (Las Vegas), die die Struktur ausdrücklich vergröbern. Bourne kämpft mit allen verfügbaren Mitteln, will heißen: mit seinem Körper, gegen die Körperlosigkeit der Ladebalken auf aberdutzenden Computerdisplays. Daneben, eine in sich stimmige Trilogie aufbrechend, erfährt er, der vorher elternlose Unbeugsame, den womöglich letzten semipsychologischen Versuch, von einer Figur zu einem Charakter zu werden. Greengrass allerdings ist zu sehr Handwerker, die Untertöne verpuffen oder knicken an der Schnittkante weg. Das verschafft der Montage den Paul-Greengrass-Flow: ein Ansteigen der Zuckungen, leises, lautes Geraschel. Mit Alicia Vikander (vertieft), Tommy Lee Jones (umkämpft) und Vincent Cassel (nachdrücklich) derweil wirkt "Jason Bourne" hochgradig auf den Punkt besetzt, schickt drei umfassend wühlende Saboteure ins Feld, die zunächst Informationen jagen müssen, ehe sie das Ziel dechiffrieren.

6 | 10

Montag, 24. Januar 2011

"Black Swan" [USA 2010]



Nach mathematischen Panikattacken, LSD-Exzessen, Eso-Beerdigungen und dampfenden Wrestling-Shows der nun schon fünfte bemühte Aronofsky-Seelenstrip von der Mär sportlicher Selbstüberschätzung zwischen den Extremen der Kunst, die zwangsläufig zu Wahnvorstellungen führt, bis Realität und Fiktion auseinandergleiten. Nah an Cronenberg, nah an Polanski, und doch so fern von Cronenberg und Polanski. Eher eine laute Schmalspurversion angesichts dessen, was der "extravagante" Regisseur aus dem "extravaganten" Schwanensee-Pirouetten-Stoff destilliert. Er lässt die Portman theatralisch heulen und magern und wimmern und verzweifeln und kotzen, während die Kamera stur und hypnotisch auf ihr kleben bleibt. Portman spielt und tanzt um ihr Leben; das interpretiert sie trotz einiger Over-the-Top-Entgleisungen glaubhaft, zweifellos. Auch Cassel brilliert, die Choreographie der Balletteinlagen sowieso. Allerdings wütet im Hintergrund der ewige Handwerker mit dem ewigen Holzhammer, der seine von eindimensionalen Blindgängern überbevölkerten Handlung ebenso stereotyp wie geleckt über lauwarme Schocks physischen Körperkinos rumpeln lässt, die mit Hilfe von Spiegeln, feuchten Träumen und donnerndem Soundgetöse lange genug vorher angekündigt werden. Ein unsinnlicher denn leidenschaftlicher Film, der überhaupt nicht originell oder komplex oder etwa spannend ist, kein Film, der etwas für eine nuancierte Reflektion seines Sujets übrig hat, keine stimmigen Milieu-Einblicke gewährt und kein ähnliches Streben nach formaler Perfektion seines Machers erkennen lässt wie Nina Sayers. Passend hierzu Darren Aronofskys Intention grob zusammengefasst: Wer gut sein will, muss erst ordentlich masturbieren.

4 | 10