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Montag, 28. Juli 2014

"Planet der Affen: Revolution" / "Dawn of the Planet of the Apes" [USA 2014]


Was macht Gary Oldman, der lauthals plärrende Führer, der deprimierte Anführer, der bebrillte Laudator, nachdem der Strom angeknipst wurde? Er hechtet zum Tablet, einschalten, Internet, Faceboo… nein: Familienbilder aufm Bildschirm glotzen und zwischendrin 'ne Heulattacke. "Planet der Affen: Revolution" für bare Münze nehmen? Nein, denn zu groß die Idiotie, zu klein das ironische Gegenlesen. Des Films (unabsichtliche) Komik ist exquisit – unerwartet und erst dann exquisit, wenn eine das Herz des Publikums bombardierende Theatralik gezuckerter Affenromantik kulminiert. Da braucht es auch einen fiesen "Affen-Rambo", der als alleiniger Delinquent mit Schießeisen und Raketenwerfer durch das Schlachtfeld galoppiert, sich an einen Panzer hängt und wutentbrannt wie Schwarzenegger schnauft. Exquisit, die Komik. Gern wiederholt. Aber Matt Reeves (Filmografie: affengruselig) schnieke geklammertes Sequel zum Prequel darf sich einem Vergleich zum Überraschungsvorgänger sowieso nicht hingeben. Sein IQ ist bis auf ein paar herzbewegend humanistische Querschläge in allen Belangen unterlegen – Affen-Slapstick, Munitionsverschwendung, Soap-Gemütlichkeit, durchschaubar abzielend auf ein sensationsunterfüttertes Auge-gegen-Auge-Duell. "Planet der Affen: Revolution" möchte sein Universum nicht konkretisieren, weswegen die raugestimmte Authentizität einer dreckbefallenen Dystopie weichgespülte Schauspieler hervorbringt, die, frisch rasiert, Zähne geputzt, gebügelte Kleidung, fremdkörperhaft um Facetten abseits des Offenkundigen buhlen. Zugegeben: Unlogik darf kein Gradmesser sein, Abscheu zu artikulieren. Solange sie uns kopfschüttelnd kichern lässt.   

4.5 | 10

Samstag, 3. November 2012

"Planet der Affen" / "Planet of the Apes" [USA 1968]


"Planet der Affen" ist kein rundum affengeiler Klassiker (Charlton Hestons limitiertes Schauspiel neigt in ähnlicher Weise wie die seinerzeit sicher bahnbrechenden Chambers-Masken samt ulkiger Affennamen eher zur unfreiwilligen Belustigung), aber ein Filmklassiker, der die Jahrzehnte fast ausnahmslos in wenig kränkelnder Verfassung überstand, weil seine beträchtlich zivilisationskritischen wie politisierten Nebentöne zeitlos klingen.

Zu Beginn wirkt alles tropisch, obgleich gottverlassen in Anbetracht destruktiver Menschheitskräfte: zerklüftete Felsvorsprünge, staubige Wüsten, paradiesische Wasserfälle, Sonne, Meer, Hitze. Jerry Goldsmiths vielseitiger Score klimpert sanft schwingend und trampelnd industriell, während zwei mit ihrem futuristischen Raumschiff abgestürzte Weiße und ein Schwarzer (!) die Bekanntschaft (halbnackt!) mit seltsamen Wesen machen: stumme Menschen, die von sprechenden Affen für Versuchsexperimente Richtung Lobotomie gejagt werden.

Ab da wird's utopisch. Und kritisch. Kritik am Rassismus innerhalb des von den Affen strukturierten Kastensystems, Kritik am Kolonialismus, Kritik an der Überheblichkeit evolutionärer Einmaligkeit, Kritik am religiösen Fundamentalismus, der sich gegen wissenschaftlich erbrachte Beweise stellt, Kritik an Tierversuchen, wobei Schaffner die Verhältnisse ironisch kontrastiert – der (intelligente) Mensch als (primitives) Tier wird vom (primitiven) Tier als (intelligenter) Mensch in Käfige gesperrt.

Nicht das einzig Clevere in dieser ebenso cleveren  Satire: Die Gerichtssequenz entkleidet punktgenau jene auf Menschenrechtsverwässerung, Blindheit und Fanatismus fußenden Theokratie (inklusive: die gesellschaftliche Einteilung in Judi-, Exe-, und Legislative), die sich die Affen zu Eigen gemacht haben, um im Gegensatz zu den selbstzerstörerischen Menschen ihre Gattung scheinbar lange zu erhalten. Summa summarum ist Schaffners Original unterm Strich sowohl eine mehrdeutige Allegorie an die unbezwingbare Freiheit im Menschen und der Unterdrückung von Minderheiten als auch ein subtil eingebettetes Abziehbild mal bewusst, mal unbewusst sozialkritischer Abarbeitungen weltpolitischer Ereignisse innen- wie außenpolitischer US-Taktik (Studentenproteste, Vietnam, Watergate, Kalter Krieg), das sich in dem rücksichtslosen Handeln der Mächtigen (Affen) gegenüber dem Volk (Menschen) manifestiert.

