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Freitag, 14. September 2018

"Mile 22" [USA 2018]


Als einer der schlechtesten Regisseure der Welt dürfte sich Peter Berg seinen Platz redlich verdient haben. Bestenlistenmaterial. Mit Ansage. Peter Berg ist aber auch einer der unterschätztesten Demagogen Hollywoods – seine Filme sind agitatorische Psychosen wie verkrampfte Vulgärverheiligungen. Überraschenderweise nervt Berg in "Mile 22" jedoch nicht, als zwingend nötig. Knapp 90 Minuten dauert der Snack für zwischendurch, poltert, rollt, erbaut. Erzählt wird die Geschichte der geheimen Organisation Overwatch (Vorsitzender mit Sneakern: John Malkovich) und um einen Spion (Choreografie-Gold: Iko Uwais), der außer Landes gebracht werden soll. Unterwegs – 22 Meilen beträgt der Weg zum Flugzeug – muss sich das Team um Mark Wahlberg (in einer noch primitiveren Bryce-Dignam-Rolle) mit rachelüsternen Russen herumschlagen. Im Rahmen eines "The-Raid"-Action-Marathons destilliert Berg (erstmalig?) sehenswert ruppige, auf Bildschirmen und damit in Sehverschachtelungen aufgelöste, ritualisierte Nahkampfzuspitzungen in Tony-Scott-Manier. Die Geschlechterbilder indes haben den Stellungskrieg nicht überwunden – auch Lauren Cohan muss eine App zur Schimpfwörtertherapie benutzen. Was für Peter Berg zählt, geschlechterunabhängig, ist der vorlaute Glaube an die eigene Stärke ebenso, wie an das narbengezeichnete Fleisch, scheinheilig legitimiert durch eine Liste an der Tafel, die bei Pearl Harbor anfängt. In James Silvas (Wahlberg) kommalosen Tiraden gegen das Unrecht anderer Länder trägt "Mile 22" gar ungeahnt widerlichen Stolz vor sich her.

4 | 10

Freitag, 6. Mai 2016

"Shocker" [USA 1989]


Unter all' dem Wahnwitz, den "Shocker" sich in einem fiebrigen Comic-Strip-Möglichkeitsraum zutraut – letztendlich rührt der Film das Pastiche eines metafiktiven Wes-Craven-Films zusammen. "Shocker" tänzelt um die Verfehlungen und Verwerfungen der Elterngeneration, die in deren Kindern (ungewollt) fortleben, um Verantwortung und Bewusstsein, um eine nostalgische, enthaltsame Schulromanze, vor allem um multimediale Erlösungsfantasien. Der Fernseher erscheint einerseits als adäquater eskapistischer Fluchtausweg, andererseits als adäquater offener (und pechschwarz angestrichener) Eingang, einzig mit Hilfe der Transzendenz das entmaterialisierte, sich weitertransformierende Böse aufzuhalten: Mitch Pileggi spielt bebend wuselig den entwurzelten Showstar, selbstüberschätzten Sonntagspriester und… lüsternen Serienkiller. Durch die (postmodern fragmentierte) Historie offerierter Fernsehschnippsel kämpfen Horace Pinker (Pileggi) und Jonathan Parker (Peter Berg, der Peter Berg!) sich in einer der schrillsten Szenen von krisseligem Ereignis zu Ereignis, bevor der Strom gewaltsam abgeschöpft wird und die Fernbedienung, dieses elementare Werkzeug neuzeitlicher Weltaneignung, das Bild ausschaltet. Vielleicht hält die Glotze wahrhaftig die Lösung unserer Probleme bereit – aber im Traum sollten wir nicht daran denken, sie für immer verstummen zu lassen, wenn ein Kind mordlustig einen Bagger fährt. Denn "Shocker" persifliert sich nah an der Grenze zum trashigen Schwank. Die Linie, die er dabei übertritt, ist indes jene eines Statements unendlicher inszenatorischer Freiheit der Kunst, die das Leben rettet.   

6 | 10