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Mittwoch, 4. Januar 2017

"Entourage" [USA 2015]


Sich räkeln überall, Sonne, Fleisch, Dekadenz. Doug Ellin spendierte den "Entourage"-Fans einen Abschlussfilm, der sich den klimatischen Bedingungen der gleichnamigen Serie angleicht, zugleich aber jene sommerliche Kühle der letzten Staffeln opfert – und sich in eine sommerliche Zerstreuung katapultiert. An den zuletzt konservativen (Beziehungs-)Werten allerdings, an denen scheint nichts und niemand ernsthaft zu rütteln. "Nett" oder "begehrenswert" ist hier vieles, selbst die hochpreisigen Totalen, der variierte Vorspann, ein nichtssagend übersättigtes Kaleidoskop. Dazwischen sehen wir, beiläufig eingeschoben, Vincent Chases (Adrian Grenier) Anfänge als Mentos-Werbegesicht, strahlend idealisiert. Dieses "Strahlen" überstrahlt auch die, die stets im Schatten ihre berufliche Identität suchten. Dramas (Kevin Dillon) Geschichte vom ewigen Etappenloser zum, eine kathartische Pointe, endlich gesättigten Erfolgszufall wird vollendet. Er bolzt seinen Grammy in die Höhe, "Victory!", endlich angekommen in der Anerkennung. Derweil muss sich Superstar Chase mit weniger ehrenhaften Allüren beschäftigen. Seine erste Regiearbeit "Hyde" provoziert einen restriktiven Finanzier; es geht um Budgetüberschreitungen, um… Frauen. Was sonst? Obschon der Film familiäre Einigkeit ausstrahlt (das "Strahlen" eben), Jungs und Mädels wiederholt zu treffen, die es doch irgendwie wert sind, diskreditiert Ellin "E" (Kevin Connolly) in einigen haarsträubenden Liebesgeplänkeln zum unersättlichen Schwerenöter. Ein Fremdkörper. Und ein bisschen peinlich. "Entourage" rückt "Entourage", immerhin ein Verdienst, gerade: bei Freunden.   

6 | 10

Freitag, 13. März 2015

Serien: "Entourage" - Staffel 2 [USA 2005]


Staffel zwei kopiert eine Parallele zur vorangegangenen, aber kürzeren: Die aller heiter-aufgekratzten Gelassenheit ausweichende Frage, ob familiär unterfütterte Freundschaft früher oder später darunter leiden muss, wenn Vincent "Vince" Chase (Grinsemaul Adrian Grenier) von der Institution einer Industrie Zucker in den Arsch geblasen bekommt, befördert sich erst in den letzten, dezidiert tragikomischeren Episoden zum Knotenpunkt einer Serie, die Substanz aus Spott bezieht – zurückhaltend geradezu. Dafür hangelt sich "Entourage" diesmal am stringenten Konstruieren eines motivischen Erzählgedankens entlang. Während sich Vince mit seiner einstmals Angebeteten Mandy Moore (Mandy Moore) herumplagen muss, kommt erschwerend hinzu, dass ein Superheld, für den er sich nicht hält, in einem bombastisch Umsatz generierenden Superheldenfilm den Superhelden spielen muss. Für pralle Säcke Geld. Von James Cameron! Im Schatten Camerons verwurzelt, zieht "Entourage" nun auch um – in ein nebenlinienhaftes Panoptikum komplizierterer Wechselbeziehungen, die diktatorisch ihren Blickwinkel verschieben, falls die Technik (des menschlichen Miteinanders) aussetzt. Kotztütengroßartig: Malcolm McDowell. Dass unsere Dorftrampel und Möchtegern-Frauenversteher trotzdem noch Zeit erübrigen können, Hugh Heffner zu besänftigen, für chinesische Red-Bull-Werbespots Kloppe zu lernen, auf dem Sundance Film Festival vier Stunden Egozentrikerkunst durchzustehen und auf der Comic-Con ihrer verflossenen Vergangenheit nachzujammern, unterstreicht: Erneut ist "Entourage" (im episodischen Fragment) quietschend komisch und erfolggekrönt (am prophetischen Plakat). Cameron halt.

7 | 10

Mittwoch, 11. März 2015

Serien: "Entourage" - Staffel 1 [USA 2004]


Einen Spaltbreit offen. Mehr nicht. Dahinter schrille Begeisterung, Moneten, Mösen. Reißende Beglückwünschung in einem Geschäft, dem sich "Entourage" widmet. Schlüssellochartig. Pragmatisch-ungehorsam. Im Showbusiness und in einer Stadt, deren Verfehlungen das Entertainment manövriert, stoßen, schwatzen und kalauern sich vier aufreizend-aufstrebende Jungstars um den Aufstieg des Fotos auf der Titelseite einer neuen, goldschillernden Filmvorstellung: "Vince" (jeden Tag ein Stich), "E" (überlegt sich jeden Stich), "Turtle" (nie ein Stich) und "Drama" (eine entbehrliche Fernsehmumie). Kunsttheoretischer Philosophieunterricht mit Gary Busey (1×06: "Der alte Mann und der Strand"), Szenenberatschlagung über einen Blowjob mit einem psychotischen Scorsese-Kurosawa-Plagiator (1×07: "Die Szene"), schmachtende Telefonanrufe mit Scarlett Johansson (1×08: "New York") – wie "Entourage" einen metaironischen Kosmos an fiktivem Nonsens, überzeichneten Mutmaßungen und biografischem Firlefanz einbindet, um ein repetitives Alltagsgeschäft auszuloten, ist mit der nötigen Kleinigkeit Biss porträtiert. Obschon Staffel eins nicht loslegt, sondern Chancen und Hintertürchen testet. Aufgepäppelt in acht Episodenstreiche (aber offenkundig mehr Stichen), baut der Beginn einer ebenso voyeuristischen wie glühenden Milieu-Sitcom einen Handlungsausschnitt auf den nächsten. Im Hollywood der Schleifen, Kreise und Wiederholungen wartet "Entourage" mitsamt seiner hedonistischen Protagonisten auf den Anruf des Agenten (unvergleichlich keck: Jeremy Piven), der den Fortgang der Zukunft entscheidet. Zitternd, lüstern. "Entourage" ist vorerst verspielte Unmenschlichkeit auf der Jagd nach Eingespieltem.

7 | 10