Das existenzialistische Verlorensein, die DNA der Science-Fiction-Philosophie schlechthin, begeistert Damien Chazelle beileibe nicht. "Aufbruch zum Mond" ist ein Biopic technizistischer Entmachtung – die Astronauten um Neil Armstrong (betonverhärtet: Ryan Gosling) und Buzz Aldrin (rüpelig: Corey Stoll) müssen sich in enge, klaustrophobische Kommandomodule zwängen, rotieren wie in Trance und sehen das schwarze Außen durch ein winziges Guckfenster. Den Blick dorthin, wo die Fantasie das Nichts des Alls ausfüllt, spart sich Chazelle (meistens). Er erklärt die Helden zu alltäglichen Überlebenskünstlern, indem er deren Sicherheit beständig in Frage stellt. Aber "Aufbruch zum Mond" will auch verklären: die erste Mondlandung als biblisches Fortschrittsprojekt, Neil Armstrong als liebender, stellenweise egomanischer Familienvater, dem der Geist (wortwörtlich) seiner verstorbenen Tochter (Lucy Stafford) vor der Bewusstlosigkeit rettet. Die Kitschkuh nostalgischer Rückeroberung geht mit Chazelle ein zweites Mal durch. Jenseits von skeptischen Zwischenfragen einer unter Konkurrenzdruck fatal sich verselbstständigen Aufwärtsentwicklung gegenüber, die in eine gefährliche, Menschenleben einfordernde Schieflage zu geraten droht, verfilmt er einen NASA-Bilderkatalog himmlischen Heulens. Wer war Neil Armstrong, wer war, eigentlich, seine Frau (Claire Foy)? Berechtigte Fragen, einfältig beantwortet. Während sich Janet Armstrong (Foy) der Rolle der Hausfrau fügt, treibt die Trauer ihren Mann (vor)an, um sie – auf dem Mond – schließlich zu beerdigen. Die Oscar-Jury jubelt ergriffen.
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Mittwoch, 12. Dezember 2018
Montag, 28. Juli 2014
"Planet der Affen: Revolution" / "Dawn of the Planet of the Apes" [USA 2014]
Was macht Gary Oldman, der lauthals plärrende Führer, der deprimierte Anführer, der bebrillte Laudator, nachdem der Strom angeknipst wurde? Er hechtet zum Tablet, einschalten, Internet, Faceboo… nein: Familienbilder aufm Bildschirm glotzen und zwischendrin 'ne Heulattacke. "Planet der Affen: Revolution" für bare Münze nehmen? Nein, denn zu groß die Idiotie, zu klein das ironische Gegenlesen. Des Films (unabsichtliche) Komik ist exquisit – unerwartet und erst dann exquisit, wenn eine das Herz des Publikums bombardierende Theatralik gezuckerter Affenromantik kulminiert. Da braucht es auch einen fiesen "Affen-Rambo", der als alleiniger Delinquent mit Schießeisen und Raketenwerfer durch das Schlachtfeld galoppiert, sich an einen Panzer hängt und wutentbrannt wie Schwarzenegger schnauft. Exquisit, die Komik. Gern wiederholt. Aber Matt Reeves (Filmografie: affengruselig) schnieke geklammertes Sequel zum Prequel darf sich einem Vergleich zum Überraschungsvorgänger sowieso nicht hingeben. Sein IQ ist bis auf ein paar herzbewegend humanistische Querschläge in allen Belangen unterlegen – Affen-Slapstick, Munitionsverschwendung, Soap-Gemütlichkeit, durchschaubar abzielend auf ein sensationsunterfüttertes Auge-gegen-Auge-Duell. "Planet der Affen: Revolution" möchte sein Universum nicht konkretisieren, weswegen die raugestimmte Authentizität einer dreckbefallenen Dystopie weichgespülte Schauspieler hervorbringt, die, frisch rasiert, Zähne geputzt, gebügelte Kleidung, fremdkörperhaft um Facetten abseits des Offenkundigen buhlen. Zugegeben: Unlogik darf kein Gradmesser sein, Abscheu zu artikulieren. Solange sie uns kopfschüttelnd kichern lässt.
4.5 | 10
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