Posts mit dem Label Jamie Lee Curtis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jamie Lee Curtis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 11. Januar 2012

"Halloween H20" / "Halloween H20: Twenty Years Later" [USA 1998]


Der Ansatz war sicherlich das richtige Manöver, der bislang inkohärentesten Genrereihe neues, unverbrauchtes Leben nach fünf mehr oder weniger unbeholfenen Fortsetzungen einzuhauchen, wodurch sich Slasher-Spezialist Steve Miner dazu entschied, sich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Boden bequem zu machen, ergo: Bodenständigkeit gegen Grusel-Karikatur einzutauschen. Er opferte zwar Dr. Sam Loomis, Michaels Kinderpsychater (Donald Pleasence), konnte allerdings mit Jamie Lee Curtis, der tapferen Scream Queen, die in ihrer ersten Szene in "Halloween H20" ihrem Beinamen alle Ehre macht, jenes Aushängeschild gewinnen, das durch John Carpenters Suspense-Subjektivismus schlagartig berühmt (und berüchtigt) wurde. Nach 20 Jahren Trauma ist das Trauma für sie immer noch nicht verarbeitet, Miner lenkt den Film in genau diese zwischenmenschliche Gasse, um sie als Projektionsfläche dessen begreifbar zu artikulieren, alle vermeintlichen Vorahnungen und paranoiden Ängste der Laurie Strode (Curtis) jäh unterstreichen zu müssen, sobald der erneute Überlebenskampf gegen ihren Bruder mit der Maske und dem Messer beginnt. Miner adaptiert bestürzenderweise alles, was an den Klassiker von 1978 erinnern könnte, und das ist sein grundlegendes Problem. Obgleich sich der Regisseur vermutlich das Ziel gesetzt hat, keinen Aufguss, sondern ein ernstzunehmendes Sequel in die Wege zu leiten, wirkt "Halloween H20" nichtsdestotrotz wie ein Aufguss, ein undichter Miner-Aufguss des dichten Carpenter-Originals. Nicht nur, dass Miner den gleichen voyeuristischen Scheineinlagen infolge gleich gebliebener Szenarien folgt (Schule – Myers wird durchs Fenster erblickt), oder dass er dem Final Girl (also Laurie), wie bei Carpenter, das letzte Aufbäumen gegen einen grobschlächtigen Wahnsinnigen zugesteht, nachdem sie unschuldige Kinder, ihre Freunde in gewisser Hinsicht, der Sicherheit wegen wegschickt. Er kopiert obendrein den verstörenden Filmanfang im Myers-Haus, wenn auch anderweitig im Tenor, so doch frappierend passgenau (nebenbei beginnt die Kamera verdächtig einzuschwenken, als ob sie blitzartig mit der Plansequenz aus dem ersten Teil loslegen würde), und zeigt unter anderem fallendes Herbstlaub (dito), bevor dann irgendwann Myers gegen diejenigen schlitzen darf, die sich von der Zivilisation abgeschottet zu haben scheinen (touché). Hommage hin oder her, das pingelige Nachstellen konterkariert in erster Linie frische Ideen des breitgefächerten Variationsspielraums eines Killers und seiner zu ermordenden Schwester sowie einen Kübel unvorhergesehene Bedrohlichkeit eklatant. Miner ist sich zudem offenkundig nicht bewusst, dass seine plattesten Erschreckmomente – Laurie sieht in bekannten Personen stets Myers in Halluzinationen –, nett umschrieben, Buh-Momente aus dem Discounter sind. Erst in der gefühlsmäßigen Schlussszene wird sich Miners der schicksalsschweren Spannweite einer solchen Konstellation wenige Frames bewusst, davor verschwendet das Drehbuch unnötige Zeit damit, sich selbstreflexiv-hipp der 90er anzuschmiegen, um auf der Straße des Williamson-Teenie-Slashers mitzufahren. Belege? In einer Szene wird "Scream 2" geschaut, in einer anderen wird das "Psycho"-Auto gezündet, allein, einen Mehrwert verbucht es nicht, ganz im Gegenteil: das "Meta" hinter der "Ebene" verschwindet so schnell, wie es hervor krauchen will, es bleibt ein Gimmick des Gimmicks willen. Ausschließlich LL Cool J als angehender Schmuddelautor und der Ottman-Score streuen ein Quäntchen Ironie in dieses ohnehin ironiefreie Treiben aus wichtigtuerischem Metaverschnitt und ödem Plagiat. Buh? Buh!

