Posts mit dem Label Wim Wenders werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wim Wenders werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 9. September 2016

"Every Thing Will Be Fine" [D, CDN, N, S 2015]


Wie tot kann Kino sein, werden, gipfeln? Toter als tot – das ist "Every Thing Will Be Fine". Glatt eine Lüge, dieses "Fine". Wim Wenders, sonst bekannt für schlingernde Meditationserfahrungen unterhalb des Bewusstseins, sah einem Film beim Sterben zu. Aber gelingt ihm nicht gerade dadurch einer, der sich unbeirrt einer sakralen Trauer verschreibt, die ohne vordergründigen Seelenkitsch Menschen als Objekte zurücklässt? "Every Thing Will Be Fine" ist ein sachtes, dekoratives Trauerdrama, Ellipsen und (Zeit-)Sprünge durchziehen es, während ein Unfalltod Linien der Kommunikationslosigkeit und Nichtverwurzelung nach sich zieht. James Franco spielt einen statisch in Schauspielmauerwerk eingegossenen Schriftsteller, der im Schreiben Ereignissheilung vermutet. Teils Sprachtheorie, teils Entfremdungsexegese, weiß Wenders genau, wie er Emotionen arrangiert, anstatt sie impulsiv zu entladen. Offensichtlich an Antonioni angelehnt, platziert der Autorenfilmer Balken und Streben im Bild, um mit materiellen wie nichtmateriellen Hindernissen zu kokettieren, die in den Figuren deren geistige Erschöpfung signalisieren. Dieser Wenders ist entschieden "anders", ein wenig formalistischer, ein wenig gezielter und manchmal gar ein wenig schlagwortartiger. Der traditionell pathetischen Verarbeitungstragödie schlechthin fügt Wenders also die Mathematik hinzu: Er analysiert in den Gesichtern seiner Darsteller und anhand des mehrsprachig-topografischen Raums, in dem diese Darsteller umschlossen wie eingeschlossen sind, sowohl positive als auch negative Ergebnisse ausgelaugten Seins.  

6 | 10

Freitag, 13. Mai 2016

"Hammett" [USA 1982]


Ungeachtet von kniffligen Drehbuchänderungen und diffizilen Produktionsschwierigkeiten mit Francis Ford Coppola offeriert Wim Wenders' metafiktive Dashiell-Hammett-Rückbesinnung erotisch-störrische Abgründe in einem "Asphalt-Dschungel". Etwas in "Hammett" zu erkennen, Menschen, Details, Hinweise, fällt schwer – das nächtliche San-Francisco-Schwarz oder das zugestellte Szenenbild gehen mit dem Gelübde konform, nicht mehr differenzieren zu können zwischen dem Wahren und Falschen, zwischen dem Handfesten und Halbseidenen. Frederic Forrest, die Studiobesetzung, verkörpert den Schriftsteller Hammett, aber auch den Detektiv Hammett, der sich durch ein verpestetes, dampfendes, ja treppenstufenübersätes Chinatown vorwärtsermittelt, aber auch vorwärtsschreibt. Parallel zum Krimi, der zunehmend vertrackter wirkt, steigert Wenders die dekorative Künstlichkeit zweier Welten, der literarischen wie der schöpferischen, um das stimulierende Erleben von Geschichten aus dem Leben selbst reflexiv zu untersuchen. Die Insignien des Film Noirs akkumuliert der Film nichtsdestotrotz, auch wenn rabiate Keilereien (gegen "Frühlingsrollen") die Oberhand gewinnen: tödliche Täuschungen etwa oder sich im Nichts auflösende Randspuren. "Hammett" ist dabei selbstredend nicht der Wim-Wenders-Film. Sein Tempo ist ein weniger meditierendes, sondern zielgerichtetes, ein weniger langsamer denn langsamen Schrittes Geschwindigkeit aufnehmender Oldtimer, das Projekt ganzheitlich von Animositäten geprägt, Korrekturen, Stress insbesondere. Wenders hat diese Erfahrung mehrmals verarbeitet; ihm wollte andererseits ein auf spannendste Weise zerrissenes Werk der Anpassung gelingen, das daher keiner Kategorie gerecht wird.  

6 | 10

Mittwoch, 7. Januar 2015

Die imposanten 7: Erstsichtungen 2014, Gold

  #7 
    »TENEBRAE«    
»TENEBRE«
(I 1982 | Dario Argento) 


#6
    »WEEKEND«    
(F 1967 | Jean-Luc Godard) 


  #5
    »DIE SPIELREGEL«    
»LA RÈGLE DU JEU«
(F 1939 | Jean Renoir) 


 #4
    »EINS, ZWEI, DREI«    
»ONE, TWO, THREE«
(USA 1961 | Billy Wilder) 

KRITIK 


#3
    »TOD IN TEXAS«    
(USA, GB, D 2011 | Werner Herzog) 


#2
    »LONE RANGER«    
(USA 2013 | Gore Verbinski) 


 #1
    »PARIS, TEXAS«    
(F, D 1984 | Wim Wenders)