Posts mit dem Label Gareth Edwards werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gareth Edwards werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 28. Dezember 2016

"Rogue One: A Star Wars Story" [USA 2016]


Am eindrucksvollsten ist diese fleischige Dunkelheit, diese klippenartigen Felsmassive, und wer wäre geeigneter als der aus Stein gemeißelte Mads Mikkelsen, dies zu verstärken? "Star Wars", ein technoider Alptraum, ohne Maske quasi, der Maske des Magischen, insofern eine "Entzauberung". "Rogue One: A Star Wars Story" versucht sich an einer Umdeutung der Verhältnisse, an gewaltigem (Marvel-)Kriegsgeflirre, an infernalischer Reaktion – wie der zweite aus sich heraus implodierende Auftritt Darth Vaders (Spencer Wildling) beweist. Aber das Post-Lucas-"Star-Wars" ist nicht mehr länger (oder: schon längst nicht mehr) das "Star Wars" von früher. Überraschungsarm, schier ohne tragische Raffinesse erzählt Gareth Edwards eine kurze Nebenlinie nach, aber er erzählt auch über "Star Wars" und teilt sich hiermit das Hauptproblem jener Episode zuvor, die partout nur Gemeinschaftswiederholung denn Autonomie war: Regelrecht entfesselt verliert sich diese vermatschte Service-Maschinerie namens "Star Wars" in ihrer eigenen unverfänglichen Ikonografie. Wo die Mythen diesmal hinterfragt werden sollten, orchestriert Edwards sie abermals pompös, verpackt als ironisches Fanboy-Geschenk. Anstatt subtil an Wegbegleitern des Bösen vorbei zu inszenieren, entschloss sich der Film, sie vorzuführen, technisch verbesserungswürdig und gar aufdringlich symbolbeladen (der "Leia-Engel"). "Star Wars" ist, das lässt sich unumwunden feststellen, innerlich zerrissen, laut, klinisch, belanglos, gefangen nach alten Zeiten ersehnender Bildhaftigkeit. Aber die sind, bekanntlich, vorbei.  

6 | 10

Mittwoch, 14. Mai 2014

"Godzilla" [USA 2014]


Nichts simplifiziert "Godzilla", diesen maßgeschneidert-modernisierten Monsterclash, so sehr wie Alexandre Desplats rasendes, aber kontinuierlich lästig werdendes Crescendo von Einwegmusik: die Lustbefriedigung im pinselfetten Bild. Immer wenn Gareth Edwards das animalische Bild, das zersetzende, zugleich aber auch von makabrer Schönheit flankierte Untergangsbild über die Leinwand zieht (Bonmot am Rande: Edwards aufgesetzte Michael-Bay-Affinität zu akkurat fotografierten Fluggerätschaften), wenn die Kamera zur Seite schwenkt, sich nach oben zittert, panisch andauernd in Ritzen, Lücken und Schlitze vorstößt, wenn das Inferno dadurch zum (zurückgedrängten) Überrest abgemildert wird, dann ist "Godzilla" interessanterweise ein Film, der erfinderisch genug ist, eine speziellere, verdichtete Perspektive klassischen B-Monstertrashs einzunehmen, während sich dessen Naturgewalten in verkleinerten Sichteinheiten auswickeln. Aber "Godzilla", und das war vornherein verständlich, ist selbstverständlich kein Drehbuchfilm und sollte auch keiner sein. Die Geschichte, die der Film versucht zu bebildern, erfüllt trotzdem alle Vorlagen des (megaschrecklichen) Stumpfsinns: unbelehrbare, diskussionsresistente Militärdeppen, indiskutable Schauspielverelendung und eine riesen Portion familiäre Glückseligkeit, die mit einem feuchten Froschschmatzer im Sportstadium besiegelt wird. Was zur Hölle? Echt? Dumm? "Godzilla" trägt dies alles derart innbrünstig mit weißen Knöcheln auf, dass einem die Guilty-Pleasure-Qualitäten des quietschvergnügt-schrillen Emmerich-Films ernsthaft fehlen. Ach ja: Godzilla, der jetzt für alle Zeiten tragische, entmystifizierte Held wider Willen, warum verdrückte er keine Träne?    

4.5 | 10