3,5/10

Montag, 30. März 2009

"True Lies - Wahre Lügen" [USA 1994]

Story

Harry Tasker ist ein Geheimagent. So geheim, dass sogar seine Frau Helen nichts davon ahnt. Die denkt nämlich, dass Harry ein langweiliger Computerverkäufer ist. Er scheint seine Rolle sehr überzeugend zu spielen, denn Helen ist derart angeödet von ihrem Angetrauten, dass sie sich aus Not einen Liebhaber nimmt, den Autoverkäufer Simon, der sich ebenfalls als Geheimagent ausgibt. Bis sich Harrys Lügengeflecht so langsam aufzulösen beginnt und alles auffliegt...

Kritik

Wenn James Cameron Action inszeniert, dann versteht er sein Handwerk. Wenn James Cameron die Action in eine halbwegs plausible Geschichte einbettet, dann versteht er ebenfalls sein Handwerk. Filme wie "Aliens – Die Rückkehr" oder "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" gehören nicht umsonst zu den besten hollywood'schen Beiträgen, was das Genre der hemmungslosen Krawalle überhaupt zu bieten hat, nicht zuletzt durch das immer seltener werdende Privileg, das eigentliche Actionspektakel den Figuren unterzuordnen und nicht umgekehrt. Seine verhältnismäßig leichte Actionkomödie "True Lies – Wahre Lügen" steht dagegen so ein bisschen im Schatten Camerons Oeuvre. Zu Unrecht. Denn "True Lies – Wahre Lügen" ist ein Actionfilm respektive eine einmal mehr mit unglaublichem Aufwand realisierte James Bond-Parodie, die jedoch nicht vollends Parodie ist, sondern durch Camerons kreative Eigenideen vielmehr zu einem wiederum eigenständigen Werk verschmilzt. "True Lies – Wahre Lügen", das ist ein mit dem geistigen Verstand keinesfalls ernstzunehmendes Filmchen, welches eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass erst die richtige Mischung aus verschiedensten Elementen ungezähmte Unterhaltsamkeit garantiert. Und durchaus, der Streifen bietet alles, was ein echtes Feel-Good-Movie braucht: Furioser Auftakt á la "Indiana Jones", Witz á la "Lethal Weapon", ein später avancierendes Machoweib, das ihrem geliebten Ehegatten zur Seite steht und dabei auch nicht vor Waffengewalt zurückschreckt, eine ominöse Geheimorganisation, den obligatorischen Subplot (Harrys Frau, die eine Art heimliche Liaison mit einem gewissen Skinner pflegt) und natürlich eine Story, die sich jeglicher physikalischer Gesetze entbehrt, mehr noch, welche so ziemlich alle unrealistischen und haarsträubenden Aktionen tangiert, die man sich vorstellen kann, und bei denen Cameron munter drauf los inszeniert, wie er eben will. Doch ungewöhnlicherweise macht dieser Trash Spaß, erfüllt seinen Zweck und kann eben nicht als störend konstatiert werden, nein, er macht sogar erheblichen Spaß. Spätestens bei den sorgfältig in die Handlung integrierten und perfekt choreographierten Actionsequenzen steigt der Adrenalinpegel mal schnell nach oben. James Camerons bewusste Überstilisierung kennt auch an dieser Stelle keine Grenzen, seine technisch virtuose Gigantomanie samt großangelegter Pyrotechnik kommt erst hier so richtig zur Geltung. Allem voran eine skurrile Verfolgungsjagd zwischen einem Motorrad und einem Pferd (!) in einem Luxushotel (!!), eine durch einen Treppenabsatz plötzlich losfeuernde Waffe, aber auch der aberwitzige Showdown, in dem "Arnie" die Initiative ergreift und die übrig gebliebenen Terroristen mit einem Kampfjet (!!!) bombardiert, gehören in besagte Überzeichnung.


