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Freitag, 7. September 2018

"Sweet Virginia" [CDN, USA 2017]


Hunderte Filme beginnen mit einem Auftrag – und in tausenden Filmen verkompliziert sich die Bezahlung. So auch in "Sweet Virginia". Elwood (Christopher Abbott) heißt dieser zu einem Auftrag überredete Sprachlose, der gleichgültig, wirksam seiner Mission – ein Auftragsmord – nachgeht. Bezahlt wird er von Lila (Imogen Poots) nicht, noch nicht. Da Elwoods Geduld nicht unendliche Verzögerungen und Ausflüchte erträgt, deformiert Jamie M. Dagg eine zunächst schnörkellos verdichtete Situation weniger Beteiligter zu einem vor Anspannung zitternden Misstrauensmelodram. Die Lähmung, die fortan grassiert, überträgt sich auf Szenen einfrierender Regungslosigkeit, etwa in einem Restaurant inmitten eines unvermuteten Treffens zwischen Auftragnehmer und Auftraggeberin. In diesen Szenen kulminiert eine dunkelschwere Ungeduld darüber, wann das Schweigen eventuell zu einem durchdringenden Schreien wird. Während einer reduzierten Autoverfolgung fiebert der Zuschauer gar um das rote Ampelsignal, das auf grün schnellstmöglich umschalten muss, damit Lila fliehen kann. Die etwas den Duft des Handwerks zeitleer verströmende, sparsam fatalistische Hinterlandatmosphäre fängt der Regisseur bestens ein, obwohl Elwood, Lila und der frühere Rodeo-Cowboy Sam (Jon Bernthal), der im Übrigen eine deplatziert hineingeschriebene Affäre hat, kaum charakterliches Profil aufweisen, um nicht länger als maximal 90 Minuten zu funktionieren. Ein wenig seicht und definitiv zu baukastenartig ist "Sweet Virginia" folglich – trotz viel Schatten und noch mehr Verliererschwärze.

5 | 10

Freitag, 21. März 2014

"A Long Way Down" [GB, D 2014]


In die Untiefen des hyperhysterischen Betroffenheitskitsches vordringendes Suiziddrama, das sich hochgradig wichtig und prinzipiell philosophisch gibt, um sich sogleich zu verkaufen, an eine Multiplex-Moral, an Lebensplattitüden, an feuchte Wangen, tränende Augen und der Garantie, dass das hauptsächlich auch kurzweilig zu sein hat. Nick Hornbys skurrile Ausgangsposition über vier potenzielle Selbstmordkandidaten, die sich gegenseitig davon abhalten, überträgt Pascal Chaumeil in einen entzweigerissenen Film: Für pointierte, lakonische Sprücheklopferei, echt Britisch, schwarz ohne Zucker, ist "A Long Way Down" zu brav und mit zusammengezogenen Zähnen in der zweiten Hälfte vermehrt am abgeschmackten Kuschelklassentreffen interessiert. Für ernste, lebenskluge Gedanken andererseits ist er, der Film, extrovertierter, flapsiger (Overacting-Grauen Imogen Poots, umhüllt von blonder Hohlheit) und behaglicher, als es ihm stehen würde. Gelegentlich sanfte Schmunzler über eine melancholisch-anarchische Gruppendynamik inbegriffen, verteilt auf "B-Promi" und Feierbiest Pierce Brosnan, Idiotenpolitiker Sam Neill sowie Dauerlügner Aaron Paul, mag man "A Long Way Down" zeitweilig mögen, seinen freien Geist, seine Lässigkeit, seinen optimistischen Charakter eines Lebens, das es trotz Dunkelheit und Qual wert ist, gelebt zu werden. Aber was nützt alle Energie, wenn sie verpufft? Sobald Chaumeil das Mitleid seines Publikums herausfordert, ist das kein Film mehr, der nett ist, sondern ausschließlich unfreundlich. Alles in allem Baukasten-Dramedy, mit charmant-überzogenem Presseheft. 

4.5 | 10

Mittwoch, 19. März 2014

"Need for Speed" [USA 2014]


Helikopter, Hindernisse und Hubraum: "Need for Speed", neuerdings als schnittiger Multiplex-3D-Film unterwegs, bleibt sich seiner Linie treu. Denn Anhänger der Spieleserie werden unvermittelt Echos hören und Vertrautes wahrnehmen. Die gleichen aufgemotzten Schlitten, die gleichen (Fahr-)Manöver, die gleichen Zusatzausschmückungen von Fahrziel eins zu Streckenabschnitt zwei, Gaspedalfetisch und die Todessehnsucht nach der sich nach rechts neigenden Tachonadel. Alles an "Need for Speed" ist ein liebevolles Zitat; selbst die altmodisch aufgebauten und fingerfertig geformten Verfolgungsjagden ohne digitalen Verschlimmbesserungseffekt. Was "Need for Speed" gewiss nicht von anderen Vortänzern unterscheidet. Der Film verfügt zudem nicht über das lebendige Figurenarsenal der "The Fast and the Furious"-Endlosreihe (Ausnahme: ein exaltierter Michael Keaton), deren Gewitztheit, deren Brechen der Formel und ehrgeizige Neuausrichtung. Hier ist Scott Waughs raues Autoballett zu starr, belastet mit Fracht, die auserzählen, aber nicht andeuten, fragmentieren, verdichten will. Aber was "Need for Speed" leistet, ist, dass er als einer der wenigen erwähnenswerten Actionfilme jüngster Zeit als solcher wahrgenommen werden kann, weil er mit dem vertraut ist, was ein Actionfilm im Mindesten leisten und eskapistisch einfordern sollte, nämlich das Choreografieren und Koordinieren mit Räumen, Perspektiven und genauen Bewegungen. Hier ist Waugh in seinem Element – die Materialorganik ist echt, physisch greifbar und gemahnt an das belebend Gestrige. 

5 | 10