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Mittwoch, 13. November 2013

"Ein einfacher Plan" / "A Simple Plan" [USA, F, GB, D, J 1998]


Von durchtriebener Montagekunst ist nicht viel übrig in Sam Raimis mutmaßlich perfekt eingefädeltem Plan, dessen titelquittierende Einfachheit höchstens als finsterer Euphemismus durchgeht. Die Kamera hält sich bedeckt, ihre Bilder ruhen, statische Einstellungen eines von Blut und Schnee kontrastherstellenden Naturalismus, der, sobald Leiche auf Leiche folgt, zu detonieren droht: Das ist weit weniger Raimi als gewohnt. An die Coens fühlt man sich erinnert, an die scheinheilige Idylle ihrer Filme am Arsch der Welt und der Garantie, dass das Unheil wie ein Damoklesschwert über den Sündern hängt. Sam Raimi hat die Coens nachweislich analysiert, und sein Film "Ein einfacher Plan" tackert im ikonografischen Stil der Regiebrüder tatsächlich Humbug an Humbug aneinander. Wobei der Ton ernster denn parodistisch ist, der Fatalismus daher umso bitterer, die mehr in Nieselform aufgetragenen Skurrilitäten Teil eines vergleichsweise realeren Weltgefüges. Der MacGuffin eines in der Pampa gefundenen Geldflugzeugs enthüllt dabei das Zündmittel für Gier, Egoismus und Schuld, für eine Perversion des amerikanischen Traums, der einmal um die Achse gedreht wird, um nach den Wogen familiärer Niederlage wieder – und das gleichermaßen demaskierend wie befreiend – am Ursprung anzugelangen. Als handwerklich strukturiert der Depression Schicksal verpflichteter Coen-Klon stellenweise herzallerliebst, tragikomisch, aberwitzig, und Billy Bob Thorntons schulmeisterliche Naivität im Aldibeutelkostüm hat Herz. 

6 | 10

Donnerstag, 6. Januar 2011

"Little Buddha" [GB, F 1993]



Majestätisch eingefangene Parabel über universelle Vergänglich- und Glückseligkeit, die zwischen ominös blaustichigen (also sehr bösen) und ominös gelbgetunkten (also sehr guten) Lebensvorstellungen überaus ungelenk hin- und herspringt. Eine zähflüssige Landschaftspostkarte buddhistischer Religion mit zahlreichen banalen 1-Satz-Glückskeksbotschaften, zuckersüßer Rührseligkeiten und planlos umherirrenden Akteure, von denen Keanu Reeves in der Rolle des Siddharta Gautama stets grinsend, aber seltsam abwesend daherkommt, Chris Issak stereotyp charakterisiertes Anhängsel und Bridget Fonda weinerliche Zicke ist. Sie glaubt, er zweifelt, er glaubt doch – zusammen entstammen beide höchstwahrscheinlich der verstaubten Klischeekiste, auf dessen Deckel "ausgelutschtes Elternmodell" draufsteht. Auch sonst überzeugt Bertoluccis spirituelles Augenschmauskino höchstens als medikamentöse Einschlafhilfe. Außer wunderschöner Musik (Ryūichi Sakamoto) hantiert der italienische Regisseur mit grenzdebilen Special-Effects, nervigen Kids und dem bloßen Reanimieren einer allseits bekannten Gutenachtgeschichte für oberflächliche Hobbybuddhisten, wo weder Wahrheiten erwähnt noch Teetassen-Analogien fundiert erklärt werden. Dem wesentlich spannenderen Ethikhefter, Klasse sieben oder acht, sei der Vorzug gegönnt.


2 | 10