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Dienstag, 9. August 2016

"Fight Club" [USA 1999]


[...] Interessanter erscheint es, wenn das Entstehungsjahr eine Zeitgeistmotivik herleitet: 1999. Die objektive Erzählung hat ausgedient, das Leben eine "Karte" (splitternder Bezugspunkte). Jean Baudrillard schrieb gar vom Verschwinden der Wirklichkeit, gekoppelt ist der daher entkörperlichte Mensch an digitale Entwicklungsstufen. "The Big Lebowski" erschien ein Jahr früher. Beide verhandeln ironischerweise ähnliche Seinsfragen angesichts einer latent zivilisatorischen Unordnung, der eine auf eine lockere, der andere auf eine zynische Weise: Es geht um den postmodernen Menschen kurz vor der Jahrtausendwende. Fincher abstrahiert dies zum Extrem, wenn er den Erzähler, gefangen in einer für Fincher klassisch patriarchalischen Ordnung, in die Zeichenhaftigkeit zwingt. Anonym, willig, funktionierend. Leben als Werbefläche und -bande. Dass dabei zwangsläufig eine Entfremdung des Selbst und die Sehnsucht nach Aufgaben entsteht, die den Erzähler vom Zeichen zurückverwandeln in ein denkendes und erkennendes Subjekt, setzt den Schwerpunkt für Fincher, diesen Ausbruchsversuch (Tylers Ideologie) als Ideologie über die postmoderne Erzählung an sich zu tarnen. [...]


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Dienstag, 16. April 2013

"Choke - Der Simulant" / "Choke" [USA 2008]


Palahniuk zu verfilmen ist schwer, seine Offenheit, seinen Schmuddel, seine Verlässlichkeit, auf jeder Seite mindestens drei prophetische Zitate zu bringen, die man sich im Großformat problemlos an die Wand kleben könnte. Palahniuks maschinengewehrschnell beschriebene Welt, ihren teuflischen Witz und ihre Alltäglichkeit, ihre Perversität, Widerlichkeit und Morbidität erlauben einen Blick in ganz persönliche, innere Wahrheiten einer jeden Bürgerschicht, die vor der Außenwelt sorgfältig abgeschlossen ist. Der Leinwandadaption "Choke" des Palahniuk-Romans "Der Simulant" fehlt in diesem Sinne weitgehend das, was "Fight Club" bewusstseinserweiternd machte, nämlich die Deutung eines Stoffes, das bildhafte Mehr, die Grenzüberschreitung. Eine arrangierte Vergewaltigung, ein mit pechschwarzem Pudding verschmierter Mund, Bier aus "Schneckenfallen", entblößte Brustfantasien und nicht zuletzt Palahniuk-übliche Albernheiten wie die "Heilige Vorhaut" haben es zwar in die verfilmte Geschichte eines zynischen Sexgierigen geschafft, der in Kneipen und Restaurants gern einen baldigen Erstickungstod vortäuscht. Aber solche Absurditäten sind die Ausnahme, und irgendwie wirkt "Choke" nie wahnsinnig genug, als dass er Palahniuk selbst das Wasser reichen könnte. Trotz eines spielfreudigen Sam Rockwell im Dauererregungszustand bettet der Film seine Psychosen in eine größtenteils kreuzbrave, glänzende Indie-Nerd-Dramödie ein, die gar kein unanständiges Paralleluniversum darzustellen bereit ist, sondern nur unsere Realität zerstreuter, ja langweiliger porträtiert. Es lebe der Orgasmus, wo auch immer. 

5 | 10