Mittwoch, 28. Januar 2015

Kurzfilme: "Gute Reise" / "Bon Voyage" || "Landung auf Madagaskar" / "Aventure Malgache" [GB 1944]


Erster von zwei propagandistischen Kurzfilmen, die Hitchcock im Auftrag des britischen Informationsministeriums drehte. Zweiter Weltkrieg. Résistance gegen Nazis. Gut gegen Böse. Eine formal verschachtelte Hausaufgabe vor historischem Zusammenhang. In über 20 Minuten erzählt Hitchcock schnörkellos von einer Flucht eines schottischen Piloten (John Blythe) aus unterschiedlichen Blickwinkeln, Interpretationen, Deutungen – die später entstandene "falsche Rückblende" aus "Die rote Lola" mündet hier zunächst in mehrere Versionen und mannigfaltige Bedeutungen, die sich selbst wegkürzen. Fragwürdige Zeitgenossen, "Spion oder kein Spion?" und das zu Erzählende einer mehrdeutigen Wahrheit offerieren ein erbauliches Abenteuer, das im lakonischen Schlussbild die überlieferten Methoden der Nazis (der Kleptomanen!) stilsicher persifliert.

5 | 10


Madagaskar heißt die unkonventionell-unverbrauchte Kulisse in Hitchcocks zweitem ambitioniertem Kriegsbeitrag, den Alliierten an der Front ein Gesicht, eine Identität zu geben. Zerstückelt sich die Geschichte abermals in Montagen der Gegenwart und Vergangenheit (allerdings weniger verzwickt als im Vortänzer "Gute Reise"), ist "Landung auf Madagaskar" deshalb ein interessantes zeitgeschichtliches Komplettierungswerk, weil die Disparität zwischen überladener Bühnenschauspielerei und den tatsächlichen subjektiven Geschehnissen (vgl. "Mord – Sir John greift ein") ein ums andere Mal zu amüsieren weiß. Wenngleich dieser Kurzfilm geerdeter und hausbackener erscheint – seine trockenen Humorspitzen und sein in einer Hauptrolle mürrisch lavierender, kulturell zweiseitiger Trottelgeneral (Paul Bonifas) erzeugen Lebendigkeit und kruden Scharfsinn.

5 | 10