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Freitag, 28. April 2017

"Guardians of the Galaxy Vol. 2" [USA 2017]


Querfeldein fantasierender Steigerungsapparat, bei dem nicht nur Cat Stevens ein Vater-Sohn-Verhältnis besingt. "Singen", "tanzen" überhaupt – großflächige Bedeutung hat es nicht mehr. Die Songs, bedingt fügen sie sich einer zweiten Textur, bleiben angehangene diegetische Erbaulichkeiten, mitten ins Herz eines bizarr extrovertierten, für den Moment existierenden Happenings, bei dem sich die Poesie durch ihre Pointen (übertrieben) Geltung verschafft. James Gunn entschied, den Quatsch sentimental werden zu lassen – sentimental zwischen schön und hässlich, jung und alt, freudig und freundschaftlich. Zwischen Vater und Sohn. Aber, und deswegen vermag "Guardians of the Galaxy Vol. 2" Freude zu entfachen: Ungewohnt strukturenthoben gibt sich dieser Film, maximiert Farben, hypnotische, erdrückend quietschige Farben zum Kitsch, futuristische Abstraktionskulissen tränkend, die Jodorowksy sicherlich gefallen hätten. Erst im aus dem Ruder laufenden Finale werden ihr, der Struktur, der Nichtstruktur, unzählige Fußnoten zugemutet, wie ein biologistischer, totartikulierter Vernichtungsplan (im Arschlochmodus: Kurt Russell) sowieso vereitelt wird. Baby Groot (Vin Diesel) und Yondu (Michael Rooker) sind indes die Rockstars, witzeln, menscheln, und ein paar der Gags ("Taserface") offenbaren tatsächlich Timing, Genuss, schieres transzendentes Verlorensein bei einer Familie, die über den Frieden herrscht. Kontroversen besitzt das Sequel dementsprechend nach wie vor nicht, es ist zügig vergessen, hurtig verdaut – verspricht jedoch eine, zumindest übergangsweise, fluffige Freiheit.      

5 | 10

Freitag, 28. November 2014

"Guardians of the Galaxy" [USA 2014]


Hoch anzurechnen ist es diesem Retrofilm, dass er immerhin (verzweifelt) versucht, aus dem generischen Popcorn-Prozedere jenes zur festen Größe angewachsenen Marvel-Gesetzesentwurfs auszubrechen. Kassette rein, Musik an, tanzen, swingen, "awesome". Mit der postmodernen Brille und inflationär angespielten Popkrachern ergibt sich ein aufgetakeltes, zerfasertes Planetenpotpourri, erfrischend gestrig, ungemein haptisch, wohingegen eine zufällig zusammengewürfelte (Rebellen-)Truppe den mosernden Antihelden spielt, der sich gegen eine finstere Macht behauptet. Fehlen nur noch die Laserschwerter, fertig wäre die siebte Episode "Star Wars" von James Gunn. Diese aber vermeidet Ungezwungenheit, Wirbel. Warum sonst ist "Guardians of the Galaxy" durchkalkuliert geschwätzig? Des Films intergalaktische Attraktionen verglimmen angesichts des totgefilterten Dialograusches, der einen detailreichen Rettungsplan wieder und wieder vermittelt. Warum nicht einmal sich lediglich erschöpfen an leichtvitalem Abenteuerappetit (vgl. Joss Whedon)? Außerdem: Musste "Guardians of the Galaxy" selbstironisch sein, so selbstironisch? Wo jeder Gag ein Gag! sein muss, jede Pointe eine Pointe!, jede Verrücktheit gepriesen und jeder debile Kommentar ("GROOT!") presslufthammerhaft uns eingeimpft werden muss? James Gunn hatte das Pech, für Marvel zu arbeiten. Dies erlaubte ihm, neue Regeln zu definieren, aber auch alte unangetastet zu lassen: ein martialisches Finale, ein totenblasser Bösewicht, ein treudämlicher Gesichtselfmeter als Hauptdarsteller sowie durchweg verbratene Nebenstars (Glenn Close, Benicio del Toro). Viel lieber "Firefly".

4 | 10