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Dienstag, 12. März 2013

"Invasion U.S.A." [USA 1985]


Wir sind die Schönsten, Klügsten, Größten, Stärksten, Erhabensten, aber weshalb sind sie die Schönsten, Klügsten, Größten, Stärksten, Erhabensten, wenn die gesamte Verteidigung eines Landes keine jämmerlichen Ostblock-Terroristen daran hindern kann, mit ein paar explodierenden Einfamilienhäusern Infrastruktur und Sicherheit zur Anarchie zu erklären? "Invasion U.S.A." erinnert ein wenig an "Stirb Langsam 4.0", nur in Analog. Und an einen dummdreisten Vorführfilm, den George W. Bush bei seiner Kampfrede zur "Achse des Bösen" instrumentalisierte, um in einer umgeschnittenen Fassung am lebenden Beispiel zu zeigen, welche Folgen es haben kann, falls man nicht schleunigst in den Irak einmarschiert. Dann kommen sie nämlich über Wasser über die Westküste mit Landungsbooten, die Iraker – Spielberg klaute diese Sequenz für sein cineastisches "Call of Duty" und keiner hat's mitbekommen.

Was Bush allerdings nicht hatte: Chuck Norris, Ein-Mann-Armee und Witzfigur, weil jeder über ihn Scherze reißt, aber die Mehrzahl derer, die sich lustig darüber macht, wer wem einen Roundhouse-Kick verpasst, ihn wahrscheinlich nie in einem seiner Filme zu Gesicht bekommen hat. Besser so. Oder auch nicht. "Invasion U.S.A" taugt heute mehr als unfreiwillige Komödie für einen feuchtfröhlichen Partyabend, deren Komik sich aus ihrer propagandistischen Ernsthaftigkeit speist. Überaus grandios bedeppert, wie es der verdammte Hurensohn innerhalb weniger Sekunden per Teleporter jedes Mal fertig bringt, genau da zu erscheinen, wo es brennt – eine Bombe am Schulbus (Norris ist zur Stelle), ein Überfall im Kaufhaus (Norris ist zur Stelle), eine Schlägerei im Nachtclub (Norris ist zur Stelle), eine geplante Explosion in einer vollbesetzten Kirche (Norris ist zur Stelle), die Erschießung der Zivilbevölkerung durch falsche Militärsoldaten (Norris ist zur Stelle). Norris ist zur Stelle, stets schwarze Handschuhe tragend, den lapidaren Gesichtsausdruck formend, zwei Kanonen am Halfter und den wichtigsten Einzeilern auf den Lippen, dass die Zeit zum Sterben gekommen ist.

Sein Widersacher ist ein psychotischer Kleingeistrevolutionär, von Richard Lynch durchtrieben-geschmacklos gespielt, der in einer originären Traumsequenz seiner Nemesis, Hunter (Norris), gegenübersteht und dann im entscheidenden Moment schreiend aufwacht. Solch' eine eigenwillige Szene hätte man  Joseph Zito gar nicht zugetraut. Das Drumherum ist dagegen gewohnt langweilig, doof, schmerzhaft pathetisch nach Schablone gezeichnet, die Reporter-Nebenstory artet überdies zwar nicht zur Liebelei aus, aber sie ist trotzdem überflüssig. Wenn dann endlich geballert wird, fährt Zito schweres Kriegsgerät auf, ein Extrembeispiel kindlicher Zerstörungswut, lange vor Bay und Emmerich: Bazookas, Handfeuerwaffen, Schrottflinten, Maschinengewehre, Panzer, Atombombenfeuerwerk, Hetzjagden durch Weihnachtsabteilungen eines Warenhauses und am Schluss mischt die Nationalgarde des gesamten Landes mit, während sich Prota- und Antagonist das letzte Duell in verwinkelten Büroräumen liefern.

Spätestens da wünscht man sich die 80er-Dekade zurück, als alles noch politisch unkorrekt mitsamt bluttriefenden Einschusslöchern einfach weggesprengt wurde, nicht dieser wacklige Kindergeburtstag von heute. Auffallend ist jedenfalls die Brutalität und Gnadenlosigkeit des Gezeigten: über eine Leiche wird gefahren, Frauen niedergestreckt, Familien ausgelöscht. Dummdreist, pervers und weit weg vom Prädikat "moralisch wertvoll" der Filmbewertungsstelle Wiesbaden ist dieser Film, aber nicht ohne einen kaum zu leugnenden, sadomasochistischen Unterhaltungswert. Ausholen… Roundhouse-Kick… Boom! 

