Story:
Trevor Reznick sieht furchtbar aus. Unterernährt verfolgt er eine nicht gerade spannende Arbeit als Fabrikarbeiter. Grund für seinen Zustand: Er kann seit einem Jahr nicht mehr schlafen. Eines Tages geschieht ein furchtbarer Arbeitsunfall, für den Trevor die Schuld trägt. Angeblich hat ihn ein neuer Mitarbeiter abgelenkt haben, der wohl aber gar nicht existiert. Ein mysteriöses Rätsel, das jedoch nicht das Einzige bleiben wird...
Kritik:
Wer kennt folgendes Problem nicht. Wenn man ganz einsam und verlassen die Zimmerdecke bei Nacht anstarrt, man nicht mehr weiß, wie man seine Zeit im Bett vertreiben soll, wenn keine Frau mehr da ist, man jedoch so langsam, aber wirklich so ganz langsam müde vom ewigen starren Betrachten eines Zimmers aus der selben Perspektive wird, dessen Umrisse man bei eben jener Tageszeit nicht mehr eindeutig zu sehen vermag. Man hofft förmlich darauf, endlich seine langersehnte Ruhe in einem gesunden Schlaf zu finden, der aber nicht eintritt. Minuten vergehen, denn das rythmische, geradezu hypnotisierende Klicken des Minutenzeigers einer sich vielleicht im Raum befindenden Uhr geht unaufhörlich weiter. Stunden vergehen. Quälend lange Stunden. Die Augen werden schwer, die Lider senken sich allmählich herab, man denkt sich, dass man einschlafen will, einschlafen, einfach abschalten, sich in seine Träume wiegen, vielleicht sogar in seine Alpträume, doch vom endgültigen Schlaf kann immer noch nicht gesprochen werden. Es ist hoffnungslos. Es darf sich weiter im Bett gewälzt werden, es darf weiter gegrübelt werden. Was tun? Das obligatorische "Schafezählen"? Lesen? Fernsehen? Gesagt, getan. Die Pointe des Ganzen beläuft sich jedoch dahingegend, dass es einem nach mehrmaligen Anläufen und Omas bewährten Hausmittelchen immer noch nicht vergönnt ist, einzuschlafen. So geht der Kampf gegen den Schlaf in die nächste Runde. Die Rede ist natürlich von Agrypnie – Schlafstörung/Schlaflosigkeit.
Der geneigte Leser wird sich jetzt bestimmt fragen, was des Rezensenten beschriebenes Problem von oben denn überhaupt mit dem eigentlichen Gegenstand dieser Filmkritik, nämlich dem spanischen Film "The Machinist" von Brad Anderson, zutun hat. Und da muss geantwortet werden: vieles. Denn unser Protagonist Trevor Reznik leidet an genau dieser Krankheit namens Schlaflosigkeit. Nur ist es bei ihm kein klassisch vorübergehender Effekt, sondern ein Dauerzustand, der bei ihm schon ein ganzes Jahr andauert und zweifelsohne als (verhältnismäßig seltener) Extremfall konstatiert werden kann. Erschwerend wird das Ganze dann noch durch den Umstand, dass Reznik gar nicht weiß, warum er seit dieser langen Zeit kein einziges Auge mehr zudrücken kann. Was müssen das für Ängste sein, für Sorgen, für Visionen und Schuldgefühle, wenn man nicht weiß, man kann nicht mehr einschlafen und weshalb. Dies – und nicht nur das – beantwortet "The Machinist" auf eindringliche Art und Weise. Ein Psycho-Thriller, mehr noch, ein Kammerspiel um Schuld und Sühne, eine atmosphärisch dichte Schnitzeljagd sowohl nach dem eigenen Ich als auch um Verdrängung und Erlösung.
Der geneigte Leser wird sich jetzt bestimmt fragen, was des Rezensenten beschriebenes Problem von oben denn überhaupt mit dem eigentlichen Gegenstand dieser Filmkritik, nämlich dem spanischen Film "The Machinist" von Brad Anderson, zutun hat. Und da muss geantwortet werden: vieles. Denn unser Protagonist Trevor Reznik leidet an genau dieser Krankheit namens Schlaflosigkeit. Nur ist es bei ihm kein klassisch vorübergehender Effekt, sondern ein Dauerzustand, der bei ihm schon ein ganzes Jahr andauert und zweifelsohne als (verhältnismäßig seltener) Extremfall konstatiert werden kann. Erschwerend wird das Ganze dann noch durch den Umstand, dass Reznik gar nicht weiß, warum er seit dieser langen Zeit kein einziges Auge mehr zudrücken kann. Was müssen das für Ängste sein, für Sorgen, für Visionen und Schuldgefühle, wenn man nicht weiß, man kann nicht mehr einschlafen und weshalb. Dies – und nicht nur das – beantwortet "The Machinist" auf eindringliche Art und Weise. Ein Psycho-Thriller, mehr noch, ein Kammerspiel um Schuld und Sühne, eine atmosphärisch dichte Schnitzeljagd sowohl nach dem eigenen Ich als auch um Verdrängung und Erlösung.
