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Mittwoch, 26. Oktober 2016

Dokumentation: "Picasso - Bestandsaufnahme eines Lebens" / "Picasso, l'inventaire d'une vie" [F 2014]


"Picasso – Bestandsaufnahme eines Lebens", so der deutsche Titel dieser Dokumentation, hebt einen Schatz für alle Picasso-Liebhaber, für solche, die es werden wollen, aber auch für alle Bewunderer eines unerschütterlichen Erbes: Einen monumentalen Materialstapel getriebener Inspiration hinterließ Picasso, als er starb. Dem Wühlen kindliche Aufmerksamkeit widmend, dem Auskundschaften, dem, nun ja, dem Staunen per se, ist "Picasso – Bestandsaufnahme eines Lebens" ebenso biografische Abhandlung, das in Stichpunkten ästhetische, moralische wie historische Phasen tiefer Wahrheitserzählung zu einem dialektischen Hintergrund kontextualisiert. Wenngleich Hugues Nancy voller sublimer Ehrfurcht das Leben eines ungewöhnlichen Mannes nachzeichnet, das das Leben gewöhnlicher Männer überstieg, bietet er aufgefächert lehrreiche Überblicksdaten, die in ihren brav chronologisch aufbereiteten Themen zwar nie gänzlich den Duktus eines Wikipedia-Artikels abstreifen können. Aber doch können sich Schatzsucher freuen – Picassos einziges Fernsehinterview wird neben seinen Ateliers auszugsweise gezeigt, während, abseits auflockernder Anekdoten aus erster Hand (über, zum Beispiel, Picassos Frauen, die für ihn in mehrfacher Hinsicht essentiell waren), insbesondere der methodische Simplifizierungsprozess eines gemalten Stiers zu Strichen und Kanten Picassos Philosophie kulminieren lässt, aus dem Vorhandenen stets das Reine und, im Zuge dessen, das perspektivisch Ungekannte abzuschöpfen. So ungeheuerlich, wie sich Picassos Vermächtnis über die Geschicke der Vergangenheit erhebt, so ungeheuerlich schallte es aus diesem flüsternden Formensucher.   

6 | 10

Freitag, 1. Juli 2016

Dokumentation: "Picasso" / "Le Mystère Picasso" [F 1956]


Liebevoll führt der Maler den Pinsel. Er schreibt Schöpfungsgeschichte, das Kind, seine Eltern, eine Familie; das Licht katapultiert sich aus der Dunkelheit bemalter Abschnitte. Henri-Georges Clouzot lockte Picasso, den Picasso, vor die Kamera. 20 Bilder sollte er umsetzen, überschreiben, nachkorrigieren, organisch entwickeln – avantgardistische Strichvernetzungen, kubistische anatomische Verzerrungen und farbexplosive menschliche Panoramen. Clouzots "Picasso" wird Picasso auf ungemein ehrliche Weise gerecht, denn er veranschaulicht und figuriert einen anstatt erschöpfend theoretisierenden eher praktisch nachweisbaren Prozess, das Innere im Äußeren auszudrücken. Der Kunst des oberkörperfrei arbeitenden, wuselnden Spaniers, gleichfalls aber auch der Kunst des Schaffens per se, verleiht Clouzot die nötige obsessive Energie, damit aus Strichen Bedeutungseinheiten werden. Diese hypnotisierende Dokumentation bildet aber nicht ausschließlich ab. Ab und zu konterkariert Clouzot die meditative Struktur seines Kunstessays: Etwa zur Halbzeit kippt dieses in einen Thriller, sobald der Regisseur (Clouzot) den Künstler (Picasso) anweist, in wenigen verbliebenen (Filmrollen-)Minuten das derzeitige Bild zu beenden und der Schnitt die Zeit verkürzt. Picasso indes kommentiert vereinzelte Werke – ohne sich allzu viel erklären zu müssen. Die "Erklärung", die "Beantwortung" sowie das "Lückenstopfen" hingegen muss der Betrachter für sich finden. Picasso war kein Suchender, sondern einer, der bereits dann gefunden hat, wo andere noch die bloße Idee zu packen versuchten.

6 | 10