5 | 10

Freitag, 16. März 2012

"Hero" / "Hero and the Terror" [USA 1988]


Wer den allseits bereiten Brandlöscher Chuck Norris unbedingt als ohnmächtig werdenden Geburtshelfer sehen möchte, dem sei "Hero" wärmstens empfohlen. In "Hero" zeigt das Gespött abgeschmackter Schulpausenscherze seine sensible, seine verwundbare Seite. Er steht kurz vor der Heirat, wird obendrein Vater, muss nebenberuflich allerdings einen aus der Nervenheilanstalt ausgebrochenen irren Schlächter dingfest machen, jenen nämlich, den er vor ein paar Jahren blutüberströmt eingebuchtet hatte. Was so davor und danach Salto schlägt, entspricht eingebürgerten Regeln der Cannon-Produktionsschmiede eines unprätentiösen Genrefilms Abteilung B zwischen braver Serienkillerjagd und eiserner Haudraufprügelei; mitnichten geistreich, aber das ist Chuck Norris. Das heißt auch, dass Logik von vornherein ausschließbar zu sein hat. Gedankliche Zweifel, Gitterstäbe mit Hilfe von Leim und Zahnseide (!) aufzubrechen, sollten genauso schnell in den Weiten der Hirnwindungen verdampfen wie der rätselhafte Zugang des Frauenmörders zu seinem eingemauerten Versteck. Ungeachtet, dass sich Regisseur William Tannen alle erdenkliche Mühe gibt, aus anschwellenden Musikarien Unbehagen und Feindseligkeit zu illustrieren, tappst der Film häufig zu unbeholfen in allerlei Fettnäpfchen, wenn irgendeine Figur auditiv-polternd ins Bild huscht (und die Opfer dort ihren Genickbruch erleiden, wo es der Zuschauer zu ahnen glaubt).

Ein weiteres Defizit schlägt sich darin nieder, dass die Liebesgeschichte unseres mimisch beschränkten Titelhelden Danny O'Brian (Norris) gewichtigen Raum im Drehbuch erhält, dass sie sich, mehr noch, im Verhältnis zu seiner forensischen Recherche wiederum unverhältnismäßig bläht und dem Film mitunter Fahrt raubt statt zu beschleunigen. Das ist insofern symptomatisch: Die Detektivarbeit ist schnell abgehakt, Norris braucht lediglich einen Grundriss des Theatergebäudes, um das Schlupfloch des Eindringlings nach ein bisschen theatralischer Kopfüberlegung rot markieren zu können. Auch der Gejagte selbst (physisch eindrucksvoll: Jack O'Halloran) verirrt sich in seiner ihm auferlegten Drehbuchlethargie zusehends, die keinerlei Motivation erkennen lässt, außer eben tierähnlich irre zu sein. Wofür sich "Hero" dennoch als kurzweilige Hirnausfantasie ausgesprochen gut empfiehlt, kristallisiert sich aus einzelnen Gelegenheiten heraus. Norris' ungewollt staubtrockener Humor in den wenigen Dialogzeilen, die er nuscheln muss, ist überaus anbetungswürdig (auf einer Pressekonferenz ringt er sich ein müdes "Nein" und ein ebenso müdes "Ja" ab). Zwei Wörter, zwei Sätze, spätestens ab da müsste man auf den Gedanken stoßen, dass er besser mit seinen Fäusten verbal tätig sein sollte.

Darüber hinaus geht Tannen atmosphärisch ans Werk, präsentiert angesichts eines klaustrophobischen, überaus muffigen, gleichfalls überaus schlecht ausgeleuchteten Theaterkomplexes gespenstische Spinnwebenstimmung, durch die Chuck Norris gefälligst zu kriechen hat. Die Actionsequenzen sind beileibe nicht derart zahlreich, als wie man sich das vorgestellt hätte, wenn der große Meister martialisch auf dem Cover vorgestellt wird, erfüllen ihren Zweck jedoch souverän ohne übermäßigen Schusswaffengebrauch. Im Showdown speziell geht es besonders körperbetont zur Sache. "Hero" erkundet außerdem handwerkliche Akkuratesse, ungewöhnlich für 'ne ausgestellte B-Pose. Es ist bezeichnend und sehr, sehr ungewöhnlich, aber nicht störend, dass ein Alptraum dann weitergeträumt wird, wenn der Träumer hektisch aufzuwachen droht – eine makabre Anfangsszene von irritierender Abscheu. Memorabel: Etwa mittig vermengt Tannen zudem zwei Handlungsstränge zum schweißnass-durchatmenden Geburts- und Sterbeprozess zweier Figuren in gesundheitlicher Extremgefahr.

5 | 10