Man kann ja über Christian Bale sagen, was man will. Man kann seinen (typischen) "Dackelblick" schlecht reden, man kann ihm einen recht monotonen, behäbigen Gesichtsausdruck als solches attestieren, man kann ihn auch als nichtsnutzigen, in Bezug auf vielschichtige Charaktere gar tendenziell untalentierten, Schauspieler degradieren, der beispielsweise den schwarzen Flatterman Gotham Citys noch lange nicht so grandios interpretiert wie seinerzeit Michael Keaton – jedenfalls den Fanboys nach. Doch seis drum. Hier geht es schließlich um den Film "The Machinist", in dem eben jener Christian Bale brilliert. Er brilliert dahingegend, dass mit ihm der Film lebt und stirbt. Quasi das Rückrad des Streifens, unter dem sich die Narration fügen muss. De facto ist Bale das Grundgerüst für diesen Film, das ihn einerseits zusammen hält, andererseits ganz auf ihn zugeschnitten zu sein scheint. Ganze 30 Kilogramm sind es, die Bale für die Rolle des unfassbar abgemagerten Trevor Reznik in einer Hungerkur verloren hat. So sehr, dass man nur noch Haut und Knochen im wahrsten Sinne des Wortes sieht. Freiwillige Selbstverstümmelung eben. Da liegen Welten zwischen dem protzigen Batman und dieser ausgemergelten Gestalt, die einem gar Bilder von KZ-Häftlingen offeriert: Glanzlose Augen, jeder Wirbel ist in Gänze sichtbar, selbst seine rosa Hautfarbe wird durch diverse Farbfilter gejagd, sodass diese dann dann ebenso verschwindet. Und ja, Bale hat letzlich mit dieser Rolle bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist, ambivalente, psychisch verstörend konzipierte Figuren entgegen seinen Kritikern glaubhaft und authentisch dem Zuschauer zu übermitteln. Sein grenzwertiges, mit voller Hingabe durchzogenes method acting bewegt sich dabei nah am Irsinn, vor allem physisch wegen. Seine intensive Performance ist schlicht unglaublich.
In seiner Geschichte erweist sich "The Machinist" als durchaus simpel und ist nur bis aufs Minimalste beschränkt. Kein optischer Schnickschnack, keine schnellen Schnitte, das Erzähltempo ist entsprechend gemächlich, kurz und bündig werden allerhöchstens nur die 5 wichtigsten Personen vorgestellt, der Rest ist uninteressant und somit liegt der Fokus einzig und allein auf der Handlung – und auf diesen verwirrten Antihelden namens Trevor Reznik. Dieser pirscht sich dann durch einen Kosmos der Verunsicherung und der Vorahnungen. Bis zur finalen Aufklärung bleibt Scott Kosars Drehbuch von Grund auf undurchsichtig und bietet eine Vielzahl an Twists und Turns, die den Zuschauer immer wieder in eine andere Richtung lenken. Und die gefüllt ist mit Psychosen und grenzenloser Paranoia, ab und zu auch mal mit einigen Horrorelementen. Man bekommt ferner einen Blick in tiefste menschliche Abgründe, in des Mannes Tun und Handelns. Doch Andersons surrealer Seelenstrip, der an die Moral, seine Schuld preiszugeben und nicht zu verbergen, möglicherweise appelliert, bedient vor allem die Manipulationsmöglichkeiten des Kinos und des Zuschauers. Virtuos versteht er es, die Grenze zwischen Realität und Traum, zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen, sodass eine Differenzierung beider Aspekte von Szene zu Szene dahinschwindet. Aber auch sonst orientieren sich Anderson und sein Drehbuchautor an ihren großen Regisseurenvorbildern und zugleich Experten für Düsternis und Wahnsinn wie Hitchcock, Cronenberg und auch Polanski. Es finchert darüber hinaus ganz gewaltig in diesem Thriller, der mal Drama sein will, mal Thriller, es wird viel gelyncht und zudem findet sich relativ viel Franz Kafka ein – die Beschreibung eines kafkaesken Psychogramms trifft somit den Nagel auf den Kopf. Diese Parallelen versucht Anderson jedoch nicht zu verbergen, im Gegenteil: Mit wiederkehrenden Blicken auf Dostojewskis "Der Idiot" versucht er dem Zuschauer gar seine Referenzen auf die Nase zu binden.
