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Mittwoch, 19. Oktober 2016

"Enemy Mine - Geliebter Feind" [USA, D 1985]


Ohne emotionale Defizite bestücktes, ausnehmend liebevolles Annäherungskino interkultureller Kompetenz: Ein abgestürzter Raumpilot (mit Zottelmähne und Holzfällerbart: Dennis Quaid) begegnet auf einem unwirklichen Planeten seinem (politischen) Feind, dem Drac Jerry (betulich: Louis Gossett Jr.), ein echsenartiges, geschlechtsloses Geschöpf höherer Intelligenz. Sprache verbindet, die Umstände ihrer Situation vereinen und schweißen sie zusammen. Auch wenn der (gehetzte) Verlauf altmodische, simplifizierende Haken intimen Näherkommens beider diametraler Rassen schlägt – Wolfgang Petersens magisch getrickstes US-Debüt fürchtet sich nicht vor süßem Kitsch, mystischem Beiwerk und liebem Charme, vor einer von der Digitalisierung hinreichend eingeholten, skulpturalen Ausschmückung organisch-fleischlicher Welten und sprießender Farbmischungen. In "Enemy Mine" entdecken Regisseur und Zuschauer gleichauf die wunderlichsten Wunder: widerspenstige Schildkrötenpanzer, im Sandgrubengeröll verbuddelte Monster, eisigen Schnee und expressive Landschaftslyrik. Das actionreiche, körperliche Finale spielt Petersen dagegen in einer abermals detailliert gestalteten Kulisse aus, in einer verrauchten, dampfenden Gesteinsstation, in der dunkle Sklavenhändler Dracs zum Arbeiten nötigen (wie der Film überhaupt immer wieder, eventuell unfreiwillig, Spielberg und Spielbergs "Indiana Jones und der Tempel des Todes" nachahmt). Stets bricht in diesem einfältig-ungezwungenen Fantasy-Quatsch unmittelbarste, rohe Brutalität durch – es ist die Untermauerung dessen, wie notwendig die Pflicht spontaner Menschlichkeit ist, die in allen Kulturen auf einem verwandten Nährboden gründet, ob auf einem großen oder kleinen Buch.    

6.5 | 10

Freitag, 22. August 2014

"Outbreak - Lautlose Killer" [USA 1995]


"Outbreak" recycelt alle Insignien, um als actionbestückte Blaupause des Genrekinos der 90er durchzugehen. Wenngleich seine oberflächlichen Diskussionsansätze über den Aktionismus höhergestellter Instanzen wesentlich geblieben sind, untergräbt der Film seinen epidemiologischen Inhalt mit Schauwertcharakter: dutzendfach schweres Kriegsgerät, spektakuläre Hubschrauber-Action, ausgeflippte Stunts, dazwischen ein keckes Schlagzeilenzitat, hektische Raserei, Fingernägelkauen bis zum Äußersten und ein sich allem widersetzender Idealist (charmant: Dustin Hoffman), der durch die Hölle geht (und fliegt und, richtig gelesen, springt). Wolfgang Petersens explosiver Seuchenthrill ist reinrassige Überladung und Übertreibung, eine grobschlächtige, naive Zeitreise, an deren letztem fundamentalem Appell gegen die absurden Paragrafen militärischer Autorität nicht etwa die gefährdete Evolution der Menschheit, sondern die Zukunft einer in die Binsen gegangenen Ehe abhängt. Wunderbar stumpfsinnig, konsequent infantil. Dazu diese Klischeetypen und Knallchargen! Kevin Spacey als blutjunger Familientherapeut, Cuba Gooding Jr. als unerschrockenes Kämpferherz und Donald Sutherland als zynisches Überbleibsel jener, die für das eine das andere opfern, schärfer als jede Tabasco-Sauce. Unter handwerklichen Aspekten drängt sich indes die Fotografie von Michael Ballhaus in den Vordergrund. Keinem festen Halt zugeordnet, tastet sich die Kamera bis zum Bakterienherd Kino durch Labore, Kammern, Schächte, Ventile, hängt sich an betriebsame Forscher und emsige Wissenschaftler, die allerhand unverständliches Zeug bedienen und bearbeiten. Ein nostalgischer, sehr unterhaltender Guilty-Pleasure-Spaß. 

6 | 10