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Freitag, 17. Januar 2014

"The Ward" [USA 2010]


John Carpenter hat wieder Bock auf Kino. Vermisst hatte man ihn nicht. Seine Regiearbeiten, früher dicke Empfehlungen, heute schmerzliche Warnungen, ließen die Leidenschaft vermissen, sich fürs Geschichtenerzählen neu zu entflammen. "Okay, mach' ich halt wieder 'nen Film. Mir egal. Also zuerst das dort, das drehen wir so. Nein, reicht. Ich muss die Glotze pünktlich daheim einschalten." Prinzipiell hätte sich Carpenter auch "The Ward" sparen können. Anders als Wes Cravens brechend parodistische Metasause "My Soul to Take" arbeitet sich Carpenter ironiefrei und inspirationslos durch abgegriffenen Geisterschwank, bei dem, natürlich, etwas lauert, um, natürlich, Rache zu üben, was, natürlich, alles ganz anders kommt. Ein nicht minder heftiges Gähnen begleitet diesen Sammelband im Kuckucksnest (Elektroshocks, Tabletteneinnahme, üble Schwester), der wahrscheinlich nur bei denjenigen wirkt, die noch nie im Leben einen an unterschwellige Ängste kreuzbrav appellierenden Film gesehen haben. "The Ward" steht dafür, dass Carpenter den Anschluss verpasst hat: Die als verflucht clever verkauften Psychokinkerlitzchen überdecken ein Klopapier-Drehbuch, das sich im inneren Kreis des Kreisels dreht. Sein seit "Assault" beständig kultiviertes Isolationsszenario hat sich Carpenter dagegen im Gedächtnis gespeichert. In symmetrischen, überlebensgroß artifiziellen Winkeln jagt er seine dusseligen Figuren durch Raum, Versteck und Belagerung im Ticken eines Metronoms. Das sind, man staune, punktuelle Carpenter-Lebenszeichen.

4 | 10

Sonntag, 5. Februar 2012

"Stepfather" / "The Stepfather" [USA 2009]


Der Feind in meinem Schlafzimmer, böser Stiefvater, Wahnsinn im Privaten, manchmal packend, größtenteils dumm, doch warum? An der Fotografie kann's nicht gelegen haben (Patrick Cady), denn die schnittige Kamera ist einwandfrei, jene, die gern mal den Straßenverkehr von oben begutachtet. Genaugenommen allerdings ein sexualisierter Full-HD-Photoshop-Porno aufgehübschter, faltenloser Gesichter (<3: Amber Heard, Paige Turco) und parallel dazu ein nicht enden wollender Laufsteg nackter muskulöser Oberkörper in einem unübersichtlich-eckigen Eigenheim, posierend, aber leider ohne Penetration. Wie ein voluminöser Luxusliner manövriert sich das Remake durch ganze Küstengegenden an Genrekonservatismus, dessen Schiffsschraube alles anzieht, was irgendwann einmal als spannungsfördernd gegolten hat, heute jedoch die Spannung – was immer das auch heißen mag – konsequent zerhackt. Und damit den gegenseitig belauernden Terror innerhalb der Familie auf schale Gesetze eines pathologisch unzureichend begründeten Eindringlings ins sozial geordnete Lebensgefüge herunterbricht, wo der entsetzliche Ödipus lediglich leise anklopft, das Buhlen also zwischen dem Sohn (heiß: Penn Badgley) und Vater (kalt: Dylan Walsh) um deren Mutter und Frau (lauwarm: Sela Ward), die Einsamkeit wie Naivität älterer Frauen lapidar zur Sprache kommt und eine kleinbürgerliche Entlarvungssatire einer makellosen Familie ebenso wenig zündet wie der dazu benötigte Humor. Das hätte was werden können. Das ist das geworden – leerer Akku im folgenschweren Moment, herunterfallendes Handy bei entscheidendem Anruf, Beobachtungsobsession des Bösen an vermeintlich unvorhergesehenen Örtlichkeiten, Leiche im Keller, Säge, Treppensturz, Genickbruch, sich der ersten Verdachtsperson entledigen, Musik schwillt an, noise as noise can, der Mörder huscht ins Bild, Zack! Gähn!

4/10