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Mittwoch, 18. Februar 2015

"Selma" [USA 2014]


David Oyelowos Kopf klappt wie an einer Marionettenschnur gezogen Richtung Boden. Sein eindringlich imitierter Martin Luther King ist ein majestätischer Apologet, ornamentiert von einer Lampe über ihm, einem symbolischen Heiligenschein, ein treufanatischer Verteidigungsstratege geistlicher, pazifistischer Werte, obschon er regelmäßig von neuem die Augenlider wegschauend senkt – und den Kopf niedergeschlagen abwinkelt. "Selma" erzählt einen biografischen Lebensabschnitt Kings, der in Selma, Alabama zu Protestmärschen aufrief, das Wahlrecht für alle Bürger, quasi den Rost an der Brücke, unabhängig der Hautfarbe, durchzusetzen. Eine barmherzig-heroische Geschichte ambitionierter Willensanstrengung für ein amerikanisches Betroffenheitspublikum, vertieft in braun-erdigen Farbtönen und rustikal ausgestattet. Was "Selma" dort vermindert, erhöht die Regisseurin Ava DuVernay an anderer Stelle umso begieriger. Schlussendlich leidet "Selma" wie viele Werke nach allen Regeln der Oscarkitschkunst an politischer Verknappung, wenn der Film King lediglich verblüffend aufdringlich (und enervierend) predigen und Präsident Lyndon B. Johnson lediglich verblüffend aufdringlich einlenken lässt. "Selma" ist dermaßen undifferenziert und schmierig geraten, das sich Oprah Winfrey, sie spielt eine kleine Nebenrolle und wird von weißen Polizeibarbaren verprügelt (sic!), freuen kann. Eine krustenpomadige Zeitlupenästhetik in den (wenigstens: wuchtigen) Gewaltmassenszenen begleitet einen widerwärtig effekt- und mitleiderheischenden, schweren Schrittes sprunghaft stolpernden Film, der sich historisch auf dessen Status-quo-Symbolgehalt reduziert denn auf Nuancen einer gesunden historischen Zurückhaltung.

4 | 10

Freitag, 22. August 2014

"Outbreak - Lautlose Killer" [USA 1995]


"Outbreak" recycelt alle Insignien, um als actionbestückte Blaupause des Genrekinos der 90er durchzugehen. Wenngleich seine oberflächlichen Diskussionsansätze über den Aktionismus höhergestellter Instanzen wesentlich geblieben sind, untergräbt der Film seinen epidemiologischen Inhalt mit Schauwertcharakter: dutzendfach schweres Kriegsgerät, spektakuläre Hubschrauber-Action, ausgeflippte Stunts, dazwischen ein keckes Schlagzeilenzitat, hektische Raserei, Fingernägelkauen bis zum Äußersten und ein sich allem widersetzender Idealist (charmant: Dustin Hoffman), der durch die Hölle geht (und fliegt und, richtig gelesen, springt). Wolfgang Petersens explosiver Seuchenthrill ist reinrassige Überladung und Übertreibung, eine grobschlächtige, naive Zeitreise, an deren letztem fundamentalem Appell gegen die absurden Paragrafen militärischer Autorität nicht etwa die gefährdete Evolution der Menschheit, sondern die Zukunft einer in die Binsen gegangenen Ehe abhängt. Wunderbar stumpfsinnig, konsequent infantil. Dazu diese Klischeetypen und Knallchargen! Kevin Spacey als blutjunger Familientherapeut, Cuba Gooding Jr. als unerschrockenes Kämpferherz und Donald Sutherland als zynisches Überbleibsel jener, die für das eine das andere opfern, schärfer als jede Tabasco-Sauce. Unter handwerklichen Aspekten drängt sich indes die Fotografie von Michael Ballhaus in den Vordergrund. Keinem festen Halt zugeordnet, tastet sich die Kamera bis zum Bakterienherd Kino durch Labore, Kammern, Schächte, Ventile, hängt sich an betriebsame Forscher und emsige Wissenschaftler, die allerhand unverständliches Zeug bedienen und bearbeiten. Ein nostalgischer, sehr unterhaltender Guilty-Pleasure-Spaß. 

6 | 10