Hinzu kommt natürlich der für diese Sorte Film fast schon obligatorische Plot-Twist am Ende, der im Falle von "The Machinist" gelungen ist, der auf dem Boden bleibt, der rational und greifbar daherkommt, eben keine abgehobenen Späßchen vermittelt und der wieder einmal einzig und allein auf der Täuschung des Zuschauers basiert. Kosars Fäden, die insbesondere zu Beginn einen leicht wirren Eindruck hinterlassen, laufen an genau dieser Stelle zu einem überraschend kohärenten Ganzen zusammen, bei dem sich die Hauptfigur der Wahrheit stellt und somit das vorangegangene psychische Chaos schlüssig wird. Nicht ganz so gut gelungen sind dagegen einige Schockmomente, die in ihrer Konzeption allenfalls als konventionell durchgehen und doch eher mit den Klischees des Genres herumexperimentieren. Der blutunterlaufene Kühlschrank ist dabei nur die Spitze des Eisberges, was sich außerdem in einigen überhand nehmenden Logikfehlern und Vorhersehbarkeiten bemerkbar macht. Auch die Tatsache, dass sich Anderson komplett seinem Protegé verschreibt, seiner zerklüfteten Seelenstruktur, seiner paranoiden Wahrnehmungen – der Zuschauer hat gegenüber Trevor keinen Informationsvorsprung, er muss sich an seine Perspektive binden -, führt oftmals dazu, dass Rezniks bizarres Aussehen in den Hintergrund gedrängt wird, was neben der seelischen Sache interessant gewesen wäre - hauptsächlich die Frage nach dem wie. Tja, etwas wirklich Neues erzählt der Brad Anderson halt nicht, um genau zu sein.
Rein visuell präsentiert sich "The Machinist" als kalt, als eiskalt, als ausgebleicht, bei dem man nicht selten den Anschein hat, Anderson schlage gerade den Spagat zum Schwarz/Weißen ein, wäre da nicht dieser rote Thunderbird, der durch seinen krassen Kontrast wie ein Fremdkörper wirkt. Überhaupt ist die Atmosphäre beklemmend, gruselig, die Farben erblassen, besser gesagt, sie SIND blass, Rezniks Umgebung trist und beinah schon irreal düster. Hierbei erweist sich vor allem Xavi Giménez´ und Charlie Jiminez´ Photographie als cleverer Schachzug, lockt sie doch den Zuschauer in fast jeder Szene zu falschen Fährten, bebildert mal falsche, mal aber auch von großer Relevanz erscheinende Details, gibt darüber hinaus den ohnehin schon trostlosen Bildern einen depressiven Charakter. Ein schaurig-subtiler Soundtrack von Roque Baños tut sein Übriges zum weitflächig ausgebreiteten Nihilismus zu. Der Komplettierung wegen soll unbedingt noch John Sharian als mysteriöser Ivan und Jennifer Jason Leigh als Prostituierte Erwähnung finden. Letztere hat zwar eine enttäuschend geringe Screentime (das Duell gegen Bale verliert sie ohnehin haushoch), nichtsdestotrotz stellen sich ihre Auftritte als lobenswert heraus.
Fazit:
"The Machinist" ist letzten Endes eine überaus raffinierte, eindrucksvoll gespielte und audiovisuell ansprechende Krankengeschichte und finsteres psychotisches Gemälde des Unterbewusstseins zugleich. Auch wenn Anderson das Kino, ferner das Genre, durch seine Versatzstücke nicht neu erfindet, ist es doch irgendwie faszinierend, wie jemand an seiner eigenen Schuld zerbricht, indem er das Getane bis zum körperlichen und geistigen Verfall verdrängt.
8/10




Die Meinung kann ich leider gar nicht teilen. Für mich einer der absehbarsten Filme aller Zeiten. Spätestens wenn das Hang-Mang-Spiel losgeht, weiß man wie der Hase läuft und dann ist die Luft raus.
AntwortenLöschenWirklich überraschend fand ich den Film auch nicht, dafür grandios gespielt und inszeniert. Der Endwertung kann ich somit voll und ganz zustimmen!
AntwortenLöschenIch muss mich da auch Flos Meinung anschließen. Lediglich Bales physische Performance rettet den Film ins Mittelmaß.
AntwortenLöschenJa, ich schrieb es ja auch im Text. Mit "tollen" Dingen wie den Kühlschrankzettelchen und der Fahrt in der Geisterbahn leidet der Film tatsächlich an einigen Vorsehbarkeiten. Doch das macht ihn für mich letztlich immer noch zu einem richtig guten Streifen. Und den Twist am Ende fand ich - und jetzt kommst - überraschend und für ziemlich gelungen. *duckundweg*
AntwortenLöschenIch mag halt solche Thriller dieser Machart. ;)
Ich mag den Film ja sehr. ;)
AntwortenLöschenSind dir eigentlich die vielen "Zeichen" aufgefallen? Also die Angelrute, wenn er in seinem Schrank die Fotoalben heraussucht, oder den Angel-Aufkleber auf dem Auto, nachdem er angefahren wird. Genial.
Tja, mit der Vorhersehbarkeit ist das so eine Sache. Wäre der Film fünf Jahre früher erschienen wären vermutlich alle Baff gewesen, aber 2004 hatter der Twist halt wirklich schon einen sehr langen Bart. Trotzdem ein guter Film.
AntwortenLöschen@Kaiser
AntwortenLöschenJa, ist mir auch aufgefallen, zumal sich der Film wirklich zum mehrmaligen Anschauen - gerade wegen der von dir angesprochenen kleinen Details - eignet.
@Filmhass
Da kann ich mich dir anschließen, so richtig baff (nicht wie bei "Sieben" oder "Fight Club" beispielsweise) war ich zwar auch nicht, aber für sich gelungen ist der Twist dann doch.
roter Thunderbird also, alles Quatsch
AntwortenLöschenes ist ein 68er oder 69er Pontiac Firebird!!