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Freitag, 19. September 2014

"Who Am I - Kein System ist sicher" [D 2014]


[...] So wie Benjamin "Fight Club" verehrt – in seinem Zimmer knurrt uns Tyler Durden entgegen –, so bewundert Baran bo Odar diesen angeblichen Revoluzzer-Aufschrei, wenn eine von sich eingenommene, zerstreute Montage surreal das (Dark-)Web (mit "Donnie-Darko"-Hasen) überspringt, um die Empfindungen einer angeknacksten Psychose zu umspielen, die von Hackermission zu Hackermission, von Anarchie zu Anarchie hechtet (lustig: ein verunglimpfender Hitler-Werbespot auf einer Wahlversammlung der "NBD"). Zum Ende hin verirrt sich "Who Am I" aber beträchtlich: Der Twistorama-Überfluss quer durch multiple Persönlichkeiten, verblüffende Drehbuchzufälle und einer erst elegant-spröden, später verweichlicht-weinerlichen Superpolizeitussi ("Hack' mal das Zeugenschutzprogramm!") vermag das Vorbild nicht zu kopieren, als auf seine Subversion hereinzufallen. Wo sich "Fight Club" mit dem hineingeschnittenen Penis Tyler Durdens als inszenierte Selbstindoktrination bloß legt und die Durchbrechung medialer Oberfläche universell lehrt, darf Baran bo Odars kleine, schamlose (und davongekommene!) Außenseiterbande eine Seereise antreten, während Benjamin kurz vorher beim Friseur war und sich eine silbrige Frisur färben ließ. Odar wird garantiert nicht mehr zum Godard. 


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Montag, 11. August 2014

"Die geliebten Schwestern" [D, Ö, CH 2014; Kinofassung]


[...] Florian Stetter spielt einen Friedrich Schiller, der, schöpferisch, bezirzend, idealistisch, aber auch liederlich und unzugänglich, das System herausfordert, in dem er hineingeboren wurde, dessen Schaumschlägerei, das Klammern an Direktiven, konservativen Kräften und Wertevorstellungen, die mit offenherziger Wahrheit und rationaler Gegenkritik nachhaltig zu erschüttern, zu beeinflussen sind. Graf porträtiert nebenbei (und das ist ein bekanntes Motiv seines Schaffens) eine von Mentalitäten gekennzeichnete Welt voller Anpassungsschwierigkeiten, die im Aufbruch ist und einen Wandel zur Anerkennung vollzieht: Aufklärung, Buchdruckkunst, Prosa, Geschichtsliteratur, wohingegen der Sprache der Darsteller als solches (irre: Claudia Messner, die ihrem Diener drakonisch das Grinsen verbietet) andauernd etwas unübersehbar Artifizielles anhaftet, als ob sie einen Text aufsagen, statt ihn zu gestalten. Das Problem deutscher Biedermeier-Theatralik, die synthetisch, schmalzig wirkt, infiziert auch diesen ambitionierten Graf-Film szenenweise. [...]


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