Andererseits ein straighter Genrefilm, selbstverständlich, nicht immer, aber immer öfters stimmig im Balancieren zwischen der Jagd und geruhsamen Schweigemomenten (erwähnenswert: Linda Harrison), mit einem tragischen Menschheitsliebhaber aus einem zynischen Menschenverächter in der Hauptrolle, der in den Überresten der Freiheitsstatue die Überreste seiner gescheiterten Kultur erblickt. Welch' ikonografisches Bild.   

6.5 | 10

Mittwoch, 17. August 2011

"Planet der Affen: Prevolution" / "Rise of the Planet of the Apes" [USA 2011]


Erfreulich in einem Metier, das von ebenso neunmalklugen Kreuzrittern wie dollarorientierten Verfechtern des Popcorns drangsaliert wird: Mit "Planet der Affen: Prevolution" kehrt der bislang überraschend wahrhaftigste aller Blockbuster zum Tagesgeschäft zurück, als Jahrmarktsattraktion, um den Besucher in schwindelerregenden Höhen mitzureißen und ihm Gefühle der Atemlosigkeit zu entlocken. Die Essenz des trickreichen Filmemachens wurde ermüdend oft auf übersättigte, klinisch kalte Krawallorgien heruntergebrochen, kein Mitreißen, kein Gefühl, kein Herz. Früher war eben alles besser, auch die Filmlandschaft, auch der amerikanische Mainstream. Schön zu sehen, dass hin und wieder erfrischende Ausnahmen existieren, schön zu erleben, dass es sie noch gibt, schön dieses Gefühl erquicklicher Nostalgie.

Denn: "Planet der Affen: Prevolution" hat nicht nur eine Geschichte zu erzählen, das haben die anderen Kollegen aus dem Gruselkabinett des verlotterten Blockbusters nämlich auch. "Planet der Affen: Prevolution" missbraucht seine Geschichte nicht als Alibi, um Schauwerte bis zur alarmierenden Redundanz auszuschlachten, sondern textualisiert einerseits die Melange aus Kulturpessimismus und Zukunftssatire des 68er Originals mit augenzwinkernder Raffinesse, und erzählt andererseits mit politisch-ironischer Ambition von den evolutionären Gefahren menschlicher Arroganz gegenüber ihren minderwertigen Haustieren im neuen Jahrtausend, die sich wie in Stanley Kubricks "Spartacus", entgegen makelloser Superhelden in geleckten Abenteuern, schließlich zu ehemals unterdrückten Pionieren der Freiheit und der (Tier-)Würde erheben, sowie einem klassischen Heist nachempfundenen Gefängnisausbruch improvisieren.

Die Gags sitzen, die Sympathien sind klar verteilt, Rupert Wyatt nimmt sich Zeit für subtile Momente leiser Gefühlsausbrüche, die von Wärme getragen werden. Und am Ende gönnt man es sogar den Affen, den doofen Menschen verdientermaßen das Handwerk zu legen. Wyatts Film ist weder besonders intelligente Dystopie noch ein bahnbrechender Genrefilm, aber er entwickelt herzzerreißende Zwischenmomente, die kleinen, auf die sonst niemand setzt, und auf die es ankommt auf dem Jahrmarkt der Attraktion. "Planet der Affen: Prevolution" ist nicht zuletzt ein überzeugendes Drama, ein authentisches Familiendrama. Getragen ebenfalls von audiovisueller Brillanz – Andy Serkis visualisiert jedes einzelne Härchen (Julius) Caesars in Motion Capture, die Actionsequenzen sind gewaltig, voller Pathos, voller Anspannung, voller Energie, voller Wucht, endlich wieder getimt bis zum Anschlag, mit Idee dahinter, die Kamerafahrten verschlungen, die Montagen der in einer einzigen Einstellung gezeigten Entwicklungsstadien des Affen durchaus aufregend.

Da ist es wohl leicht zu verzeihen, dass die Technikwunderwaffe Medizin zu oft zu aufgesetzte Wunder vollbringt, ein paar Klischees zu viel Klischee sind und es Freida Pinto als obligatorisch weiblicher Sidekick in einem veritablen Cast gefälliger Abziehbildchen wohl am ehesten gar nicht gebraucht hätte. Macht nichts: Rundum affengeiles Entertainment, diesmal dann doch. Der letzte Flug zur noch in Gänze vorhandenen Freiheitsstatue geht in Kürze…

7 | 10