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Freitag, 15. April 2016

Dokumentation: "Thomas Pynchon: A Journey into the Mind of [P.]" [D, CH 2002]


Wie einen Schriftsteller porträtieren, der als Phantom durch die Postmoderne geistert? Keine Adresse, ein Interview, ein nicht quellensicheres Bild. Die einzigen Spuren Thomas Pynchons liegen in seiner Literatur: in intertextuellen Kopplungen zwischen lexikalischem Wissen und fragmentarischen Gedankensprüngen. Thomas Pynchon, Wegbereiter semiotischer Erzählungen im seitenverkehrten Nichts, möchte nicht gefunden, offengelegt werden. Und auch wenn das damalige Apartment in San Francisco auffindbar ist, heißt es noch lange nicht, dass der Neumieter uns Zugang gewährt, um wenigstens einen Hauch Pynchon zu spüren, einen Parfumnebel Literaturgeschichte zu erschnuppern. In überveranschlagten 90 Minuten erzählen Donatello und Fosco Dubini eine kreisförmige Geschichte, die zurück zum Anfang geleitet. Denn Pynchon konnten sie nicht finden. Nur Kritikerstimmen, Lob, Nostalgie, Zeitgefühle, verwirrende Vergänglichkeiten. Manisch montieren die Regisseure historische Filmaufnahmen amerikanischer Innen- und Außenpolitik aneinander, die mit Nixon und Vietnam einst den Ausgangspunkt für Pynchons subversive, ja wütende Metagewebe gebildet haben. Zum Großteil schlimmstenfalls oberflächliche, laufzeitstreckende Paralleleinschübe, verabschiedet sich diese Dokumentation allerdings flott davon, anstatt in die Psyche Pynchons eher in der Suche nach Pynchon erhellende detektivische Momente einzustreuen. "Thomas Pynchon – A Journey into the Mind of [P.]" darf andererseits als einer der einzigen Versuche gewertet werden, einen legendären Geist zu materialisieren. Im Märchen gebe dieser Versuch spannende Kinderunterhaltung ab.

4 | 10

Freitag, 19. Februar 2016

Die imposanten 7: Bücher und Geschichten 2015


 #7 
   »MR. MERCEDES«    
(2014 | Stephen King) 

  #6
»DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS«
    »L'INSOUTENABLE LÉGÈRETÉ DE L'ÊTRE«    
(1984 | Milan Kundera) 

   #5
»DIE ENDEN DER PARABEL«
    »GRAVITY'S RAINBOW«    
(1973 | Thomas Pynchon)

  #4
     »DER PROZESS«    
      (1914-1915 | Franz Kafka) 

  #3
»ELEMENTARTEILCHEN«
   »LES PARTICULES ÉLÉMENTAIRES«    
(1998 | Michel Houellebecq)

   #2
»UNTER DEM ASTRONAUTENMOND«
    »RABBIT, RUN«    
  (1960 | John Updike)

   #1
»RABBIT IN RUHE«
    »RABBIT AT REST«    
     (1990 | John Updike) 


erwähnenswerte Sachbücher:
  • "EINE SCHWIERIGKEIT DER PSYCHOANALYSE" (1917 | Sigmund Freud)
  • "TERRORKINO. ANGST, LUST UND KÖRPERHORROR" (2010 | Marcus Stiglegger)

Mittwoch, 11. Februar 2015

"Inherent Vice - Natürliche Mängel" [USA 2014]


Ein sexuell-entgleitender Ausfallschritt in die Geschichte – "psychedelisch" fällt (zweifellos), verkittet mit "obsessiver Melancholie" (sehr wohl) in einer niederträchtigen Welt. Paul Thomas Anderson wird niemals einen schlechten, einen "nur" soliden Film abliefern. Aber nach dem unbequem themenverpackten "The Master" richtet er sich die Auszeit wie ein umnebelter Hippie ein, für die er die Erzählung verkrüppelt und verzieht. "Inherent Vice" hat nie von einem Beginn gehört, einem Mittelteil, einem Ende, einem Ergebnis; die Dekonstruktion der Erzählung schreit an der Hochkultur vorbei, dass diesmal Phallusgebäude, Phallusschokobananen und phallische Anzüglichkeiten einen idiotischen Paul-Thomas-Anderson-Bewusstseinslärm gebären, der mit der blitzgebildeten Thomas-Pynchon-Rhetorik eine verdrossene Komödie durchexerziert, einen Hauch des Nichts, einen pulpigen Ebenen-Sinnloskrimi, offen angelehnt an Howard Hawks' "Tote schlafen fest". Die Zeit (als Meer) spült diesen nichtsnutzigen Film mitsamt seiner "natürlichen Mängel" (unbefriedigender Bedürfnisse) an die Klippen der Bedeutungslosigkeit. Alles ist gleich, seitenverkehrt, abhanden, verblichen und ausgezehrt. Nebel, Voice-over, keine gehenden Menschen – "Inherent Vice" sitzt gelassen, die Stafetten des Anderson-Kinos zu parodieren, glucksend das abgehärmte Gesicht, uns, anstarrend: "Fuck". Ein satter, leerer, hungriger Film, gleichwohl einer, der in sentimentaler Romantik zur goldigen Menschenliebelei Andersons findet. "Magnolia" muss dabei aushelfen, das Lächeln des Seins in diesem elektrischen Moment an einen Schluss zu setzen, der dem Meer widersteht.

7 | 10