Herrlich überzeichnet sind selbstverständlich auch die eigentlichen Akteure, egal, ob es sich da nun um Charlton Heston handelt, der sich selbst mimt, um besagte Ehefrau mit ihrem besagten Mann, der an einer explosiven Stelle von ihr als "Rambo" betitelt wird, oder um arabische Terroristen. Arabische Terrorristen, die direkt dem polemischen Bilderbuch entsprungen zu sein scheinen sowie in Sachen Aussehen und Verhaltensweisen nahtlos an den Prototypen klischeehafter Antagonisten anknüpfen können. Arnold Schwarzenegger verhällt sich in diesem bewusst realitätsfremden Gefüge gewohnt routiniert und lässig. Freilich, der "Arnie", hier ist er in seiner Welt in einer Rolle, die er eben spielen kann. Jamie Lee Curtis verkörpert ihre Wandlung vorzüglich und noch dazu mit einer Prise Selbstironie, ohnehin ist sie der heimliche Star in diesem Nobrainer, ihre Chemie mit ihrem Mann stimmt, wodurch Curtis so eine ebenbürtige Partnerin für ihn darstellt, während beispielsweise ein Tom Arnold als Harry Taskers Partner Albert Gibson tendenziell eher abstinken kann. Da kann er noch soviel plappern und plappern, einen Flachwitz nach dem anderen raushauen, wenn gerade "Arnie" die Bühne des Geschehens betritt und passenderweise seine (treffenden) onliner offenbart, bleibt für Arnolds' angestrengte Komikeinlagen oftmals nur ein müdes Lächeln übrig. Des Weiteren gestaltet sich hauptsächlich die Lauflänge des Streifens als gewichtiges Problem. Nach dem großartigen Toilettenkampf und anschließender Verfolgung ist erst mal Schicht im Schacht. Wenngleich es mal hier und mal da einige kleinere Szenen gibt, die für sich allein stehen (Verhörszene), herrscht vor allem im Mittelteil ein eklatanter Leerlauf, dessen Leerlauf Cameron wiederum mit unnötigem Ballast zu füllen versucht und es so erst wieder im dreistufigen Schowdown richtig krachen kann - dann aber gewaltig. Ein Rätsel bleibt jedenfalls Bil Paxton als schmieriger Gebrauchtwagenhändler und zugleich mysteriöser Skinner, der weder die Handlung entscheidend voranbringt, noch von Relevanz ist, dessen wirkliche Absicht als Spion doch eher im Dunkeln bleibt und der letzten Endes genauso überflüssig ist, wie die als eye catcher nur allerhöchstens fungierende Juno Skinner (Tia Carrere).

Fazit

Was bleibt, ist ungemein unterhaltsames, augenzwinkerndes Persiflage-Kino in Reinkultur um Sein und Schein in der Ehe, echten und falschen Agenten sowie – wie der Titel es bereits evoziert – wahre Lügen und ihren nach sich ziehenden Komplikationen. James Camerons in allen Belangen bewusste Übertreibung, die sich manchmal gar ins Absurde hineinsteigert, darf daher als gelungener, handwerklich gewohnt tadelloser Versuch gewertet werden, trotz dass es dem Film an speziellen Ecken und Kanten fehlt, um mit diversen anderen Großproduktionen des Kanadiers mithalten zu können. Trotzdem für Actionfans - und nicht für die - Pflichtprogramm.

7,5/10