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Freitag, 22. August 2014

"Outbreak - Lautlose Killer" [USA 1995]


"Outbreak" recycelt alle Insignien, um als actionbestückte Blaupause des Genrekinos der 90er durchzugehen. Wenngleich seine oberflächlichen Diskussionsansätze über den Aktionismus höhergestellter Instanzen wesentlich geblieben sind, untergräbt der Film seinen epidemiologischen Inhalt mit Schauwertcharakter: dutzendfach schweres Kriegsgerät, spektakuläre Hubschrauber-Action, ausgeflippte Stunts, dazwischen ein keckes Schlagzeilenzitat, hektische Raserei, Fingernägelkauen bis zum Äußersten und ein sich allem widersetzender Idealist (charmant: Dustin Hoffman), der durch die Hölle geht (und fliegt und, richtig gelesen, springt). Wolfgang Petersens explosiver Seuchenthrill ist reinrassige Überladung und Übertreibung, eine grobschlächtige, naive Zeitreise, an deren letztem fundamentalem Appell gegen die absurden Paragrafen militärischer Autorität nicht etwa die gefährdete Evolution der Menschheit, sondern die Zukunft einer in die Binsen gegangenen Ehe abhängt. Wunderbar stumpfsinnig, konsequent infantil. Dazu diese Klischeetypen und Knallchargen! Kevin Spacey als blutjunger Familientherapeut, Cuba Gooding Jr. als unerschrockenes Kämpferherz und Donald Sutherland als zynisches Überbleibsel jener, die für das eine das andere opfern, schärfer als jede Tabasco-Sauce. Unter handwerklichen Aspekten drängt sich indes die Fotografie von Michael Ballhaus in den Vordergrund. Keinem festen Halt zugeordnet, tastet sich die Kamera bis zum Bakterienherd Kino durch Labore, Kammern, Schächte, Ventile, hängt sich an betriebsame Forscher und emsige Wissenschaftler, die allerhand unverständliches Zeug bedienen und bearbeiten. Ein nostalgischer, sehr unterhaltender Guilty-Pleasure-Spaß. 

6 | 10

Freitag, 5. August 2011

"Breakdown" [USA 1997]


Sengende Hitze, leere Umgebungen: eine Allegorie der figuralen Innenlandschaft des Protagonisten Jeffrey Taylor (Kurt Russell), der sich in einem lebensfeindlichen Raum vom liberalen Stadtmenschen zum archaischen Überlebensrowdy wandelt und symbolisch reinigt, um seine entführte Frau (Kathleen Quinlan) zu finden. Des Öfteren steht er in sengender Hitze allein in weiter Leere. Mostow handwerkelt in ähnlicher Art wie Spielberg in "Duell": die mit krummen Kamerawinkeln eingerahmten Blicke vertrauensunwürdiger Gesichter zwielichtiger Gestalten brummender Monster (diffuseste Bedrohungen im Sand sind hierbei wieder Fahrzeuge) befeuern die Paranoia. Die klassische Frage richtet sich ans Publikum: "Was würdest du tun?" "Breakdown" ist ebenso klassisch zusammengeklebtes Subtilkino mit keinem Schnörkel zu viel und einer beträchtlichen Menge perfider Manipulation in direkter Kommunikation mit dem Zuschauer, indem jeder sich durch ein merkwürdiges Zucken verraten könnte, in dieser wüstenartigen Zwischenzone von Paradies und Hölle.

Spannungsgeladene Thrills falscher Verdächtigungen, langhaarige Trucker und absonderliche Kneipen mit kampfeslustigem Personal nähren Unsicherheit und Gefahr. Mostow macht Einiges richtig, setzt in erster Linie auf einen verzweifelten Kurt Russel und einen abgeklärten J. T. Walsh, begleitet mit der atmosphärischen Untermalung Basil Poledouris'. Allzu früh lässt er allerdings die Katze aus dem Sack, dabei war die Geschichte anfangs effektiv verknotet. Hätte Mostow die Spannungssauce aus Anspannung der ersten Hälfte weitergerührt, hätte dies ein merklich besserer Film werden können. So aber ist der Actionanteil in der zweiten Hälfte zwar gefällig (Mostow bleibt ein veritabler Krawallregisseur) und wird immer wieder von eindrucksvollen psychologischen Schweißausbrüchen unterbrochen (Fiktion und Realität, trügerische Hoffnung und sehnsuchtsvolle Wunschvorstellung verschwimmen in der dichten  Banksequenz vollends), aber letztendlich zu großspurig, als dass es dem Film in seiner mit wenigen Mitteln ein Höchstmaß an Intensität zeugenden Ambition zugestanden hätte.

6 | 10