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Freitag, 29. August 2014

"Phoenix" [D 2014]


[...] Umstandslos glaubt man ohnedies diesem zackig arrangierten Film, seiner fasslichen, nie verkrampften Gefühlsseligkeit und prosaischen Sachlichkeit, Lautstärke nach Maß auszugleichen. Gestützt auf die Priorisierung der Berliner Schule, auf das Gezielte und Detailfeste, erzählt Petzold einen einstweilen geschlossenen Ausschnitt breiterzählerischer (NS-)Historie in Form einer saloppen Kriminal- und Verkleidungsparabel, die im Schwelgen von unlesbaren Gesichtern und deren zaghaften Blickschichten eine meditative Wirkung erzielt. Dabei ist Nelly (Hoss) das Gespenst im Körper, der nicht ihrer ist, Kind einer Generation, die gebrochen, zerstört und entmenschlicht durch verschlissene, zerlumpte, brüchige Landesüberreste wandert und sich an dem klammert, was nicht nur alten, entschwundenen Erinnerungen, sondern annäherungsweise ihrem ursprünglichen Ich entspricht. Ihre Maske, das aufgesprungene, bandagierte Gesicht, an ihr traut sich die Kamera nicht heran, windet sich; "Phoenix" ist ein stilles, passiv-sinnliches Liebesspiel, das sich selten öffnet und zu uns spricht, um sich nicht zu laben am Schrecken. [...]


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Mittwoch, 27. August 2014

"A Most Wanted Man" [GB, USA, D 2014]


[...] Ein Ziel hat "A Most Wanted Man" durchaus, aber Corbijn lässt seine Stars (von denen Willem Dafoe als ölig-verdutzter Bankier gesonderte Strahlkraft bezeugt) durch kein Labyrinth stürzen. Der Film huldigt bevorzugt schnelldirektem, aber auch eine Spur zu ausgefranstem Genrekino mitsamt nächtlicher Fußverfolgungen entlang der Nahverkehrsmittel ("Dressed to Kill") und überreizten Spannungszuspitzungen (unterschreibt er oder überlegt er es sich anders?), partiell durchbrochen von pazifistischer Beziehungsmenschlichkeit zwischen einem Ex-Terroristen (Grigoriy Dobrygin) und seiner Anwältin (Rachel McAdams). Zu den extremistischen Ablagerungen einer Religion beruft er sich, seines Zeichens weniger verzwickter Rätsel- denn kausaler Ausdrucksfilm, jedoch auf bierernste Kneipenphrasen und -plattitüden. [...] Erst infolge des abrupt ausgehangenen Endes traut sich Corbijn die Ellipse zu – es ist das, was uns von Philip Seymour Hoffman bleibt. Er steigt aus, die Kamera folgt ihm längst nicht mehr. In seinem Gesicht hinter der Autofahrertür spiegelt sich eine Reihung an observierenden Fensterornamenten, die große Bühne. 


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