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Freitag, 14. Oktober 2016

Jarmusch-Retro #12: "Only Lovers Left Alive" [GB, D 2013]


Betrüblich entmystifiziert Jarmusch Vampire, ihre popkulturelle DNA, diese ehemals triebgesteuerten, hedonistischen Blutsauger, die sich gegen die "Zombies" (Sterbliche) abschotten, verweilen, ihren Mythos nur noch intellektuell dekorieren und traumtänzerisch an jenen Irrealitäten zu knabbern haben, wonach Unsterblichkeit nicht zwanghaft zur Vervollkommnung eines Lebensglückes dazugehört. Im Umkehrschluss bedeutet das: Das Leben ist lebenswert erst dann, wenn es sich der Omnipräsenz des Todes bewusst ist. Sonst gehen Menschen hervor, die Jarmusch als "Vampire" bizarr überschminkt: blass-blasierte Michelangelo-Figuren, umschlungen in absterbender Vertraulichkeit, weiß erbrochene Skulpturen, die in "ihrer" Zeit den Boden verloren haben. Wie in "Ghost Dog" bereitet sich die digitale Postmoderne darauf vor, eine überaltert analoge Moderne zu überrollen – dieser melancholische Gitarrenriff namens "Only Lovers Left Alive" ist zugestellt mit Nostalgiemusik, antiken Schnurtelefonen, antiken Schallplattenspielern, erinnernd an das "Fassbare", leider aber auch Kurzlebige. Und mittendrin ein iPhone. Ein Virus. Denn darüber und darunter, rechts wie links stirbt das Wenige, das sich erhalten hat. Kein Zufall, dass Jarmusch einen Teil der Handlung nach Detroit verlegt, eine Stadt als Symbol des (auch geistigen) Niedergangs. Nichtsdestotrotz bleibt anmutige Zauberei. "Only Lovers Left Alive" malt einen Hoffnungsschimmer. Alle Lebensreisen, die bei Jim Jarmusch unternommen wurden, enden mit der Klarheit, dass es weitergeht, selbst nach der Endlichkeit körperlicher Zerbrechlichkeit.

7 | 10

Originaltext

Mittwoch, 17. September 2014

"Maps to the Stars" [CDN, USA, D, F 2014]


[...] Cronenberg vertieft eine verdorbene, glitzerlose, isolierte Filmstadt, in deren befremdlichem Bilderwahn, eisiger Starre und nihilistischem Sadomasochismus (abermalig) die Gefahr der Technologie lauert, von ihr unterjocht, gequält, von ihr mit einem prestigelosen Dankbarkeitspreis geehrt zu werden, an dem, je zersetzender die Stars ihr aufgeschichtetes Image an den unmittelbaren Konkurrenten verhökern, Blut an den Rändern festklebt. Ein Signal auf sein schroffes Frühwerk liefert Cronenberg dabei ironisch: Seine Akteure haben prophetische Visionen und sprechen mit Toten, die nicht ruhen können. Trash? Mystery? Und was bedeutet dieser eine ungemein groteske Verbrennungstod, dessen CGI-Flammen jedem halbwegs vernünftigen Photoshop-Bastler Magenschmerzen bereiten? Ein schlechter Scherz? Vielleicht. [...] Des Films verquerer, kühler Humorwiderhall basiert auf den Brüchen und Querrissen, mit denen der Film die Starlets und Ehrenmänner entblößt. Cronenberg demaskiert in statischen Schuss-Gegenschuss-Dialogübersättigungen, bei denen sich kaum mehr ein Gefühl von dekorativer Räumlichkeit einstellen will, bühnenstarke Schauspieler, alte wie neue, Absteiger wie Aufsteiger, die in diesem meta-geschwängerten Film ihren intimen Film tragen – mit begehrenswerter Unsittlichkeit und einer tief in sich verwurzelten, verunstalteten Geschmacklosigkeit. [...] 


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